Der Teufel und das Herz der Menschen

Veröffentlicht am 25. Dezember 2025 um 19:17

Fünf Gedankengänge

  1. Darum geht es im Leben: Das Herz der Menschen
  2. Der Teufel
  3. Die Paladine des Teufels, in Deutschland
  4. Ein Blick zurück, über Jahrtausende hinweg
  5. Wenn wir unsere Wurzeln vergessen – und: eine Hoffnung

 

1. Darum geht es im Leben: Das Herz der Menschen

Rückblick: 15. Januar 2009. Atemloses Schauen von Sondersendungen bis tief in die Nacht. Ringen mit Tränen der Rührung; immer wieder. Ein Flugzeug, Notlandung auf dem eiskalten Hudsonriver. Die Fluggäste stehen auf den Tragflächen, Fähren und alles was an Booten aufzubieten ist fährt einfach los, um diese Menschen zu retten. Der Wert einer jeden Menschenseele ist unendlich wertvoll. Alles wird getan, um jeden zu retten. Liebe verbindet uns, diese Liebe in den selbstlosen Rettungsaktionen wahrzunehmen, das berührt mich bis heute innerlich zu tiefst.

Zeitreise Richtung 2025; genauer gesagt: März 2025: Am Rosenmontag raste ein Mann mit dem Auto durch die Mannheimer Fußgängerzone, mehrere Passanten wurden von dem Wagen erfasst. Eine 83-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann starben, 14 Menschen wurden teils schwer verletzt, darunter auch ein zweijähriges Kind. Ein Taxifahrer war dem 40-jährigen Deutschen hinterhergefahren und versuchte, die Todesfahrt zu stoppen. Später erklärten das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Mannheimer Staatsanwaltschaft, dass der couragierte Taxifahrer dazu beigetragen habe, „den Tatverdächtigen an der Fortführung der Fahrt zu hindern“. Ich bin kein Held. Ich bin ein Muslim“, sagte A. Muhammad, der seinen vollen Namen nicht publik machen möchte. Es sei für ihn selbstverständlich gewesen, einzugreifen und Mitmenschen zu schützen. Seine Religion habe sein Handeln geprägt, so der aus Pakistan stammende Muhammed, der nach eigenen Angaben Mitglied der Ahmadiyya-Muslimgemeinde ist. Mit seinem Statement wolle er auch ein Zeichen gegen Hass setzen, so Muhammad weiter, und hoffentlich auch dafür sorgen, dass Mannheim Offenheit und Toleranz bewahre.

Ein drittes Ereignis: 07.10.2023: Sie sahen Flüchtende, Verletzte, panische Jugendliche – und hielten an. „Unser Gewissen erlaubte es uns nicht, sie dort unter Beschuss zurückzulassen“, sagten sie später. In den folgenden Stunden wurde ihr Jeep zum Rettungsfahrzeug. Sie zogen Verwundete aus dem Staub, sprachen beruhigend auf Menschen ein, die sie nie zuvor gesehen hatten. Immer wieder kehrten sie um – zurück in Richtung Gefahr. Jede Fahrt hätte ihre letzte sein können.

Die vier Cousins retteten an diesem Tag etwa vierzig junge Israelis aus dem Kugelhagel. Erst danach fanden sie ihren Cousin Hisham – und mit ihm eine israelische Frau, Aya Meydan, die sich stundenlang mit ihm in einem Feld versteckt hatte. Als israelische Soldaten sie kurz darauf stoppten, deutete zunächst alles auf eine fatale Verwechslung – die IDF hielt die Beduinen für Angreifer aus Gaza. Dann aber rief Aya: „Sie kamen, um uns zu retten!“, und die Situation klärte sich.

Wieder steigen Tränen in mir auf, benetzen mein Gesicht: Was für eine im wahrsten Wortsinn gelebte Liebe, die sich auf den Menschen gegenüber fokussiert. Das ist das, was uns seit so unendlicher Zeit trotz der „großen“ Herrscher und Gewalttäter der jeweiligen Zeiten weiterträgt, zum Guten hin. Am Ende, so steht es in der Bibel, da wird aus den Büchern der Lebens Gericht gehalten. Nur am Rande: die Cousins, die handelten – wie auch die anderen Menschen in den Begebenheiten zuvor – die handelten wie der barmherzige Samariter: So viele gingen vorbei, er ließ sich anrühren von dem hilflosen Menschen.

Für den Moment eine viere, eine letzte Begebenheit: Sydney, Bondi Beach, 14.12.2025. Neben dem so entsetzlichen Geschehen, oder auch darin: Selbstlosigkeit und Nächstenliebe. Ein Muslim schreitet ein, um Juden zu retten, denen der Anschlag gilt. Juden werden angegriffen, weil sie Juden sind, und ein Muslim schreitet ein. Er geht gegen einen Muslim vor. Kein Ausspielen von Religionen gegeneinander. Was uns zutiefst verbindet ist, dass alle Menschen guten Willens zusammengehören. Ein Licht strahlt in der Dunkelheit. Die drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und der Islam) stehen sich im Wesenskern sehr nahe. Doch immer wieder wurde von Menschen versucht, Gott auf ihre Seite zu ziehen. Die Instrumentalisierung geschieht immer wieder, durch die Jahrtausende hindurch. Machterhalt anstelle von Barmherzigkeit, Spiritualität und ethischen Grundsätzen. Mit Freiheit und Gleichheit, da lassen sich Angriffskriege und so viel mehr, sehr schwer begründen, als mit einer Religion der Unterwerfung. So wurde der Wesenskern der Religionen – Liebe und Mitgefühl leben – pervertiert. Die Religion ist im Grunde egal, wenn Liebe und Mitgefühl gelebt werden.  Das gleiche gilt auch für Atheisten.

 

2. Der Teufel

März 1993: Killertourismus im Bosnienkrieg. Zum Spaß vom Hügel auf wehrlose Menschen schießen. Es wurden für Wochenendausflüge nach Sarajevo umgerechnet 80.000 bis 100.000 Euro bezahlt, um  von den serbisch besetzten Hügeln aus Jagd auf Kinder, Frauen und Männer in den Straßen Sarajevos zu machen. Es wurden Preise ausgelobt: Höchstpreise sollen Schüsse auf Kinder in den Armen ihrer Mütter oder Schwangere gewesen sein, heißt es in einigen Presseberichten.

Wo ist denn da Gott? Was ist mit all der Gewalt, all dem Hass in der Welt. Hat Gott damit nichts zu tun? Die Bibel ist voll von Antworten auf diese Frage. Von Anfang an ist auch von den Kräften die Rede, die Gottes gutes Schöpfungswerk verdunkelt haben und für die die Menschen dann dieses alte Wort „Sünde“ gefunden haben. Am Ende des Schöpfungsberichtes im ersten Kapitel der Bibel heißt es: „Und siehe, es war sehr gut“. Aber direkt danach ist von diesem „sehr gut“ nichts mehr zu spüren. Die Menschen missachten die guten Gebote, die Gott ihnen gegeben hat.  Kain erschlägt seinen Bruder Abel, weil er eifersüchtig gegen ihn ist. Die Israeliten tanzen um das Goldene Kalb. Sie beten das Geld an, anstatt sich für die Schwachen einzusetzen, wie die von Gott gegebenen Gebote es fordern. Gott sagte damals: Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Hinzugefügt: Das ist so durch die Jahrhunderte hindurch gewesen, bis heute.

Ende 2025: Sie beten das Geld an, anstatt sich für die Schwachen einzusetzen, wie die von Gott gegebenen Gebote es fordern. Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Siehe nur – als eins von so vielen erschreckenden Geschehnissen – Sarajevo. Da hat sich nichts geändert, bei den Menschen.

Aber auch mit Blick auf unsere Gesellschaft, in der vorgeblich so freiheitlichen und fortschrittlichen Demokratie, in der die Menschenrechte formal so hochgeachtet werden. Auch da breitet sich immer offener ungehemmt der Teufel aus, er wirkt bis in die kleinsten Winkel unseres Seins hinein.

Doch zunächst: Wo kommt das Wort Teufel überhaupt her? Das deutsche Wort „Teufel“ stammt vom altgriechisch Wort: Διάβολος Diábolos, wörtlich der "Durcheinanderwerfer‘ im Sinne von ‚Verwirrer, Faktenverdreher, Verleumder, Zerwürfnis stiften‚ verleumden, entzweien, spalten".

Wer spaltet auch heute noch immer, im Auftrag des diabolischen, des Teufels? Er hat so viele Helfershelfer. Es sind so unsäglich viele Speichellecker und willfährige Paladine in der Nähe des Teufels! Man muss nur nach Amerika schauen. Der Teufel ist dort hyperaktiv, ein Meister des Spaltens. Ein Meister des Spaltens von Gemeinschaften. Gemeinschaften, in denen Leben gelingen kann, trotz aller Schwierigkeiten die es im Leben gibt. Doch der Meister des Spaltens spielt dort unter anderem Virtuos auf der Klaviatur des tief verankerten Rassismus. So spaltet er die Gesellschaft und entmenschlicht Personen anhand ihrer Hautfarbe und Herkunft, dabei sind wir alle Menschen. Es ist ein korruptes, rassistisches System. das Minderheiten diskriminiert. Und zu Weihnachten – 2025 – wütetet er über den Abschaum: „Frohe Weihnachten an alle, auch an den Abschaum der radikalen Linken, die alles tun, um unser Land zu zerstören“, und will TV-Moderatoren, die keinen Speichel lecken, einschläfern lassen.

Und bei uns, in Deutschland? Sie beten das Geld an, anstatt sich für die Schwachen einzusetzen.  Nur ein „kleiner“ Aspekt hier in Deutschland: Der Verband der Familienunternehmer. Was für ein sympathischer Name! Doch ist der Verband bei Lichte betrachtet eine knallharte Lobbyorganisation. Sie ist Meister darin, die Interessen ihrer Mitglieder medial zu bespielen und politisch Einfluss zu nehmen. Er pusht derzeit massiv neoliberale Reformen, Deregulierung, Steuersenkungen und Sozialabbau im Namen des Wirtschaftswachstums. Lobbyarbeit vorbei an allen demokratischen Regeln. Es ist eine Wirtschaftspolitik, die sozial spaltet. Diabolische Kräfte sind am Werk. Nur ein Beispiel: Mit dem Bürgergeld werden neue Schikanen für die Ärmsten eingeführt, oft trifft es am Ende die Schwächsten, die Kinder. Der Abbau des Sozialstaates hat begonnen. Mir scheint, dass der Streit in 2025 ums Bürgergeld und um die Rente waren nur der Anfang waren.

Und dann wieder die Wirtschaftsweisen. Kurz vor Weihnachten 2025 Gift in die Venen der Gesellschaft, des Gemeinwesens träufeln: Praxisgebühr für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung – da sind nicht die reichsten Menschen versichert. Und Leistungen für ältere Menschen überdenken, im schlimmsten Fall kann das zur Verdammung von nicht lebenswerten Leben führen; wir hatte so was schon mal in Deutschland. Welchem Leitstern folgen diese sogenanntem Wirtschaftsweisen? Welchem Stern folgten die heiligen drei Könige? Ich schätze, die Könige folgten einem diametral anders ausgerichteten Stern, als die Wirtschaftsweisen.

Doch es braucht Umverteilung, das ist richtig, Doch es braucht Umverteilung von oben nach unten. Um den sozialen Frieden und die Demokratie zu retten. Die Reichen und die Überreichen haben so viel Vermögen und Geld. Und dieses Vermögen wächst in unvorstellbare Größenordnungen. Ein kurzer Rückblick: In Deutschlang gab es mal einen Bundeskanzler, der in einer Spendenaffäre sein Ehrenwort über den Amtseid gestellt hatte, den er gegenüber der Gesellschaft und auch gegenüber Gott geschworen hatte. Ein lupenreiner Christdemokrat, es gibt da wohl so viele. Er hatte auch die Reichensteuer ausgesetzt. Der Bimbes-Kohl. Wenn die Steuer wieder in Kraft treten würde, dann hätten wir KEINE Debatten über die Bezahlbarkeit des Sozialsystems. Eher ein aufblühendes Gemeinwohl. Und die Verkehrsinfrastruktur würde auch nicht weiter verrotten. Auch hier wäre genügend Geld vorhanden.

Tja, die so "ehrenwerten" Lobbisten, Stand 2026: Die Finanzbranche kämpft schmutzig. Für die private Altersvorsorge schickt sie Hunderte Lob­by­is­ten ins Rennen. Kein Wunder, dass die gesetzliche Rente in der Öffentlichkeit systematisch schlecht gemacht und die kapitalgedeckte private Altersvorsorge gefeiert wird. Auf jedes Mitglied des Finanzausschusses des Bundestags kommen zehn Lob­by­is­ten allein der zehn größten Konzerne und Verbände der Finanzbranche. Das zeigt die Auswertung des Lobby-Registers des Bundestags durch die NGO Finanzwende. Der besinnungslose Tanz um das goldene Kalb erreicht einen neuen Höhepunkt. Nein, es geht nicht um das Gemeinwohl. Der Teufel, der von der Wissenschaft abgeschafft wurde, wirkt immer offener weiter in dieser Welt, verbunden mit einem diabolischen Grinsen. Und wirkt weiter mit an der Spaltung des Gemeinwesens, wie immer zu Lasten der Schwächsten. Und die Lobbisten hatten mit der Riesterrente schon mal einen großen Flop produziert. Wobei auch Millionen von Steuergeldern versemmelt wurden. Nochmals ein Blick auf "versemmeltes" Geld: Die CumExler und die CumCumler: Milliarden an Steuerbetrug könnten für das Gemeinwohl zurückgeholt werden von den Verbrechern gegen das Gemeinwohl, von Bankern und Konsorten: Doch was für ein Wunder - es gibt immer weniger Menschen, die sich der Sache annehmen können. Fachkräftemangel - Staatsgemacht. Wo ein Wille ist, das ist auch ein Weg! Wer hat da wohl seine Finger im Spiel, neben den Politikern und den so wohlfeilen Lobbyisten? Geld für ein blühendes Gemeinwahl ist im Grunde mehr als genug da.....

 

3. Die Paladine des Teufels, in Deutschland

Politik und Politiker in Deutschland heute (2025), vorab nur zwei kleine, aber doch bezeichnende Beispiele: Grüne schimpfen über das die Umwelt zerstörende kapitalistisch-christliche System. Die Welt soll dem Menschen untertan sein, so die Bibel; klar, dass alle Umwelt zerstört wird. Doch mal wieder gezielt ein aus dem Kontext gerissenes Zitat: „Ihr sollt euch die Welt Untertan machen und sie bebauen und bewahren.“ Bebauen und bewahren, so der Schöpfungsauftrag.

Und nun fast wie sein Großmeister aus Amerika, hat der bayerische Meister der Fleischeslust auf Instagramm (ich frage mich, ob er weiß, ob Matetee oder vielleicht grüner Bergtee in der Teewurst ist) und des Imitators des Kniefalls von Willy Brandt in Warschau, klar gesagt: E findet das Leben von Polizisten als mehr wert findet als das von Schwerverbrechern. Kennt der die Kreuzigungsszene von Golgatha? Was hatten die beiden Schächer zur linken und zur rechten Seite zu Jesus gesagt? Und wem wurde zugesagt, dass er am Tag der Hinrichtung das Himmelreich erblicken wird? Weis der Mensch aus Bayern, der das Christentum so als Popanz vor sich herträgt, was den Wesenskern des Christentums wirklich ausmacht? Weiß er, wem er mit seinem Handeln und Reden wirklich dient? Neben seinem Ego?

Das Ego der Politiker, die sich und ihre Spezis auf Kosten der Steuerzahler bereichern, Mitglieder der Kaste der Unberührbaren:

Wer hat profitiert? Über 200 Mio.€ Steuergeldern verbrasst  – Andi Scheuer und das Mautdebakel. Konsequenzen: Keine. Und: Der Sozialstaat ist nicht mehr bezahlbar. Da muss man ja wohl bei den Schwachen und den Armen sparen; erbärmlich, diese sogenannten Volksvertreter.

In den Kontext, da passt auch der Masken-Spahn mit rein, in den Sumpf gegenseiteigen Bereicherungen über Posten und Vetternwirtschaft, so kennt man die, die sich selbst als „Christ“ – Demokraten bezeichnenden Menschen. Millionenvilla mitten in der Coronakrise für einen bis dato durchschnittlich begüterten Menschen? Spenden? Klar, jede Einzelspende knapp unter der Meldepflicht; in der Summe sehr viel. Und Milliarden verbrasst – wie Scheuer. Aber die Gelder sind ja gut angelegt, obwohl drei Milliarden für „die Tonne“ waren. Da muss man ja wohl bei den Schwachen und den Armen sparen; erbärmlich. Nur ein weiterer kleiner Baustein in dem Masken-Kontext: SimpleBreath, ein potentieller Lieferant für Masken, hatte noch nicht im Handelsregister gestanden, aber mit 333 Millionen Masken den zweitgrößten Auftrag für OP-Masken aus heimischer Produktion erhalten, berichtet der „Spiegel“. Der Auftragswert betrug demnach knapp 30 Millionen Euro. Kumpanei der Schwarzen? Wohl gängige Praxis, man denke nur an Bímbes-Kohl. Konsequenzen? Man siehe Maut-Andi. Auch hier: Da muss man ja wohl bei den Schwachen und den Armen sparen; erbärmlich.

Geld wäre genug vorhanden! Das wird aber verantwortungslos verbrasst. Zu unseren, zu meinen Lasten.

Junge Rebellen in der Union gegen die Rente? Haben die überhaupt schon mal gearbeitet und wieviel Geld bekommen Sie von Lobbyisten? Da braucht man sich keine Sorgen um das Alter machen; draufhauen auf die Schwachen. Da muss man ja wohl bei den Schwachen und den Armen sparen; erbärmlich. Reichensteuer? Da wäre genug Geld da.

Nur noch ein kleines Beispiel, anhand der Frage: Wofür gibt der Staat unsere Steuern aus? Das kontrolliert das Bundesfinanzministerium. Unter dem ehemaligen Finanzminister Christian Lindner kam es aber offenbar ausgerechnet dort zu einer großen Steuerverschwendung: Die Behörde schaffte für viel Geld Spezial-Smartphones an – um diese dann quasi gar nicht einzusetzen. 35 Millionen Euro wurden so in den Sand gesetzt. Konsequenzen: Keine.

Die Politiker schweben eben in der Kaste der Unberührbaren. Und sind drüber hinaus willfährige Paladine von Lobbyisten: Quasi rund um die Uhr arbeiten Heerscharen von Industrie- und Finanzunternehmen, Menschen in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Stiftungen und Forschungsinstituten – mal leiser, mal lauter – daran, den Staat auszuhöhlen. Tag und Nacht widmen sich Unternehmens- und Steuerberatungen der Frage, wie öffentliches Eigentum zugunsten privater Kapitalgeber liquidiert werden kann. Zeitgleich bahnen millionenschwere Lobbygruppen den weiteren Ausverkauf öffentlichen Eigentums an. Wissen sie wirklich auf welcher Seite sie sich befinden? Welchem Herrn dienen sie? Was ist ihr innerer Leitstern, neben Lippenbekenntnissen?

 

4. Ein Blick zurück, über Jahrtausende hinweg

Schon archaische Völker im alten Orient wussten, dass es besonders schwerwiegende Verfehlungen gab, mit denen sich der Mensch von seinem göttlichen Ursprung trennt. Von der Liebe.

Die in Auflehnung gegen Gott befindliche Welt hat sich ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und Wertvorstellungen geschaffen. Es ist ein eigenes System von Weisheit, Macht und Anerkennung, dass allerdings vor Gott nichts gilt.

Die Bedrohung der Welt tritt in aller Schärfe hervor, wenn der Apostel Paulus in mythologischer Sprache vom Satan und den ihm zugeordneten Gewalten redet. 

Er spricht sehr klar von einem Leben jenseits von Gott: „Der Sold der Sünde ist der Tod“.

Sünde – die sieben Todsünden. Sie sind keine Erfindung des Christentums.

Im Volk Israel wurden schon um 1000 v. Chr. elementare Regeln in Stein gemeißelt. Aus diesen Zehn Geboten lassen sich bestimmte Hauptvergehen ableiten.

Im Neuen Testament finden sich verschiedene darauf aufbauende Lasterkataloge. Im Laufe der Kirchengeschichte hat sich die Siebenzahl der Todsünden herausgebildet.  Doch in den letzten Jahrhunderten gab es eine Bewegung hin zur Zivilisierung der Sünde. Was einmal als unmissverständlich sündhaft galt, als böse, unmoralisch, gott- und menschenfeindlich, ist zu großen Teilen dramatisch umgewertet worden. Todsünden wurden nach und nach zu Tugenden.

An dieser Entwicklung lässt sich der gesellschaftliche Wandel von Werten und Moralvorstellungen nachvollziehen. Die Neubewertung der Laster zu nützlichen Eigenschaften oder gar Tugenden finden wir zuerst in der Renaissance.

Sie schritt in der Moderne weiter fort und ist bis heute nicht abgeschlossen.

Ein Blick auf zwei der Sünden, die uns von Gott entfernen: Zunächst Geiz und Habgier. Geiz und Habgier haben viele Gesichter.

Wir erregen uns über die "Raffkes" in der politischen Klasse; die "Abzocker" in der Wirtschaft.  Aber Habgier und Geiz sind kein Privileg der Mächtigen. Wir scheinen ein Volk von Schnäppchenjägern geworden zu sein, die eine seltsame Mischung von Geiz und Habgier praktizieren – möglichst viel haben wollen und möglichst wenig dafür bezahlen:

Das Wort vom "Preis-Leistungs-Verhältnis" taucht in fast allen Unterhaltungen auf. Wer fragt nach den Arbeitsbedingungen, unter denen das 1€-Shirt bei KIK hergestellt wurde? Oder das Billigfleisch zum Grillen?

Die Neubewertung zeigte sich schon im Kolonialismus.

Seit dieser Zeit arbeiten zum Beispiel die Eliten Lateinamerikas einem Weltwirtschaftssystem zu, das den Globus heute in Gewinner und andere einteilt.

Der Freihandel, das ganze Weltwirtschaftssystem ist darauf ausgerichtet, dass die Starken billig Rohstoffe kaufen und verarbeitete Güter teuer verkaufen. Mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel Peru, das früher eine eigene Textilindustrie hatte, heute fast nur noch chinesische Waren einführt.

Und ein Manager von Chiquita sagte mal: Die europäischen Kunden sind der Meinung, sie hätten ein Anrecht auf billige Bananen – da könne er doch keine höheren Löhne zahlen.

Doch auch in Europa greift das um sich; nur ein Blick auf die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Menschen aus dem ehemaligen Osteuropa, die gegen einen Hungerlohn und unter menschenunwürdigen Umständen unser Billigfleisch produzieren. Auch billige Pflegekräfte werden von dort angeworben, unsere Pflegekräfte werden zwar beklatscht aber nicht höher entlohnt. Die anderen Staaten bluten aus, es fehlen die Fachkräfte.

Unser Wohlstand beruht auf der Ausbeutung vieler Menschen, ja ganzer Kontinente.

Die Menschen, die vor dem durch unsere Waffen – die mit hohem Profit verkauft wurden - erzeugten Elend fliehen, die lassen wir im Mittelmeer ertrinken oder in Flüchtlingslagern krepieren.

Zu der Sünde der Trägheit:

Die Trägheit nistet sich heute vor allem dort ein, wo sich der Rückzug aus der Verantwortung für den Nächsten als vorgeblich rationale Haltung, als Nichteinmischung tarnt. Trägheit ist heute vor allem Gleichgültigkeit. Sie zeigt sich im willentlichen Ignorieren fremder Schicksale. Sie ist die bequeme Neutralität, die uns nahelegt, uns rauszuhalten.

Für die in bitterer Not in den Flüchtlingslagern an den Grenzen Europas hausenden Menschen, für die Kinder und die Frauen, was tun wir?

Die Trägheit des Herzens – lassen wir uns noch berühren, von dem Leid in der Welt, der Not unseres Nächsten?

Das Konzept der Todsünden lädt ein, unsere Fähigkeit zum Bösen anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen. Wir "sündigen" nicht, weil uns gesellschaftliche Verhältnisse dazu zwingen. Die Todsünden legen unseren Charakter als Ganzes bloß – man kann sie nicht abspalten, rationalisieren oder trivialisieren.

Die Fähigkeit zum Bösen ist auch heute in uns – wir haben die Wahl, ob wir eine Grenze überschreiten oder nicht.

 

5. Wenn wir unsere Wurzeln vergessen – und: eine Hoffnung.

Was viele Menschen heute vergessen: Das heutige Konzept der Menschenwürde, die allen Menschen zuteilwird, lässt sich im Wesentlichen auf die jüdisch/christliche Überlieferung zurückführen. Niemand will heutzutage die Menschenwürde abschaffen, aber viele hätten kein Problem damit, wenn Gott, Glaube und Kirche abgeschafft werden würde.

Für die allermeisten Menschen hat es ohnehin keine oder nur noch eine sehr geringe Bedeutung.

Doch es kann das eine nicht ohne das andere geben. Keine Menschenwürde ohne den Glauben an die Gottebenbildlichkeit. Im Moment ist es vielen Menschen noch plausibel, weil sie es so kennen und es sich richtig anfühlt. In einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten muss das nicht mehr zwangsläufig der Fall sein. In einem rein materialistischen Weltbild, einem rein evolutionistischen survival of the fittest macht so etwas wie Menschenwürde nämlich eigentlich keinen Sinn.

Für uns Christen aber macht es Sinn, weil es Gott so überliefert hat. Wir sind alle gleich. Das glauben wir und das Leben wir. Ob groß, ob klein, dick oder dünn, aus dem Süden dieser Erde oder dem Norden stammend, schlau oder nicht, begabt oder behindert, krank oder gesund. Wir alle sind nach Gottes Ebenbild geschaffen.

Gott hat sich festgelegt. Gott hat sich festgelegt auf die Liebe. So dass dann viel später der Verfasser des Johannesbriefes sagen kann: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“. Die Liebe ist eine der 12 Früchte des Heiligen Geistes. Aber was bedeutet das eigentlich? Was ist diese Liebe, von der die Bibel spricht? Nun, es ist nicht die Art von Liebe, die wir oft in Filmen oder Romanen sehen.

Es ist keine romantische Liebe, die von Leidenschaft und Verlangen geprägt ist. Nein, die Liebe, von der hier die Rede ist, ist viel tiefer und bedeutungsvoller. Die Liebe, von der die Bibel spricht, ist eine bedingungslose Liebe.

Es ist die Art von Liebe, die uns dazu bringt, andere Menschen bedingungslos zu akzeptieren und zu respektieren, unabhängig von ihren Fehlern oder Schwächen. Es ist die Art von Liebe, die uns dazu bringt, anderen zu vergeben, selbst wenn sie uns verletzt haben. Es ist die Art von Liebe, die uns dazu bringt, für andere da zu sein und ihnen zu helfen, wenn sie in Not sind (siehe auch das Intro zu diesem Blogeintrag).

Die Liebe ist eine Frucht des Heiligen Geistes, die uns dazu bringt, die Welt zu verändern. Wenn wir bedingungslos lieben, dann können wir auch andere Menschen dazu inspirieren, dasselbe zu tun. Wir können eine Kette der Liebe bilden, die sich überall hin ausbreitet und die Welt zu einem besseren Ort macht.

Die Liebe ist eine Frucht des Heiligen Geistes, die uns dazu bringt, das zu tun, was richtig ist. Wenn wir bedingungslos lieben, dann werden wir auch das tun, was Gott von uns verlangt.  Wir werden uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen und uns für die Schwachen und Unterdrückten einsetzen.

Mit Jakobus: Ein Glaube ohne Werke ist tot.

Wir können eine Kette der Liebe bilden, die sich überall hin ausbreitet und die Welt zu einem besseren Ort macht. Jeder an seinem Platz in der Gesellschaft.

 

Rüdiger Schaller, 25.12.2025

Autor des Buches „In die Stille“

 

Inspirationen und Quellen:

New York: Held vom "Hudson River" meldet sich am 15. Jahrestag zu Wort

Amokfahrer verfolgt: „Ich bin kein Held. Ich bin ein Muslim“, sagt Mannheims mutiger Taxifahrer - WELT

Killertourismus im Bosnienkrieg: Zum Spaß vom Hügel auf wehrlose Menschen schießen | taz.de

Verband der Familienunternehmer: Ein blauer Testballon | DIE ZEIT

Beschwerde des Rechnungshofs: 2000 Euro pro Stück: Lindner-Ministerium warf Millionen für nutzlose Handys raus

Einfluss von Lobbyisten : Es braucht klare Schranken | taz.de

Wie Lobbyisten die staatliche Rente schlechtmachen | taz.de

Anne Brorhilker: Cum-Ex-Jägerin kritisiert „politische Arbeitsverweigerung“ bei noch größerem Steuer-Betrug - WELT

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