Die Bedarfe:
Sicherung extrabudgetärer Angebote
Ausbau und Erhalt des extrabudgetären Unterstützungs- und Behandlungsangebotes wie Kunsttherapie, Musiktherapie, würdezentrierte Biographiearbeit und Förderung der sozialen Teilhabe. Stärkung der individuellen Prähabilitationsmöglichkeiten.
Mutmacher für ein Leben bis zuletzt
Ausbau des innovativen Angebots zur Versorgung in der Tages- und Nachtklinik der Palliativmedizin des JoHo. Dadurch kurzzeitige palliative Versorgung der Patientinnen und Patienten (z.B. Physiotherapie, psychoonkologische Betreuung, Medikamentierung)
Medizinische Klinik III - St. Josefs-Hospital Wiesbaden
3265 Kilometer mit der Vespa nach Kreta - das Spendenprojekt 2026
Die Spendenplattform:
Zwischenzeit
Ziel erreicht, zum Ersten:
Angekommen am Strand, ruhiges Meer und angenehme Temperaturen. Ab rein ins Wasser! Tief einatmen, durchatmen. Salzwasser auf den Lippen. Die Sonne steht hoch, wärmt meinen Nacken. Sanft umschmeichelt mich das Wasser des Kretischen Meeres. Angenehm warm birgt es mich.
Mein Blick schweift ab, hinter den Häusern von Rethymnon erheben sich die weißen Berge. Leichter Dunst zeichnet ein sanftes Bild. Rethymnon, die Altstadt mit ihren venezianischen und osmanischen Bauten, Gassen und Plätzen. Die Festung von Rethymnon, das Fortezza, bietet einen traumhaften Panoramablick über die Stadt und über das typisch griechisch tiefblaue Meer. Erbaut im 15. Jahrhundert von Venezianern. Später von Osmanen erweitert. Ende des 19. Jahrhundert entstanden auf dem Gelände auch zwei Kirchen.
Ein versteckter Schatz, diese Stadt. Quirlig, lebendig. Eine bunte Mischung Einheimischer und Touristen. Alle, vor allem die Bewohner, sind dem Leben zugewandt. Herzliche Begegnungen, keine aufgesetzte Verkäufermienen in kalten Einkaufcentern. Turbulenter Verkehr auf den Straßen. Alle verhalten sich nach dem Motto: Leben und leben lassen. Wie entspannend. Kein Schein sondern nur das Sein feiern. Ich plansche noch eine Weile im Meer. Erinnerungen an die bisherige Reise tauchen vor meinem inneren Auge auf. Bilder und Emotionen kommen und gehen. Irgendwie bin ich auch stolz, das ganze geleistet zu haben. Bereichernd. Etwas konnte ich auch über meine Reiseblogs weitergeben.
Ziel erreicht, zum Zweiten:
Ein schöner Austausch mit dem Joho bisher. So gebe ich an dieser Stelle den Text aus einem Post in Facebook vom Joho wieder, der die aktuelle Phase sehr gut trifft; gut geschrieben:
„Das Ziel ist erreicht 🏁 3.265 km von Wiesbaden nach Kreta mit seiner roten Vespa. 🇬🇷 Rüdiger Schaller ist angekommen. Die gefahrenen Kilometer, zahlreiche Begegnungen und viele, viele Eindrücke liegen hinter ihm. Er hat sein Ziel erreicht. Spenden sammeln für unsere Palliativstation am JoHo und gleichzeitig aufmerksam machen auf die Bedeutung der Palliativversorgung. 🫂 Nach all seinen Erlebnissen ist eines für ihn ganz klar: Er wird weiterhin auf Entdeckungsreise bleiben. Offen und neugierig sein. Denn wie sagt er: „Die Welt ist so schön, wir müssen nur unseren Blick auf das Schöne und Gute lenken. Und dies fördern und bewahren. So gelingt Leben.“ Und noch eines ist ihm auf seiner Reise deutlich geworden. Man kommt immer mal wieder ungeplant vom Weg ab und muss sich mit diesen ungeplanten Unwegbarkeiten auseinandersetzen. Diese Situationen können auf unsere Lebensaufgabe und Lebensreise übertragen werden. Denn da stoßen wir auch immer wieder auf etwas, was wir nicht geplant haben, wir stoßen auf Widrigkeiten und müssen uns neu orientieren. So finden wir oftmals andere Wege, die uns in einen lebenswerten Alltag führen können. Nun ist zunächst einmal eine Auszeit geplant, bevor es Anfang Juni zurück nach Wiesbaden geht. Spenden könnt ihr gerne weiterhin. Den Link zur Spendenplattform findet ihr in unserer Story.🙏🏼 #spendenprojekt #palliativmedizin #reisen #lebensende“
Der direkte Link zum Spendenprojekt: Der Link ist direkt über dem Artikel vom Wiesbadener Kurier (siehe weiter oben) aufgeführt.
Reiseblog 34 - Höhenluft und Sendepause
Nun stehe ich sehr weit oben auf einem Berg und weiß nicht weiter. Ortskenntnisse oder ein zumindest halbwegs funktionierendes Navi, die hätten mich nicht in diese missliche Lage gebracht. Ich wollte auf den Spuren von dem Apostel Paulus wandern. Und nun ich wohl zu früh abgebogen. Erst leichte Serpentinen. Zunehmend steiler und enger ging es dann den Berg hoch. 400 Höhenmeter auf 7 Kilometer. Das ist schon ein Wort. Da, da will ich nicht wieder runter fahren! Ganz klarer Entschluss.
Auf der anderen Seite, da ist es bestimmt besser zu fahren. Doch weit gefehlt. Vor mir sehe ich die Strecke. Sie führt direkt an der Steilküste - mit traumhaften Blick auf das Meer - vorbei und dann wieder nach 3 Kilometern rund um den Berggipfel zu den Serpentinen, die ich hoch gefahren bin. Ich schaue mich um: Keine Menschenseele weit und breit. Autos: Fehlanzeige. Nur: Es würde mir eh nichts helfen. Ich muss ja irgendwie wieder runter von dem Berg. Selbstverständlich mit meiner Vespa. Also umdrehen - ich bin nicht wirklich schwindelfrei. Der Abschnitt vor mir, das hätte kritisch werden können. Wie schaffe ich die Abfahrt gut? Eine Erinnerung blitzt auf: Das kann ich so machen, wie bei dem Bieler Nachtlauf. Da unten ist das Ziel, da werde ich ankommen. Im Hier und Jetzt, da fokussiere ich mich immer nur auf den nächsten Meter. Nur immer auf den nächsten Meter. Die Meter, die summieren dann zu Kilometern. Und irgendwann habe ich es geschafft. Ziemlich geschwitzt dabei, nicht nur wegen dem Wetter. Doch alles ging im Grunde problemlos. Ich war nur auf die Straße und den nächsten Meter fokussiert. Eine Leistung des Willens.
Auch das ursprünglich angestrebte Ziel fand ich. 600 Meter nach dem Abzweig auf den Berg. Doch meine Enttäuschung ist groß. Diese zerfallene Kirche, die soll es sein? Nun, dann fahre ich eben zurück in meine Unterkunft und prüfe die Route nochmals. Aufgeben, das gilt in dem Falle nicht.
Zu Beginn der Rückfahrt, da komme ich wieder im wahrsten Wortsinne ins Schwitzen. Durch meinen Abstecher über den Berg - die Höhenluft war gut - ist der Tank der Vespa bald leer. Die erste Tankstelle: Kartenzahlung an der Säule - die Anleitung nur in Griechisch. Also weiter. Die nächste Tankstelle angefahren - der Besitzer kam mir strahlend entgegen und meinte, die Tankstelle wäre jetzt geschlossen. Wo die nächste wäre, das wüsste er nicht und fuhr davon. Also weiterfahren und hoffen. Kurz darauf konnte ich dann doch volltanken.
Dank meiner Ortsunkenntnis und der Ausschilderungen der nächsten Ziele fuhr ich erst mal rein in Richtung des einzigen Ortsnamens, den ich kannte: Heraklion. Irgend wann werde ich bestimmt wieder auf den richtigen Weg kommen. Das kam ich dann nach ein paar Kilometern und, was für eine große Freude: Ich entdeckte das historischen Grotyn.
Gortyn war eine große antike Stadt mit reichen mythischen und religiösen Überlieferungen. Die Stadt ist auch mit den beiden Aposteln Paulus und Titus verbunden. Paulus ernannte damals seinen Schüler Titus zum ersten Bischof von Kreta. Gleich am Einlass zu den Ausgrabungen stehen die Reste der Tituskirche. Es gab viel zu entdecken dort. Klar, ich habe mir im Shop dann auch Literatur besorgt. Da gibt es einige Abende was zu lesen; vielleicht bei einem guten Glas Rotwein?
Nach einer Weile fahre ich zurück, müde aber glücklich. Es war ein voller Tag mit so unterschiedlichen Erlebnissen. In der nächsten Zeit werde ich weitere Erlebnisse haben, doch ich werde erst nach meinem Standurlaub wieder weiter berichten. Über die Rückfahrt. Also erst mal „Sendepause“ bis Ende Mail. Heute ist noch kein Badewetter - es ist stürmisch und die Wellen schlagen hoch am Strand auf.
Es wäre schön, wenn auch während der „Sendepause“ sich noch ein paar Menschen entschließen, mein Herzensprojekt für die Palliativmedizin auch mit einer Spende zu unterstützen.
Die Spendenplattform bleibt noch weiter offen. Ende Juni steht die Übergabe der Spendensumme an die Stiftung des Joho´s an.
Reiseblog 33 - Zufall?
Pläne - vom Winde verweht. Oft sieht man erst im Rückblick, für was das gut war. Nun, ich landete - nicht in Sitia - sondern in Ierapetra. Dann die Südküste weiter bis, ja bis nach Kalamaki. Eigentlich wollte ich in Tymbaki eine Unterkunft nehmen. Doch es war nichts frei. So landete ich in Kalamaki, im Hotel Knossos. Was für ein Zufall, erst 10 Minuten vor der Ankunft in Kalamaki hatte ich das Hotel entdeckt. Und es war noch ein Zimmer frei. Eine tolle, gut gelegene und sehr saubere Unterkunft. Mit einem Klasse Frühstück - am Tisch serviert. Doch mit das Beste: Geführt wird das Hotel von Eva, mit Wurzeln in Deutschland, Niederbayern. Eine herzensgute Frau, die große Liebe in Kreta gefunden. Wir sprachen schon bei meiner Ankunft über einiges. Auch darüber, dass Palliativmedizin meist nur den Menschen bekannt ist, die direkt betroffen sind. Später sprachen wir unter anderem über die Unterschiede von Knossos (der Siedlung) und über Phaistos, der nicht ganz so bekannten minoischen Siedlung. Ganz in der Nähe.
Nun zu dem Zufall: Gortyna. Gortyna war mir völlig unbekannt. Der Gründungsmythos weißt auf den legendären König Minos hin. Später ein frühes Zentrum der Christianisierung. 59 n. Cr. predigte hier der Apostel Paulus. Das macht für mich einen Besuch zum einem Besuch, den ich unbedingt absolvieren will. Klar als Christ und Laienprediger der evangelischen Kirche habe ich da ein großes Interesse, quasi seinen Spuren nachzufolgen.
Doch heute erst mal ein Ruhetag. Gestern der Besuch in Phaistos, der war bei der Hitze in der Motorradkleidung doch sehr anstrengend. Danach noch ein kurzer Abstecher zur Kalyviani Monastery sowie nach Matala; später mehr.
Phaistos, für mich total beeindruckend - auch hier schon allein die schiere Größe der Anlage. Nicht groß geplant, sondern von innen heraus über die Zeiten entwickelt. Nach Zerstörungen wieder aufgebaut und weitergebaut. Die minoischen Siedlungen - 4 an der Zahl auf Kreta - lagen an den wichtigsten früheren Handelswegen. Es waren nicht nur reine Wohnsitze von Herrschern. Handel, Verwaltung und auch gelebte Spiritualität waren hier vereint. Die Anlage, ein stummer Zeitzeuge aus Stein. Etliche Rätsel sind noch ungelöst. Das ist aber auch gut so.
Nach dem Besuch - die Anlage lag weitestgehend in der prallen Sonne - ging es weiter zur Kalyviani Monastery, ca. 5km entfernt. Kalyviani ist ein typisches Beispiel für eine Stiftung, die Hilfe und Wohltätigkeit für arme und bedürftige Menschen bietet. Im Jahr 1956 schuf der Bischof Timothy Papoutsakis eine christliche Stiftung im Kloster. Er baute ein Waisenhaus, ein Hospiz, eine Hausmeisterschule für Mädchen, eine Grundschule, einen Kindergarten, Werkstätten zum Weben, Stricken und zur Kleiderherstellung.
Danach dann ab nach Matala. Das hat ja den Ruf, den Hippie-Flair bewahrt zu haben. Doch bei der Fahrt durch die Stadt: Große Hotelburgen, viele Autos und Motorräder und schon um diese Jahreszeit für mich zu viele Menschen. Den beschworenen Flair, den hatte ich nicht gefunden. Also umdrehen und zurück ins Hotel.
Dann am Strand eine tolles Essen genießen. Doof nur, dass ich mich gegen Abend wohl verkühlt hatte. Es wird doch noch schnell recht kalt, dazu auch noch Wind. Eine Kombination, die nicht gut war.
Auch ein Grund heute auszuruhen, bevor es auf dem Weg zu einer der Wirkungsstätten des Apostels geht. Während ich am Strand spaziere, da plane ich die nächsten Schritte:
Nach dem Bericht über den Apostel, da werde ich bis Ende Mail Badeurlaub machen. Das ist nicht unbedingt für jeden Leser interessant. Ab Start der Rückreise - es wird zum großen Teil eine andere Strecke sein - werde ich wieder berichten. Bis ich in Wiesbaden bin.
Also: Es lohnt sich, ab und an doch mal reinzuschauen. Auf jeden Fall ab Anfang Juni.
Und die Menschen, die bisher gespendet haben, die bekommen eh über die „News“ - Funktion der Spendenplattform den jeweils aktuellen Bericht.
Wer nichts verpassen will, der sollte also - wenn noch nicht geschehen - eine Spende hinterlassen und sich für den Newsletter anmelden. Jeder Cent, der fördert eine so gute und wichtige Arbeit.
Reiseblog 32 - Páme: Auf gehts!
Was für ein toller Trip heute. Schon beim Aufwachen ist mir klar: Heute geht es los - ab nach Phaistos. Der Palast von Phaistos, sagenumwoben. Ich freue mich und bin gespannt. Meine Unterkunft: 6km entfernt von Phiasos und 6km entfernt von Matala - was will man mehr?
Start kurz nach 10:00 Uhr Ortszeit - 23 Grad und Sonne pur. Zunächst fast 20km durch eine Landschaft, die Liebhaber von weißen Gewächshäusern in Hochstimmung versetzten würde.
Links, mit Blick auf das Meer: Flächendeckend. Doch auch in den Bergen, da sind immer wieder auf ebenen Flächen Gewächshäuser angesiedelt.
Dann geht es ab in die Berge. Gut ausgebaute Straßen - zunächst - schlängeln sich die Berge hoch. Wild und urwüchsig die Bergwelt. Ganz andere Impressionen als auf der Nordseite der Insel. Ab und an auch große Steine auf der Straße, neben den Schlaglöchern. Dann wieder Blicke auf einsame Bergdörfer, wie in die Landschaft gemalt.
Endlich oben angekommen, geht es sanft hinab. Hinein in Olivenhaine, die sich Kilometerweit an der Straße aus breiten. Dazu andauernd Querrillen in der Straße. Zunächst muss ich innerlich und dann auch lautstark fluchen. So ein Mist.
Irgendwann erkenne ich, dass in den Querrillen Wasserschläuche liegen; zur Bewässerung der Olivenbäume. An den Rillen und den Erschütterungen beim Überfahren kann ich nichts ändern. Also ist stille Annahme angesagt. Zumindest kann ich nicht einschlafen, wenn ich dauernd wach gerüttelt werde.
Oft kommen mir Bauern mit ihren Traktoren entgegen. Viele Traktoren sind schon in der Jahre gekommen, manche haben wohl schon das Haltbarkeitsdatum überschritten - wie viele Autos auch. Vielleicht wurden die Traktoren aus einem Museum ausgeliehen? Doch bei jeder Begegnung: Wohliger Dieselgeruch umweht mich.
Nach etlichen Stunden Fahrt und einem Tankstopp, bei dem die Servicekraft so eifrig den Tank füllte, dass meine Klamotten unter der Sitzbank nun nach dem übergelaufenem Benzin stinken, ein Highlight: Ich fahre an dem Eingang zum Palast von Phaistos vorbei. Toller Anblick, ich freue mich auf morgen. Da geht dort es auf Entdeckungstour.
Nach etwas über 5 Stunden Fahrt dann endlich bei der Unterkunft angekommen - knapp 130km Fahrt. Mir wurde von der herzlichen Chefin - Eva, eine Deutsche, die einen Griechen geheiratet hatte - zu meiner Entlastung gesagt: Mit dem Auto, da braucht man auch über drei Stunden für diese Strecke. Also doch ganz gut unterwegs gewesen. Übrigens: Nicht oft sage ich, dass ich eine Unterkunft weiterempfehle. Doch diese hier ist einfach nur toll.
Und warm war es heute auch. Am Ziel: 27 Grad. Viele Griechen sagen, dass der Sommer nun schon im Mai begonnen hat. Macht nichts. Ich werde weiterhin auf Entdeckungsreise bleiben. Die Welt ist so schön, wir müssen nur unseren Blick auf das Schöne und Gute lenken. Und dies fördern und bewahren. So gelingt Leben.
Reiseblog 31 - Muttertag auf Kreta
Punkt 08:00 Uhr, da geht es raus aus den Federn. Durchgeschlafen, wie gut das tut! Nach dem Frühstück geht es dann raus, Richtung dem Meer - eine tolle Begrüßung, der Anblick ist einfach, ich wiederhole mich, genial.
Ich verweile einen Moment, dabei höre ich Musik. Sie kommt aus der Richtung Fußgängerzone. Neugierig wie ich bin, gleich mal ein Richtungswechsel. Ab in die Fußgängerzone. Dort ist ein Blumenmarkt zum Muttertag aufgebaut. Alt und Jung trifft sich dort, ein fröhliches Treiben.
Der Muttertag, der hat seinen Ursprung in der griechischen Mythologie. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Reha, die Tochter von Mutter Erde. Sie war als „Mutter der Götter“ bekannt und verkörperte Natur und Fruchtbarkeit. Die Griechen sehen auch heute noch ihre Mütter als Lebensspenderinnen an und bringen ihnen großen Respekt entgegen.
Zum Muttertag, da gehören Blumen dazu. Wenn möglich, wird das ganze Haus mit Blumen geschmückt und die Mutter, der wird ein Festmahl zubereitet.
Korrekt: Mütter sind Lebensspender. Ohne sie, da wären wir nicht auf dieser Welt. Warum gibt es so viel Hass auf Frauen und so viele Femizide? Doch das ist ein anderes Thema.
Ich denke an meine Mutter. Sie ist vor einigen Jahren verstorben. Zweimal, ja zweimal hat sie mir das Leben geschenkt. Nach der Geburt, im Alter von 6 Wochen hatte ich eine Lungenentzündung ohne Fieber. Die Ärzte hatten mich aufgegeben. Doch sie päppelte mich mit einer Pipette mit Haferschleim auf. Das zweite Mal des Leben geschenkt.
Leider kann ich ihr heute keine Blumen schenken. Bei den Erinnerungen von eben, da kommen mir ein paar Tränen der Dankbarkeit in die Augen. Kurzentschlossen gehe ich eine der Kirchen hier vor Ort, zünde eine Kerze an und Danke im Gebet. Wie lange ich auf der Kirchenbank gesessen hatte, das weiß ich nicht wirklich.
Nachdem ich im inneren Frieden die Kirche verlassen hatte, da sehe ich so viele fröhliche Menschen. Alle mit Blumen, auch Kinder haben welche, die sie stolz zur Mutter bringen werden.
Stopp: Nicht alle Menschen habe Blumen: Die Franzosen, die Engländer und auch die paar Deutschen hier vor Ort, die haben keine Blumen. Sie machen Urlaub. Das macht für mich aber keinen Abbruch an der Freude, die ich wahrnehme.
Weiter geht es zum venezianischen Fort am Hafen. Deutlich kleiner als die Festung auf Spinalonga. Trotzdem sehenswert.
Danach besichtige ich das Archäologische Museum. Spannend, das sogar Fundstücke aus der Bronzezeit zu sehen sind. Für mich der Höhepunkt eine Statue von Demeter-Isis aus der Römischen Periode; zweites Jahrhundert nach Christus.
Dann bin ich wieder nachdenklich: Ich stehe vor historischen Särgen. Wie waren damals die Abschiedsrituale? Ich weiß es nicht, mir ist es wichtig, gerade heute im Leben - eben auch mit Blick auf meine Mutter - gute und sinnvolle Trauerrituale zu entwickeln, die auch dem Leben förderlich sind und die tragen.
Der Ausblick auf morgen: Mal gespannt, was mir morgen einfällt - doch noch nach Sitia. Das soll die schönste Stadt an der Ostküste sein.
Oder vielleicht geht es zum Palast von Phaistos, der zweiten großen minoischen Siedlung auf Kreta. Nicht so bekannt und touristisch erschlossen wie Knossos. Aber in Wiesbaden, meiner Heimatstadt, da ist zumindest der Name bekannt: Klostermühle Phaistos. Tolle Lokalität.
Nun, ich lasse mich überraschen. Planen möchte ich im Moment rein gar nichts. Es wird werden, ich vertraue mich dem Leben an.
Ein richtig guter Abschluss heute war, dass ich eine alte Meditationstechnik wiederentdeckt hatte: Das Komboloi. Die Grundkenntnisse zur Anwendung, die ich verschüttet geglaubt hatte, die waren plötzlich wieder da.
Stolz schlendere ich, während ich mit dem Komboloi spiele, an den Tavernen vorbei zum Hotel zurück. Dabei schaue ich mir die Reaktionen der Einheimischen und auch der Touristen, an. Alles ist gut. Es macht einfach nur Spaß und entspannt.
Reiseblog 30 - Die Seele
Übelgelaunt und richtig muffig wache ich auf. Der mentale Stress von gestern ist noch nicht wirklich verarbeitet. Dazu eine Schülerklasse aus Deutschland, die heute das Hotel verlassen muss. Kurz nach sieben Uhr morgens. Ab halb sieben Uhr, da knallen die Zimmertüren ohne Unterlass. Sie könnten auch anderes geschlossen werden. Sei es drum.
Nochmal kurz weg genickt, doch nicht wirklich erholt geht es zum Frühstück. Heute, so sage ich es mir, will ich ausspannen und den ganzen Stress hinter mir lassen. Weiterfahren, das würde den Stress nur noch weiter erhöhen. So meine erste Idee: Nutze doch den Vormittag, der gerade erst angebrochen ist, dazu mal die langsam zu Ende gehenden Vorräte der Wäsche wieder aufzufüllen. Mit dem Tipp vom Hotelpersonal losgegangen.
Klar: Völlig verlaufen. Da bin ich dann zu einer Bäckerei gegangen und hatte mit dem Stadtplan in der Hand um Orientierung gebeten - wo bitte ist die Wäscherei, der Waschsalon? Nun, die Damen konnten mir weiterhelfen, indem sie einen der Taxifahrer, die in der Bäckerei bei Kaffé und Kuchen auf Kundschaft warteten, um Rat fragten. Sponatan nahm mich einer der Fahrer - Manos - an die Hand und zeigte mir den Weg. Kurz und gut: Nach vier Anläufen - keine der Waschsalons hatte freie Kapazitäten bis Mitte der kommenden Woche. So ein Mist, doch Manos und unserer Begegnung, die haben mich wieder in die Spur gebracht. Ein paar wenige Tage hält noch meine eiserne Reserve.
Kaum waren Manos und ich wieder in der Bäckerei angekommen, da nahm er mich in den Arm. Dann spendierte er mir einen „Amerikano“ (ohne Milch und Zucker) sowie das in Griechenland obligatorische Wasser dazu. Was für eine Hilfsbereitschaft und Unterstützung von bisher völlig fremden Menschen. Ich bin - mal wieder - völlig baff. Spannend: Er stelle mich noch seinem Vater und dessen Freund vor als einen Mensch, der mit der Vespa die ganze Welt umrundet. Manchmal, da übertreiben es unsere lieben Freunde. Es ist aber gut so.
Nun, was stand dann an? Den Beutel, der gut verschlossen blieb, den brachte ich wieder in die Unterkunft zurück. Dann das berühmte Handwaschmittel aus der Tube, das inzwischen langsam zu Ende geht, ins Waschbecken.
Wenigsten ein paar Funktionsshirts wieder säubern - das Wetter wird zunehmend wärmer und der Verbrauch an Shirts, gerade unter der Motorradkleidung, der nimmt zu.
Dann aber ging es ab an den Strand, in eine Taverne. Erstmal einen griechischen Salat zur Erbauung, dazu ein Knobibrot. Dann ein Glas Rotwein und die Seele baumeln lassen. Dem Spiel der Wellen zusehen und das Glitzern der Sonne in ihnen wahrnehmen. Ein angenehmes, stetiges Kommen und Gehen der Wellen. Friedvoll. Stille umfängt mich. Geräusche kommen und gehen, doch die Stille, die bleibt hinter allem Äußeren.
Die Seele baumeln lassen und die Erlebnisse von gestern verarbeiten und einordnen.
Doch was ist die Seele eigentlich?
Die Seele: Das, ist das, was Gott an Lebendigem in mich gepflanzt hat, sein Atem in mir, sein göttlicher Funke. Die Seele, das ist das, was ich wirklich bin, was mich ausmacht. Sie ist weit mehr als mein Spiegelbild und als der gebrechliche Körper, den ich irgendwann einmal wieder ablege. Die Seele beschränkt sich nicht auf Gene und Gedanken, sie ist die Kraft, die mich lebendig sein lässt. Und sie weckt in mir eine Sehnsucht nach etwas, das weit über mich hinausgeht. Weil sie weiß, wo ich herkomme und wo ich hingehe. Sie kennt nicht nur das Ich, das ich bin, sondern auch mein göttliches Gegenüber.
Bei diesen Gedankengängen, da werde ich zunehmen innerlich ruhig. Friede breitet sich in mir aus. Im Rückblick auf das Erleben gestern: Es war gut, dass ich nicht den geplanten Weg „durchziehen“ wollte. Irgendwie wurde dahin geführt, achtsam in der so schwierigen Situation einen angemessenen, den richtigen Weg zu suchen.
Die ganze Situation kann auf unsere Lebensaufgabe übertragen werden. Da stoßen wir immer wieder aus etwas, was wir nicht geplant haben, wir stoßen auf Widrigkeiten und müssen uns neu orientieren - und das können wir auch! So finden wir oftmals andere Wege, die uns in einen lebenswerten Alltag führen können.
Nun sitze ich hier immer noch - seit fast zwei Stunden - am Strand in der Taverne und lasse die Seele baumeln, der ganze Stress, der ist weg. Morgen, da trete ich auch noch mal kürzer, doch die ersten Ideen für den weiteren Weg, voller Entdeckungen, die blitzen allmählich in mir auf. Gemach, erst morgen werde ich das in einer Skizze planen. Es kommt eh wieder anders, was auch gut ist. Heute gilt es noch etwas weiter herunter zufahren. Mit dem Blick auf das ewige Spiel der Wellen. Tiefblaues Wasser. So wie man es nur hier in Griechenland findet.
Ein paar weiterführende Gedanken zur Seele anhand des Psalms 103.
https://www.ruedigerschaller.de/reflektionen/2014605_die-seele
Reiseblog 29 - Aufgeben
Ich gebe auf. Am ganzen Körper zittere ich. Meine Vespa, die schwankt bedenklich, ich kann sie kaum halten. Obwohl wir auf dem Standstreifen stehen.
Der leichte Wind heute morgen, der ist zum Sturm geworden. Die Böen, die haben mich fast auf der Bahn geworfen; die letzte, da bin ich fast umgefallen. Ich konnte mich gerade noch halten und auf dem Standstreifen anhalten. Vor mir eine große Brücke. Ohne Schutz. Komplett frei zum Meer und zum Hinterland. Das schaffe ich nicht, darüber zu fahren geht nicht unfallfrei. Auch wenn der Wille da wäre, die Vernunft siegt. Die Natur ist so viel stärker. Das muss ich anerkennen.
Zitternd drehe ich um. Meine Idee: Bis zu nächsten Ort, da fahre ich zurück und warte in einem Café, bis der Wind sich legt. Im Schritttempo komme ich nach einiger Zeit in einen Ort, der in einem Tal liegt. Zum Glück ist in meiner Richtung auf dem Rückweg kein Verkehr gewesen, ich bin mit max. 20-30km über die Piste geschlichen.
Zurückfahren zum Hotel in Agios Nikolaos? Da wurde ich verabschiedet mit den Worten, heute ich kein guter Tag. Gemeint war, dass sie mich gerne als Gast noch halten wollten, ein Zimmer wäre noch frei gewesen. Irgendwie hatten wir - das Personal und ich - einen tollen Austausch; einen guten Draht.
Nun, es war für meine geplante Fahrt nach Sitia kein guter Tag. Tolle Orte und Sehenswürdigkeiten hatten mit die Jungs von der Taverne in Agios Nikolaos empfohlen. Ich freute mich schon drauf. Das Essen bei dem Team im Agios Nikolaos: Ein Gedicht. Lammkebap - wenn es erlaubt wäre, in der Öffentlichkeit den Teller ab zu lecken, ich hätte es getan. Leider hatten wir uns zum Kaffee heute morgen verpasst. 10:15 war wohl doch zu früh.
Endlich bin ich angekommen in dem Dorf: Auch dort kein Schutz vor den Böen. Und alles an Geschäften und Lokalen ist geschlossen. Ein Blick auf das Wetterradar zeigt, dass der Wind noch zunehmen wird. Nochmals der Gedanke an eine Rückfahrt zum Hotel: Nein, auch hier gibt es viele Stellen, die direkt am Meer vorbei führen. Keine Chance. Und nun?
Die Verbindung zum alternativen Ziel, Ieapetra, die führt auch über die Brücke. Jetzt ist guter Rat gefragt. Ideen: Erst mal keine. So stehe ich eine Weile ratlos herum. Hilflos. Das Navi spuckt auch keine Alternativen aus. Ich sehe nur dünne Striche, die wohl Dörfer verbinden.
Da keimt in mir die Idee, quer durchs Hinterland zu fahren. Abseits der Wege für die Massen der Touristen. Gedacht, getan. Die ersten Kilometer: Immer noch Kampf mit dem Wind. Doch der legt sich, je weiter ich vom Meer weg komme.
Hoffnung keimt auf, währende ich vorsichtig die engen Kurven nehme, die sich den Berg hoch schlängeln. Auf einmal, da wird mir fast schlecht: Ich schaue nach rechts einen sehr steilen Abhang hinunter. Da sehe ich in der Tiefe einen Friedhof, mit den ordentlich ausgerichteten weißen Grabsteinen. Nein! Da will ich nicht hin; es ist noch zu früh - so mein Gedanke. Noch mehr Konzentration auf die Strecke, verkrampft fahre ich den Berg hoch. Meine Leisten fangen an zu schmerzen. Immerhin bin ich wieder optimistisch und voller Tatendrang auf Neues.
Kaum fahre ich auf der anderen Seite des Bergmassives hinunter, da ist kaum noch Wind. So komme ich gut in Ieapetra an. Hier ist es fast Windstill, ich finde auf Anhieb meine Unterkunft und entspanne für den Rest des Tages. Der Tag war erschreckend, anspannend und anstrengend. Doch auch ein Abenteuer. Mit einem gesegneten und guten Ausgang.
p.s.: Inzwischen hatte ich es mir angewöhnt, ca. 1 Stunde vor Ankunft ein Hotel zu buchen. Bei einer Entfernung von Agios Nikolaos nach Sitia, da hätte ich das aus dem Hotel vor der Abfahrt gemacht. Doch irgendwas hatte mich davon abgehalten. Kein Geld für eine nicht wahrgenommene Reservierung ausgegeben. Der Merkens würdig, eben Merkwürdig.
Reiseblog 28 - Wandertag: Das hilft!
Schreibblockade von gestern Abend bis heute morgen. Eine Schreibblockade bei mir, das kommt selten vor. Doch wohl zu viel der Eindrücke gestern. Es ging nach Spinalonga.
So, dann ist eben heute einen Wandertag angesagt. Tatsächlich: Bewegung hilft Blockaden zu lösen. Schon auf dem Weg zu meinem Ziel, da wurde ich innerlich wieder freier.
Mein Ziel, das war die Taverna Olga, knapp 3 Kilometer von meiner aktuellen Unterkunft. Vor vier Jahren entdeckt bei einem Urlaub mit meiner Frau ganz in der Nähe unserers damaligen Hotel.
Vorab, es hat super geschmeckt, wie immer. Faszinierend fand ich, dass die Chefin mich gleich wiedererkannt hatte. „Ach du bis der Fahrer der roten Vespa“ (klar auf Englisch). Ihr Vater hatte mich vorgestern wohl auch erkannt. Er traf die letzten Vorbereitungen zu Saisoneröffnung am Folgetag.
Nun, neben dem Essen ist das ganze Ambiente, gepaart mit der Herzlichkeit der Menschen, eben ein Sehnsuchtsort - mehr am Ende des Blogeintrages.
Gestern, kaum war ich am Bootsanleger angekommen, standen etliche Menschen der Schifffahrtsgesellschaft am Pier - und sie empfingen mich total herzlich. Schön, so empfangen zu werden. Das hat mich berührt. Doch das war noch nicht alles!
Auf der Insel angekommen, reihe ich ich in die Warteschlange zum Bezahlen des Eintritts ein. Da kam eine Mitarbeiterin der Schifffahrtsgesellschaft auf mich zu und fischte mich aus der Warteschlange heraus. Sie drückte mir eine Freikarte in den Hand. Eine Kontrolleurin winkte mich mit einem wissenden Lächeln weiter.
Nun, da stand ich erst mal verdattert da. Nach einer Weile ging ich dann auf Entdeckungstour.
Die Insel hat weitaus mehr Historie zu bieten, als die verkürzte Form „Leprainsel“ oder der Ausdruck "Insel der Aussätzigen" vermuten lässt.
Die Insel liegt in einer für die frühere Zeit strategischen Schlüsselposition am nördlichen Eingang des Golfs von Elounda. Bereits in der Antike war die Insel zum Schutz des antiken Hafens von Olos befestigt.
Im späten 16. Jahrhundert erbauten die Venezianer eine mächtige Festung auf den Ruinen. 1715 eroberten die Osmanen die Insel und besiedelten sie. Militärisch hatte die Insel aber seit dieser Zeit nur noch eine untergeordnete Bedeutung.
Nach der Errichtung des kretischen Staats 1898 wurden französische Truppen auf der Insel stationiert. Vielleicht aufgrund der neuen Verwaltung unter Christen emigrierten viele der muslimischen Bewohner in den Folgejahren nach Kleinasien. Mit der Errichtung der Leprakolonie mussten die letzten muslimischen Einwohner Spinalonga 1903 verlassen.
Es gibt auf der Insel viele historische Spuren und Eindrücke. Alleine die gewaltige venezianische Festungsanlage ist beeindruckend.
Nun zur Leprakolonie: Ende 1904 wurden auf Beschluss des kretischen Staat eine Zwangsansiedlung von leprakranken Menschen durchgeführt. Bis 1957 war die Insel eine Leprastation. Sie war eine der letzten Leprakolonien Europas. 1962 verließ der letzte Mensch, ein Priester die Insel.
Ab 1970 begann die touristische Erschließung der Insel.
Mit einigen wenigen Menschen - zufällig deutschsprachig - entdeckten wir auch den Friedhof. Wir hielten eine kleine Andacht. Im stillen Gedenken, da fragt ich mich, was die Menschen auf der Leprastation damals empfunden hatten: Nur wenige Meter von Kreta entfernt, doch für sie unerreichbar. Wir Touristen genießen heute den Anblick über das Meer. Und dann gehen wir wieder zurück zum Schiff.
Neben allem was es auf der Insel zu bestaunen gibt, war auch die Hin- und Rückfahrt einfach nur toll. Mir sind die Eindrücke von schroffen Felsen im Meer sowie die Anblicke der Berge im Hintergrund in die Erinnerung eingebrannt.
In der Summe war es viel, sehr viel. Mir sagte eine Freundin später - per WhatsApp - zu der Herzlichkeit und Freundlichkeit der Griechen: „Dafür lieben wir sie.“
Mir kam dazu spontan der Gedanke: Darüber könnten etliche Menschen aus Deutschland verdammt viel über das Leben lernen.
Sehnsuchtsort: https://www.ruedigerschaller.de/reflektionen/2014608_sehnsuchtsort
Reiseblog 27 - Reisen zeigt, was wirklich zählt - im Leben und am Lebensende
Drei Gedankengänge:
Der erste Schritt in enger Zusammenarbeit mit dem Joho, im zweiten Schritt über Schwierigkeiten bei der Reise, Gefahren drohen. Und im dritten Schritt: Geschenke auf der Reise erhalten, völlig unverdient.
Nur vorab: Heute, da hatte ich morgens richtig Heimweh. Das gehört wohl auch zum Reisen mit dazu.
Zum ersten Gedankengang:
Was zählt? Im Leben wie am Lebensende: Nicht alles ist planbar, Entscheidungen müssen getroffen und angenommen werden. Wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und auch Abschied von Erwartungen zu nehmen.⚰️⚱️ Rüdiger Schaller und Dr. Bernd Oliver Maier haben sich hierzu Gedanken gemacht.
Oft gilt es, sich zu beschränken, leichtes Gepäck mitzunehmen und Prioritäten zu setzen. Herausforderungen gehören auf Reisen dazu. Unerwartete Witterungsverhältnisse, anstrengende Wegstrecken oder Umwege. Wer glaubt, eine Reise oder das Lebensende ließen sich vollständig kontrollieren und frei von Belastungen gestalten, wird enttäuscht werden. Entscheidend ist daher nicht, Schwierigkeiten zu vermeiden, sondern darauf vorbereitet zu sein, mit ihnen umgehen zu können. Für die letzte Lebensreise bedeutet das: Sicherheit entsteht durch ein verlässliches Netz aus Unterstützung und Fürsorge. Eine gute Palliativversorgung kann dieses Netz bieten und trägt dazu bei, auch schwierige Situationen bewältigen zu können. Ebenso entlastend ist es, offene Themen möglichst vorab zu klären, zwischenmenschlich wie organisatorisch. Was abgeschlossen ist, muss nicht mehr „mitgetragen“ werden. Gleichzeitig erfordert die Reise die Bereitschaft, auf Komfort zu verzichten, sich auf Neues einzulassen und immer wieder neu Orientierung und Kraft zu finden. Was letztlich trägt, ist nicht perfekte Planung, sondern Verbundenheit. Hierzu zählen die Unterstützung durch nahestehende Menschen, Austausch und Zuspruch. Sie geben Halt und Zuversicht – auf der Reise selbst und am Ende des Lebens.
Zweiter Gedankengang:
Schwierigkeiten, da gibt es viele. Nun ein Blick nach „unten“. In Griechenland, da muss man als Fußgänger und auch als Zweiradfahrer - der nicht den Komfort eines SUVs hat - mit mindestens 50% der Aufmerksamkeit auf die Straße bleiben. Und das bei völliger Ortsunkenntnis, von allen Seiten heranrasenden Lieferdiensten und weiterer völlig regelfrei fahrender Menschen in ihren Autos. Der Blick nach unten - der hilft, hin und wieder nicht in echt bedrohliche Situationen zu kommen. Schlaglöcher extrem. Bisher bin ich nur hin und wieder fluchend durchgeschüttelt worden.
Zum großen Glück kein Sturz. Abends dann viel Magnesium genommen, um die Verspannungen zu lösen.
Unser Lebensweg, der ist nicht immer nur sanft und perfekt, es gibt da etliche Unebenheiten.
Dritter Gedankengang:
Heute ist Kaiserwetter, so sagte man wohl früher mal. Keine Wolke am Himmel. Sonne pur und ein blauer Himmel, der mit dem tiefen Blau des Meeres um die Gunst des Betrachters wetteifert. Dazu immer wieder auch die unterschiedlich schattierten Berge und Inseln im Hintergrund.
Das Wetter hatte mich dazu gebracht, die „Old Road“ zu nutzen. Wieder nah an dem Leben dran, das hier so vielfältig pulsiert. Irgendwie passend gerade mit Blick auf die „letzte Reise“, hatte ich etliche sehr eindrucksvolle Kirchen und mehr gesehen. Total faszinierend, wie hier gerade aus Kreta der Glaube gelebt wurde und gelebt wird. Auch das Abschied nehmen und das Erinnern bedarf Rituale.
Aber zunächst zurück, zurück zu meinem Heimweh. Ein Treffen auf einen Kaffee mit Stavros, dem Taxifahrer von Heraklion und ein guter Freund, das hat gut getan. Wieder mit einem vertrauten Menschen zu sprechen, dass erleichtert die Seele. Also mit gutem Mut losgefahren, Richtung Agios Nikolaos. Und dabei neben der teilweise so urwüchsigen Natur die Impulse der sakralen Orte auf mich wirken lassen. Alle diese Orte hier aufzuführen, das würde den Rahmen sprengen; gerne in einem anderen Format. Im Blog, da habe ich einige Impressionen im Bildformat hinterlegt; das kann ich aktuell noch nicht in dem Spendenportal. Das stimmt mich etwas traurig.
Doch zurück in den Alltag heute, nach Agios Nikolaos: Ich wurde durch ein unverdientes Geschenk total berührt; klar, der Gegenwert, der wird gespendet. Nun, ich habe eine Freifahrt nach Spinalonga geschenkt bekommen. Der Wert: 25€. Im Ticketshop fragte ich nach der Abfahrtzeit und den weiteren Abläufen. Der Mann am Schalter und ich kamen weiter ins Gespräch. Er hatte mich mit der Vespa - einer Vespa im knalligen Rot eines Ferraris - gesehen. Hier gibt es im Grunde nur zwei kleine „Hauptstraßen“ in Agios Nikolaos. Das Gespräch - wo kommst Du her - und er Flyer auf Griechisch, das alles hatte ihn berührt. Er schenkte mir spontan eine Freifahrt für morgen.
Wieder habe ich hier auf Kreta einen Herzensmenschen getroffen, neben Stavros, Vagellis und den drei Brüdern der Taverna Finikas. Ellenie nicht zu vergessen, die Schwester von Vagellis. Unendlich wertvoll sind solche Menschen, die freien Herzens geben.
So ähnlich, wie meine heutige Überraschung, so stelle ich es mir die dankbare Überraschung vor, wenn Menschen auf der Palliativstation, gegen Ende ihres Lebens, zum Beispiel völlig unverhofft Impulse aus der Musiktherapie bekommen.
Impressionen - sakrale Gebäude
Reiseblog 26 - Fortsetzung von.......
35000km-Inspektion. Kurz vor 09:00 Uhr angekommen bei der Werkstatt des Mechanikers, eines Cousins von Stavros, dem Taxifahrer von Heraklion.
Nun, ich wartete die griechische Zeitrechnung ab. 09:20 Uhr kommt Vasilis an. Gemütlich erst mal einen Kaffee eingeschenkt. Mit Google-Translator konnte ich ihm rüber bringen, was gemacht werden muss, er kann kein Englisch. Die Informationen hatte ich vom Team vom Zweirad Klose, meinem so tollen Partner in Wiesbaden. Stavros hatte sich leider verspätet. Doch gekonnt ist gekonnt. Vasilis, ein feiner Kerl, hatte in kurze Zeit alles auf Basis der Übersetzung erledigt.
Erschrocken war ich: Das Öl, das war alle! Ein paar Kilometer weiter, und es hätte heftige Schäden an der Vespa gegeben. Gott sei Dank, das ich da rechtzeitig zur Inspektion war. Ein Teil der Fortsetzung vom Blog von Gestern.
Nun, nachdem alles fein war, ging ich raus - es nieselte.
Doch ich dachte: Fahr jetzt nach Knossos, das ist nur ein paar Kilometer entfernt. Gedacht und getan. Auf dem Weg wurde das Wetter immer besser. Mehr sage ich jetzt erst mal nicht mit Blick auf meine Ausführungen von gestern.
Knossos ist ein antiker Ort im mittleren Teil der Nordküste von Kreta, etwa fünf Kilometer südlich von Heraklion (Iraklio).
Bekannt ist er vor allem durch den Palast von Knossos, der neben den Palästen von Malia, Phaistos und Kato Zarkos der größter minoische Palast auf Kreta ist. Der Palast von Knossos wurde zwischen 2100 und 1800 v. Chr. erbaut. Knossos war besonders groß, reich und prächtig. Wie fast alle Paläste Kretas wurde Knossos zwischen 1750 und 1700 v. Chr. durch ein schweres Erdbeben zerstört, jedoch bald wieder aufgebaut. Auf den Fundamenten der alten Paläste wurden neue, noch aufwendigere Bauten errichtet. Knossos erfuhr in dieser Zeit seine größte Blüte und entwickelte sich zum führenden kretischen Stadtstaat. Um 1400 v. Chr. überstand die Stadt ein schweres Erdbeben dank der vertikal und horizontal in die Mauern eingebauten Zedernhölzer nahezu unbeschädigt. Der Palast wurde bis 1370 v. Chr. genutzt.
Eine Invasion der mykenischen Griechen vom Festland zu Beginn des 14. Jahrhunderts v. Chr. führte zum vollständigen Untergang der minoischen Kultur.
Ja, was bleibt von den Kulturen, die vor so langer Zeit untergegangen sind? Relikte, Reste von Bauwerken, vielleicht schriftliche Überlieferungen?
Doch was dachten die Menschen damals? Was fühlten Sie, welche Hoffnungen und Sorgen bewegten sie? Das alles muss offen bleiben.
Wie wird es in vielleicht eintausend Jahren aussehen, wenn Menschen die Überreste der Bankentürme in Frankfurt ausgraben und vielleicht ehrfürchtig staunen? Aktuell nur eine Fiktion, doch auch frühere Hochkulturen dachten, sie wären der absolute Höhepunkt der geschichtlichen Entwicklung, quasi das NonPlus-Ultra.
Nun, der Besuch hat mich ziemlich bewegt. Alleine schon die Ausmaße der Anlage sind einfach gigantisch; gerade vor dem Hintergrund, dass keine Hilfsmittel wie Kräne und sonstige Maschinen zur Verfügung standen.
Toll, was alles über die Archäologie und deren akribisch forschenden Menschen uns sichtbar und erfahrbar gemacht wird.
Übrigens: Mein kleiner Begleiter, der war logischerweise wie immer dabei!
Nachdenklich fahre ich mit meiner nun wieder gut geölten Vespa zurück nach Heraklion. Schlendere durch die Straßen, entdecke eine kleine Taverne mit originalem kretischen Essen. Der griechische Salat zum Abendessen, der geht bei mir unter die Top 10, weit oben. Gute und tiefsinnige Gespräche mit dem Chef und einem Gast.
Danach ein Besuch in der Apostel Titus Kirche, direkt neben an.
Der Apostel Titus gestaltet die Kirche von Kreta als erster Bischof. Spannend, was so alles über ihn und dieses Bauwerk sowie seine Historie zu entdecken gibt. Doch das bleibt dem geneigten Leser an dieser Stelle als Impuls zur eigenen Recherche überlassen. Es lohnt sich, so mein für heute abschließender Hinweis.
Weitere Impressionen
Reiseblog 25 - Behütet und bewahrt
Manchmal hilft ein Rückblick zum Verstehen des Geschehens.
Gestern kämpfte ich noch mit mir, ob ich weiter fahre, nach Heraklion - da wartet ja am Montag die Inspektion - oder ob ich vielleicht doch noch einen Tag dran hänge in Kissamos. Es war gut, dass ich gefahren bin. Keinen Tropfen Regen abbekommen, trotz schwieriger Wettervorhersage und einiger Sorgen.
Auf den Punkt gebracht: Heute, da hätte ich nicht fahren können: Heftige Sturmböen, so stark, das ich keine Kontrolle mehr über die Vespa gehabt hätte. Mit allen Konsequenzen. Ich bin dankbar, dass ich gestern etwas gefolgt bin, das mich führt. Nicht nur auf dieser Reise.
Tja, nach dem Frühstück heute morgen etwas getrödelt; warum auch immer. Da sehe ich aus dem Fenster einen Blitz, zähle sofort von 21 bis... 22. Schon kommt der heftige Donnerschlag. Das Gewitter muss fast über mir sein. Ein massiver Hagel setzt ein. Das alles ging so schnell. Bei einer Fahrt auf freier Strecke, das wäre nicht wirklich gut gewesen. Und das ganze wiederholte sich später nochmal. Da war ich auf der venezianischen Stadtmauer unterwegs; ein Spaziergang auf der Mauerkrone. Total beeindruckend, dieses Bauwerk, das schon seit vielen Jahrhunderten besteht. Nun, ab dem ersten Regentropfen hatte ich knapp 30 Sekunden Zeit, einen Unterstand zu finden. Auf der Mauerkrone: absolut freie Fläche.
Mit meiner spärlichen Ausstattung an Kleidung für die Fahrt, da hätte bis Montag nichts mehr wirklich trocknen können. Einem Impuls folgend ging ich ein paar Stufen hinab, die ich aus dem Augenwinkel gesehen hatte. Da sah ich einen Torbogen. Es war der einzige Bogen der Art überhaupt in der Nähe. Schnell drunter gestellt. Es fing genau in dem Moment an zu hageln, in einer Tour. Ich blieb trocken. Was für ein Segen! Nicht für Menschen planbar, diese Abfolge. Wieder steigt Dankbarkeit in mir auf; gepaart mit Demut.
Später, nachdem der Spuk vorbei war, ging ich weiter auf Entdeckungstour. Einfach der Nase nach.
Klar, mein Ziel, die große Kirche, die ich von der Mauerkrone gesehen hatte, das hatte ich verfehlt. Stattdessen kam ich am Hafen raus. Nun, von dort ist es zum alten Hafen, dem venezianischen Hafen, nicht weit.
Dort erst mal eine Rast eingelegt, eine kleine Siesta gehalten.
Dann weiter zu der restaurierten Festung aus dem 16. Jahrhundert. Es hat sich gelohnt, welche Ausblicke über den Hafen, das Meer, die Stadt. Tolle Impressionen auch in der Festung. Viel über die Geschichte ist dort ausgestellt und gut beschrieben.
Heraklion, was nehme ich mit, wenn es weiter geht auf meiner Reise? Mir wurde von Griechen schon in Rethymno gesagt, Heraklion wäre wie Athen: Laut, überlaufen, hektisch und an vielen Stellen sehr dreckig. Das sagte mir auch eine der Damen, die über die Ausstellung im der Festung wachten. Vieles sollte dort in der Ausstellung eben - zu Recht - nicht angefasst werden.
Mein Eindruck zu Heraklion, der es nicht zwiespältig - eben nicht "toll" und „geht gar nicht“. Mein Eindruck ist „mehrspältig“.
Nach dem Gewitter am Morgen, da bin ich mal die Wegbeschreibung, die mir mein Freund Stravos - der Taxifahrer von Heraklion - gesendet hatte, abgegangen. 800 Meter bis zur Werkstatt seines Cousins. Da werde ich mich nicht verfahren! Das geht auch ohne Navi. Sofern ich auch in die richtigen Straßen abbiege.
Ich freue ich schon, das auch Stravos kommt. Am Montag hat er frei. Auf dem Weg zur Werkstatt, da sah ich viel Unrat und Müll. Verfallende Häuser neben gut gepflegten Häusern. Doch der Verfall, der war in der Überzahl.
Zwischen alle dem sehe ich, wie Menschen sich darin einrichten, Oasen des Lebens schaffen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Oft sind es Blumen, die das Ambiente schmücken. Das alles ist ein zum Teil krasser Gegensatz zu den historischen Orten. Diese Orte sind liebevoll restauriert und akribisch gepflegt.
Aber jetzt zu den Menschen hier: Ich habe da inzwischen in kurzer Zeit etliche tolle Begegnungen gehabt, nehme auch das urbane Leben und die vielfältige Gastronomie wahr, die sich ausbreitet. Ein reichhaltiges Angebot, wenn man mal die eingefahrenen Wege verlässt und einfach Ausschau hält. Das Leben, das ist lebendig und pulsiert auch hier.
Nur eines, das macht mich traurig: So viele Menschen kommen nicht mit einem Job über die Runden, manche arbeiten im wahrsten Wortsinne fast Tag und Nacht. In Deutschland, würden über solche Zustände wohl einige Politiker jubeln. Muss das wirklich sein? Gibt es nicht andere Wege, ein Gemeinwohl zu gestalten? Ich weiß es nicht und weiß auch nicht, was in den Köpfen der Überreichen und der Lobbyisten so vor sich geht. Mir macht da einiges Angst. Antworten habe ich nicht.
Doch meine Seele, die ist stille zu Gott, der mich führt und der mich leitet. Ein großer Segen, so empfinde ich es, liegt über der Spendentour und über mir. Das berührt mich zutiefst. Unverdient ist er, dieser Segen. Doch er ist da und wirkt auf seiner Weise.
Siesta
Reiseblog 24 - Licht und Schatten
Mir fällt es schwer, mich zu verabschieden. Gerade wenn es eine tolle Unterkunft war und die beiden kongenialen Brüder, die das Hotel betreiben, die waren so nett und hilfsbereit. Toll gelegen, super erholt hatte ich mich. Und sie haben für mich einen Tag - wegen dem Wetter - noch zusätzlich organisiert. Dazu den tollen Tipp mit der Akropolis. die ich besucht hatte, gegeben. Einfach Klasse. Da bin da ich sehr dankbar. Doch es geht weiter, weiter mit der Reise. Wegen dem Wetter, da könnte ich vielleicht doch noch einen Tag dranhängen? Wind und Regen sind angesagt. Erst ab Montag, da soll es richtig besser werden mit dem Wetter.
Abschied von Vertrautem und die Unsicherheit was kommt, das macht mir auf unbewusster Ebene immer mal wieder zu schaffen. Mein Asthma wird stärker und ich fange an zu Husten. Aber das kenne ich und kann das gut mit Medikamenten einstellen.
Nun gilt es, die schöne, die lichte Seite zu verlassen und ab ins „Wetterabenteuer“ hinein zu gehen; besser gesagt: Zu fahren. Annehmen, was kommt. Und dann damit umgehen.
Vertrauen, dass es irgendwie gut geht. In Kissamos hatte es über Nacht viel geregnet. Etliche große Pfützen am Straßenrand. Gut ausweichen und aufpassen, das auf der Gegenfahrbahn niemand gerade in eine solche Pfütze fährt. Vorab: Es ging auf der ganzen Fahrt über gut aus.
Immer wieder sah der mit schweren Wolken bedeckte Himmel aus, als würden sich gleich die Schleusen öffnen und es regnen. Tief hingen Wolken in den Bergen. Ab und an war die Straße nass, es hatte kurz vorher geregnet.
Dann ein Schreck: Erste Regentropfen auf der Windschutzscheibe. Doch es war zum Glück nur von kurzer Dauer; da hatte ich direkt erst mal schlimmeres befürchtet.
Nun, ich bin wettertechnisch mit Blick auf Regen richtig gut durchgekommen. In Rethymno und später auch auf der Fahrt Richtung Heraklion, da kam sogar die Sonne ab und an durch.
Trotzdem war es kalt, ich bin die ganze Zeit über ziemlich durchgefroren. Der Wind war heftig, ab und an auch Sturmböen. Dazu mal wieder Schlaglöcher fast ohne Ende, die zusätzlich große Konzentration beim Fahren erfordern. Und dazu noch viel Verkehr.
Kurzum: Ein Arbeitstag über 200 km. Es war anstrengend, aber alles ging gut aus. Nur hatte mein Navi die Adresse des Hotels in Heraklion falsch übersetzt: Ich landetet mitten in der Stadt neben einer Brache. Nachdem ich etliche Irrwege gefahren war, da hatte ich es dann nach einer Stunde tatsächlich geschafft, das Hotel zu finden.
Jetzt im Rückblick auf die Fahrt heute, da bin ich etwas melancholisch. Einen kurzen Abstecher hatte ich kurz nach dem Start gemacht. Abgebogen Richtung Kolimbari, da hatten wir - meine Frau und ich mit unserem Junior - unseren ersten Urlaub auf Kreta verbracht. Nichts, an nichts kann ich mich bei der Fahrt durch die Stadt erinnern. Mir ist alles irgendwie fremd. Nun es ist ja auch schon so viele Jahre her. Doch halt: Einen Ankerpunkt, den habe ich dann doch noch entdeckt: Die kleine Felsformation im Meer, nahe am Ufer. Das sind mein Junior und ich oft ins Wasser gesprungen, auch bei hohem Wellengang. Nur, die Zeit ist vorbei. Etwas wehmütig fahre ich wieder weiter. Wichtig ist, dass wir solche Begebenheiten im Herzen weiter tragen, auch wenn die Zeit vorbei ist. Was traurig ist. Wie gerne würde ich diese Zeit zurückholen. Das Meer heute ist so aufgewühlt wie meine Seele.
Rethymon, eine Ausfahrt zu früh genommen. Nun im Schritttempo durch die Stadt; die Auffahrt auf die Schnellstraße ist wegen einer Baustelle gesperrt. Doch ich fühle mich zunehmen heimischer. Bald, da bin ich bei Vaggelis, Eleni und den Jungs der Taverne Finikas. Kurzer Besuch, eine warme Tomatensuppe - die beste weltweit - und einen Sakanaki gegessen. Das hat Leib und Seele gut getan. Kraft für die nächste Etappe bis nach Heraklion getankt. Auch das Herz hat aufgetankt. Es war so schön, diese so liebevollen Menschen zu treffen und einen kurzen Austausch zu haben. Ein großer Lichtblick. Der macht Mut.
Nun, an dieser Stelle wollte ich noch den mit dem Joho zusammen ausgearbeiteten Bericht über Reisen und die letzte Reise bringen, doch das würde, so glaube ich, den Text überfrachten. Doch der Bericht, der kommt. Versprochen!
Reiseblog 23 - Kreta: 1. Mai - Rational oder Emotional?
Meinen Bericht, fange ich den heute Emotional an oder Rational? Nun, ich fange erst mal Rational an. Das ist erst mal einfacher. Der 1. Mai, der ist auch in Griechenland ein Feiertag. Doch sollten Reisende berücksichtigen, dass an diesem Tag gerne mal gestreikt wird - öffentlicher Verkehr oder auch Fähren sind da oft betroffen.
Der erste Mai als Feiertag hat in Griechenland einen weitern Grund, der sehr weit zurückreicht; weiter als die Arbeiterbewegung. Er reicht bis in die Antike. Die Protomagia-Feierlichkeiten sind die Feier der Wiedergeburt des Frühlings und der Blumen der Natur. Es geht hier in Griechenland nicht nur um den Tag der Arbeit. Heute nahm ich unter anderem wahr, dass bei etlichen Autos Blumen unter den Scheibenwischern stecken.
Nach dem Frühstück, gut ausgeschlafen, ging es dann los. Dem Rat eines der beiden kongenialen Brüder, die hier in Kiassamos das Hotel betreiben, folgend. Bei dem Wetter ging es nach Polyrrhenia. Die Überreste der dortigen Akropolis besichtigen. Die hatte ich in den Hochglanzbroschüren die ich habe, bisher nicht entdeckt.
Also los, rauf auf die Vespa und schon gleich mal die richtige Abfahrt verpasst. Dann aber doch den rechten Weg gefunden. Akropolis, die gibt es nicht nur in Athen. Akropolis bedeutet einen befestigten antiken Burgberg.
Auf dem Weg, da muss ich dann plötzlich abbremsen: Ein Hinweisschild, dass Gänse queren. Zunächst ein Schreck: Die Gänse, die kommen ja auf mich zu! Doch mutig langsam weitergefahren. Nichts ist passiert. Zum Glück waren die anderen Tiere später hinter Zäunen, nur die Katze, die war in freier Wildbahn. Vor ihr hatte ich aber keine Angst! Sie sah niedlich aus.
In Polyrrhenia angekommen, einem kleinen Dorf, da ging es gleich los auf den antiken Kletterwegen am Berg. Die schwere Motorradkleidung, ich fing an zu schwitzen. Doch der Wind nahm zu. Von daher doch gut geschützt. Wieder fantastische Ausblicke in die Bergwelt. Es ist ein toller Platz für eine Akropolis. Alles unter Kontrolle - jeder Weg bis hin zum Meer, bis nach Kissamos, ist gut einsehbar.
Und der erste Mai - die Feier der Wiedergeburt der Natur - die konnte ich an jedem Fleck entdecken. Was für eine Farbenpracht und was für dichte Eindrücke. Und auf guter Höher, einer ebenen Fläche, der Friedhof der Gemeinde. Wieder aller Gräber Richtung Sonnenaufgang hin ausgerichtet. Das berührt mich auf einer tiefen Ebene. Morgenglanz der Ewigkeit, dieses Lied kommt mir in den Sinn.
Nachdem ich wieder bei meiner Vespa bin, die treu auf mich gewartet hatte, ging es wieder Richtung Kissamos. Eine Kirche wollte ich dort besuchen. Schon auf dem Hinweg hatte ich sie gesehen. Sie hatte mir ausnehmend gut gefallen. Nun wollte ich ein paar Erinnerungsbilder machen.
Zeitgleich mit mir kam eine älterer Frau in einem sehr alten Auto an. Sie ging zu einem Sarkophag, der seinen Platz direkt neben der Kirche hatte, und zündetet Räucherwerk an. Dort waren - so nahm ich es wahr - Priester, die sie noch kannte, bestattet. Wir kamen ins Gespräch, nachdem sie mich fragte, woher ich komme. Jetzt wurde es für mich zutiefst emotional.
Aus Deutschland, so meine Antwort. Mir war es, als ob ein Schleier der Trauer vor ihr Gesicht fiel. Deutsche auf Kreta sagte sie, die sind anders als andere Gäste. „1941, hier!“ sagte sie nur. Mir wurde schlagartig klar, es gibt noch tiefe Wunden, die gerade bei den älteren Menschen auch über die Zeit noch nicht verheilt sind. Ja, es waren deutsche Wehrmachtssoldaten im Angriffs- und Vernichtungskrieg der von Deutschland aus ging, die in Kreta alle wehrfähigen Männer aus den Häusern holten und erschossen.
Dazu dann vor Kurzem noch ein hoher Repräsentant des Tätervolkes, der mit Blick auf seit so langer Zeit noch offenen und berechtigten Reparationsforderungen von Griechenland und mit Blick auf die Begleichung einer Zwangsanleihe nur sagt: Auch wir in Deutschland hatten viele Schäden durch den Krieg. Jeder sollte sich um sich selbst kümmern. Bei uns in Deutschland, da wäre ja auch so viel kaputt gegangen. Krokodilstränen. Was für eine Überheblichkeit, die hier nicht gut ankommt. Den Weltenbrand anzünden und dann über das Höllenfeuer das als Folge kommt - siehe Dresden - jammern? Verantwortung für das eigenen Handeln, die geht anders. Traurig.
Nun, wir kamen weiter ins Gespräch, ich konnte ihr ja nur beipflichten. Über die Vespa - ihr Mann fährt seit über 50 Jahren nur Vespa, Piaggio - ging unser Gespräch weiter. Auch die Spendentour, darüber sprachen wir und noch über vieles mehr. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns, im Guten. Mich macht die Begegung zutiefst betroffen: Was ist hier noch alles offen? Unbewältigt.
Ein anderer Aspekt: Ich habe bisher viele Menschen getroffen, die mir herzlich gegenüber traten und gut zwischen Politikern und Menschen unterscheiden konnten.
Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in Dir, Gott. Mit diesem Gedanken gehe ich in den anbrechenden Abend, in die Nacht.
Mein Ruheraum, Raum der Andacht hier in Kissamos:
Weiter Gedanken:
https://www.ruedigerschaller.de/reflektionen/2493422_nie-wieder-darueber-sprechen-oder-die-brennenden-herzen
Reiseblog 22
Völlig übermüdet sitze ich heute morgen nach dem Frühstück am Pool. Was für ein Tag war das Gestern! Kurz vor Mitternacht im Hotel angekommen und dann direkt ins Bett. Die Augen zu, doch eine fast endlose Bildfolge meiner Reise zieht wie ein innerer Film an meinem geistigen Auge vorbei.
Wie in einem schnell ablaufenden Zeitraffer immer wieder Bilder der bisherigen Reise. Vielleicht angeregt durch die Gespräche mit einer rüstigen Rentnertruppe aus der Schweiz. Drei Fahrer, alle über 70, mit schweren Motorrädern jenseits der 1000 ccm. Meine Vespa bringt es immerhin auf 300 ccm. Hinter ihnen fuhr ich auf die Fähre und konnte dem Einweiser nicht entkommen. Auch ich musste eine steile Rampe hochfahren. Allen Mut zusammengenommen - es hat geklappt.
Nachdem die Fähre im Hafen von Kissamos, dem Zielort, angekommen war, da stand ich mit meiner Vespa vor den Motorrädern der Schweizer und ich musste als Erster die Rampe runter. Das hat noch mehr Überwindung gekostet, ging aber auch gut. Kurz vorher, wir mussten die Stricke, mit denen unserer Motorräder - ja auch meine Vespa gilt als Motorrad - festgezurrt waren, lösen. Dabei eine kurze Begegnung mit einem Weltenbummler, der in Kreta zu Hause ist. Die Koffer seines Motorrades voller Aufkleber von Strecken, die er schon gefahren war. Beeindruckend. Er sah mein Nummernschild und fragte, ob ich die ganze Stecke gefahren war. Ja, knapp 3.500 km bisher. Er nahm meine Hand und drückte großen Respekt vor der Leistung aus. Menschen, die solche Erfahrungen selbst gemacht haben, die haben nochmals einen ganz anderen, vertieften Blick auf das, was geleistet wurde.
Das alles und mehr, das hatte ich dann in der Schlaf genommen, der mich dann doch nach einer Weile überwältigte. Allerdings: Nach knapp einer Stunde war ich wach, hellwach. Ein heftiges und freudiges Pulsieren, beginnend in meinem Bauch, das breitete sich in meinem ganzen Körper aus.
Es ist eine fast unendlich große Freude: Ich bin tatsächlich auf Kreta angekommen. Kreta, das lange, schon seit Jahren, geplante Ziel meiner Reise. Das Ende meiner Reise. Unfassbar, dass ich das tatsächlich geschafft habe. Ich könnte Freudentänze aufführen, doch das würde die anderen Menschen im Hotel wohl stören. Also bleibt es bei der „Rüdiger Schaller-Faust“, angelehnt an die „Boris Becker-Faust“. An Schlaf ist kaum zu denken, so aufgewühlt bin ich. Doch keine Sorge: Die Spendenfahrt geht weiter! Nur jetzt für mich neu, ganz neu. Ein Neubeginn.
Dabei hatte der Tag normal begonnen. Frühstück, dann Check-Out im Hotel. Vier Stunden Wartezeit bis zur Ankunft der Fähre, fünf Stunden bis zur Abfahrt. Die galt es zu überbrücken. Warten? Nein, ich schwang mich auf meine Vespa und fuhr ein paar Kilometer in eine bislang unbekannte Richtung. Zunächst am Meer entlang. Dabei entdeckte ich schöne, weit geschwungene Strände. Doch bei näherer Betrachtung: Die Strände waren ziemlich vermüllt. Passend dazu ein Schiffswrack an einem der Strände, der Glyfada-Beach. Im Dezember 1981 dort gestrandet. Nun ist es ein bekanntes Fotomotiv. Aber soviel zur Ordnung und Sauberkeit der Strände.
Weiter geht es über eine Hochebene. Einige Kilometer bis zur nächsten Stadt. Beide Seiten gesäumt mit Zitronen- und Olivenhainen, die sich abwechseln. Nach Recherche: Viele Zitrusfrüchte vom Peloponnes landen in deutschen Supermärkten. Aufgrund des knallharten Preiskrieges der Discounter erhalten die Erntearbeiter, welche die Früchte per Hand pflücken, im Schnitt 1,6 Cent pro Kilo.
Wieder zurück in Gythio, da genehmige ich mir in meinem Lieblingslokal einen doppelten griechischen Kaffee. Etwas später dann noch als Mittagessen einen Schafskäse mit Brot. So lecker! Da sind die deutschen Käsesorten, welche denselben Nahmen tragen, vom Geschmack her einfach „blass“.
Apropos Geschmack: Während der Fahrt mit der Fähre, etwas über 6,5 Stunden, da hatten die Motorradfahrer aus der Schweiz wohl Hunger bekommen. Sie saßen an einen Nebentisch und kauten auf lecker aussehenden Baguettes herum. Nach einer Weile frage ich, ob es schmeckt - die Gesichter sprachen Bände. Nun, so ihre Antwort: Irgendwas muss ja in den Magen. Diese Erfahrung hatte ich vor einigen Tagen auch gemacht. Bestimmt war mein da Minenspiel ähnlich. Heute, da hatte ich mir griechische Schokoladenbrownies gekauft. Die schmeckten lecker. Etwas muss ja in den Magen.
Nochmals zurück zum Hafen in Gythio. Auf einer kleinen Mauer erwartete ich die Ankunft der Fähre; ich war noch etwas früh am Hafen. Da setzte sich ein Mann neben mich. Aus Österreich. Er hatte gehört, wie ich mich kurz mit den Schweizern, die auch am Hafen warteten, ausgetauscht hatte. Schnell, sehr schnell kamen wir auf den Punkt, dass wir das Leben in all einen Facetten in unserer uns möglichen Art positiv sehen sollten. Und soweit es geht, jeden Atemzug, den wir tun dürfen auf dieser Welt, genießen. Kurz: er hat sich ein Wohnmobil gekauft, im Anhänger ein E-Bike. Frührentner, zweimal dem Tod - so seine Worte - „von der Schippe“ gesprungen. Krebs. Über die Fehlzeiten seine Arbeit verloren, keine mehr gefunden. Vorher erst seinen Vater bis zum frühen Tod gepflegt, dann seine Mutter. Seine Schwester starb bei einem Verkehrsunfall. Da hatte er dann ihr Kind großgezogen. Nun ist er auf großer Tour und möchte gerade auch Kreta entdecken. Er freute sich, dass er nur noch 12 Medikamente einnehmen muss. Und will in Bewegung bleiben; deshalb der E-Bike. E-Bike, da seine Herzleistung nur bei ca. 38% liegt. Ich bin sprachlos über so viel Lebenswillen und seinen Mut. Jetzt, solange es noch geht, genießen, was noch geht. Und dabei Neues entdecken.
Mir wurde heute morgen klar, dass manches erst vom Kopf - ja, ich bin in Kreta angekommen - in seiner Zeit ins Fühlen, ins wirkliche Verstehen kommt: Deshalb war ich wohl so aufgewühlt in der Nacht: Alles war angekommen im Gefühl. Es war einfach eine Begeisterung, dass ich es tatsächlich geschafft habe, mein doch großes Ziel, das so fern erschien, zu erreichen.
Nun, heute starte ich den Neuanfang. Das Ende der Reise ist erreicht, doch es geht weiter. Anders als bisher.
Reiseblog 22
Der nächte Blog wird morgen - am 30.04.2026 - Vormittags eingestellt: die Überfahrt nach Kreta inkl. Check in im Hotel endet so gegen Mitternacht
Reiseblog 21 - Erkenntnis und Verstehen
Ich habe alle Zeit der Welt heute. Keine Termine, nix. Nichts geplant. Ich bin im Ruhestand und auf einer Reise. Heute ist ein Tag, der nicht durchgeplant ist. Doch nach dem Frühstück, da schaue ich auf die Uhr. Du musst um 10:00 Uhr fertig sein. NEIN. Es ist doch egal, wann ich fertig bin. Erkannt habe ich schon längst, dass ich aus den alten Abläufen raus bin. Eigentlich. Doch auf einer tieferen Ebene, da fängt erst allmählich das Verstehen an: Fast 40 Jahre lang erlernt und verinnerlicht. Abläufe, Termine und noch mehr. Da sind Automatismen entstanden im Verhalten, die ich inzwischen zwar erkannt habe, aber die Hintergründe, die habe ich noch nicht verstanden.
Allmählich, seit ich auf der Reise bin, da fange ich an die Muster zu verstehen. Sie wirken auf einer tieferen Ebene. Tiefer als die Erkenntnis reicht. Erkenntnis: Klar ein Problem mit dem Zeitmanagement. Sofort eine Schulung und es wird besser. Doch hier, da geht es ums Verstehen dessen, was mich zutiefst im Inneren antreibt. Seit so vielen Jahren. Schicht für Schicht ist die letzten Tage abgetragen worden. Hin zu einem tieferen Verstehen. Allein dies wahrzunehmen, das befreit innerlich und führt in die Weite. Ich genieße dieses Gefühl, solange es da ist. Es wird vergehen, die alten Muster wieder greifen. Doch der Weg zum Verstehen ist nun klar. So fahre ich in meiner Zeit los, glücklich über die Erfahrung und irgendwie befreit. Wohin geht die Fahrt? Keine Planung, einfach los. Ich würde mich wiederholen, wenn ich über die so üppige Natur am Peloponnes im Frühjahr schreiben würde, deshalb lasse ich es. Und genieße sie trotzdem.
Meine Fahrt führt mich nach Areopolis. Der größten Stadt der westlichen Mani. Einer besonderen Region des Peloponnes. Wieder mal ein toller Ausblick auf eine einladende Bucht. Doch irgendetwas stört mich an dem Anblick. Etwas ist anderes. Ich will das herausfinden und fahre die Serpentinen hinab. Die Häuser, die sind es. Sie wirken auf mich kalt und abweisend. Die Art und die Mauern, der Stein. Einfach kalt.
Doch es sind berühmte Bauwerke, so habe ich es später recherchiert. Es sind für die Gegend typischen Wohntürme, die das Bild prägen. Wer das mag, soll es dort genießen. Für mich ist das nichts. Also zurück, ins heimelige Gyhteo. Von dort aus starte ich morgen nach Kreta. Vorher entspannt den Sonnenuntergang genießen. Und, das macht innerlich frei, nichts planen. Nicht schon die Reisetasche packen. Nein, morgen ist genug Zeit.
Reiseblog 20 - Sparta: Damals und heute
Bilder, ich hatte Bilder aus monumentalen Historienfilmen im Kopf, als ich mich heute Sparta nähere. Etwas über 40 Kilometer von der Homebase entfernt. Gleich, die nächste Ausfahrt, dann werde ich den ersten Blick erhaschen. Doch der Blick, der passt nicht zu dem was ich so im Kopf gespeichert hatte: Schmutziger, heruntergekommene Plattenbauten, so zeigt sich mir der erste Anblick. Auch bei der weiteren Fahrt zu den historischen Plätzen, wird das alles nicht wirklich besser. Nichts wirkt wirklich einladend.
Vorab, nach dem Besuch der antiken Stätte, da bin ich wieder zur Homebase gefahren. Dort - so mein Plan - , werde ich am Nachmittag dann Mittag essen.
Am Anfang des Besuchs steht natürlich die Status von Leonidas. Mehr dazu später.
Nach dem obligatorischem Bild, inkl. Selfi, geht es weiter.
Nun gilt es, die Überreste des antiken Sparta anzusehen. Mich beeindruckt schon allein die Größe der Anlage, auch wenn nur wenige Zeitzeugnisse - anders als in Olympia - zu sehen sind. Beeindruckend sind die Reste von massivem Mauerwerk. Das muss damals alles sehr mächtig und groß gewesen sein. Immerhin war Sparta nach seinem Aufstieg einer der mächtigsten griechischen Stadtstaaten. Auf Augenhöhe mit Athen. Es kämpfte um die Vorherrschaft im antiken Griechenland. Nach dem Sieg im Peloponnesischen Krieg (404 v. Chr), erlitt Sparta eine entscheidende Niederlage gegen Theben (371 v. Chr.), welche die Vorherrschaft von Sparta beendete. Es gab noch mehr Gründe, doch das können Geschichtswissenschaftler besser als ich herleiten.
Während ich durch das Gelände gehe und alles auf mich wirken lasse, kommen mir Gedanken, Gedanken über die Vergänglichkeit auch von Weltreichen. Etliche frühere, da kennen wir vielleicht nur Namen.
Und hier: Ein paar steinerne Zeugen, Reste einer früher so stolzen Stadt. Was wird von unserer Zeit in 2.000 Jahren noch als Zeuge stehen? Wir sollten demütiger und achtsamer sein, mit allem, was ist und in allem was wir tun. Wir sind nicht der Nabel der Welt und auch nicht allem früheren überlegen. Nein, wir leben hier und können dazu beitragen, dass Leben gelingen kann. In Schutzräumen, an denen wir mir mitarbeiten können. Schutzräume gegen die zum Teil doch sehr unwirtliche Welt.
Nun zu König Leonidas. Im August 480 v. Chr. kämpften bei den Thermopylen in Mittelgriechenland wenige Tausend griechische Krieger gegen das Heer des persischen Weltreichs. Die Griechen hatten keine Chance, Überlebende gab es nicht. Aber bereits kurze Zeit später wurden sie zu Helden und Vorbildern ganzer Generationen. Noch in den Kriegen des 20. und der Popkultur des 21. Jahrhunderts wurden und werden die Verlierer der damaligen Schlacht als zeitlose Verkörperung von Mut, Standhaftigkeit und Opferbereitschaft gefeiert. An den Gründen der Deutungen, da arbeiten sich heute noch Geschichtswissenschaftler ab.
Mich gruselt es, wenn ich alleine an das Wort Opferbereitschaft denke. Schon allein der Gedanke an Stalingrad, der zeigt, wie schnell mit an sich guten Werten schlimmster Missbrauch betrieben werden kann. Zu Lasten von Menschen, zu Lasten einer ganzen Generation. Verführt und verblendet. Eine ganze Welt kann so in Schutt und Asche gelegt werden. Und die folgenden Generationen, die leiden auch noch; auf ihre Weise.
Ich schüttel das alles ab und schaue mir nochmal in Ruhe die Natur, die alten Olivenbäume und die Blumen an, die sich zwischen den Resten der Mauern ausgebreitet haben und in voller Pracht stehen. Leben will gelebt werden.
Ein Nachtrag: Jedes Jahr ist Sparta das Ziel des legendären Spartathlon. Das ist ein Ende September stattfindender Ultramarathon. Er führt von Athen bis nach Sparta. 246 Kilometer mit ca. 3000 Höhenmetern sind in max. 36 Stunden zu bewältigen. Er ist einer der härtesten Nonstop-Läufe der Welt. Die Läufer laufen auf den Spuren des antiken Boten Pheidippides. An der Qualifikationszeit für diesen Lauf, da bin ich mit meinen Zeiten vom 100km-Lauf in Biel immer grandios gescheitert. Aber ich vermisse nichts. Damals wie heute.
So, jetzt geht es los. Es wartet das verspätete Mittagessen. Danach, da lasse ich den Tag am Hafen ausklingen. Es war mal wieder intensiv und schön.
Reiseblog 19 - Gute Mächte
Warum auch immer, heute fühlt es sich richtig an, langsam zu sein, nicht viel zu unternehmen. Noch Achtsamer sein als meistens, so meine Idee. Nach dem Frühstück bin ich in aller Ruhe in Gythio spazieren gegangen. Hinein in die kleinen Straßen jenseits der Hauptstraßen. Hineinschnuppern in das Alltagsleben. Von Haus zu Haus ganz andere Welten. Einfache Häuser, zum Teil notdürftig in Stand gehalten, wechseln sich mit schön gepflegten Häusern ab. Dazwischen immer wieder Grundstücke mit Resten von Häusern, schon fast komplett verfallen. Hier wuchern diverse Bäume sowie Oliven- und Zitronenbäume. Voller Frucht gerade die Zitronenbäume. Ab und an auch Betonskelette. Der Bau wurde begonnen, doch irgendwann eingestellt.
Hin und wieder ist zwischen den Häusern ein Blick auf das Meer zu erheischen, der fast den Atem nimmt. Direkt daneben ein, so nennt man das heute wohl, „Lost Place“. Aus den hohlen Fenstern des verlassenen Hauses wuchern Pflanzen jeder Art. Die Natur nimmt sich wieder den Raum, den sie mal inne hatte. Irgendwie passt alles harmonisch ineinander.
Nun, ich bin immer noch auf der Suche nach der Kirche, die ich vom Balkon des Hotels gesehen hatte. Dar kommt mir eine älter Frau in schwarzer Kleidung entgegen. Sie trägt eine silberne Tüte mit einem schwarzen Kreuz vor sich. Sie ist völlig in sich gekehrt. Keine Regung ist in ihrer Mine zu erkennen. Einem Impuls folgend, spreche ich die Frau mit einem „guten Morgen“ auf griechisch an. So warmherzig wie möglich, wie ich das inzwischen schon öfters wahrgenommen hatte. Von der Betonung her. Die Frau strahlt bei der Ansprache plötzlich über ihr ganze Gesicht und antwortet mir ebenso mit einem „guten Morgen“. Wir gehen dann weiter unserer Wege.
Mir ist klar, dass die Kirche in der Nähe sein muss. Ich schaue mich um und biege in die nächste Straße ab. Mein Blick fällt da mal wieder auf den alles überragenden und schneebedeckten Gipfel des Agios Ilias, dem höchsten Berg des Peloponnes. Knapp über 2.400 Meter hoch. Teil des Taygetos-Gebirges. Agios Ilias oder auch Profitis Ilias.
Der Prophet Elija, bekannt aus dem alten Testament. Er lebte in einer Zeit, in der der gottlose König und seine götzendienerische Frau herrschten. Die Kernbotschaft von Elija war der Ruf zur Abkehr von falschen Göttern wie Baal. Er forderte Umkehr, Recht und Gerechtigkeit, während er gegen Götzendienst und soziale Verwahrlosung kämpfte. Sein Erscheinen und sein Wirken, das täte uns auch heute gut! Der Sozialstaat wird zerstört von denen, die eh zu viel Vermögen haben. Und immer mehr anhäufen wollen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird von den Reichen immer weiter geöffnet. Abbau des Sozialstaats zu Gunsten der Reichen und Überreichen. Die Schwächsten ohne Lobby verlieren zuerst. Jesus, zu dem sich so viele sich selbst Christen nennenden Menschen bekennen, der brannte und brennt heute immer noch für die Armen, die Schwachen und die Verfolgten.
Doch braucht es heute noch Götzen wie damals? Nein, Gott selbst wird zum Götzen gemacht. Ein Blick nach Amerika ist hinreichend. In seinem Namen kann man alles machen, man ist ja legitimiert vom Höchsten. Auch wenn die Botschaft von Jesus pervertiert wird - dort wie hier. Nur ein Fragment: Der Film über Bonhoeffer in Amerika: Bonhoeffer mit Pistole als Kämpfer. Völlig jenseits der historischen Wahrheit. Schwere Gedanken, noch unausgereift.
Die Kirche, nun habe ich sie endlich entdeckt; ich sehe sie! Nur noch ein paar Meter, dann bin ich da. Die Tür steht offen und ich trete ein. Niemand außer mir ist dort. Ich bin suche mir einen Platz. Beruhige meine Gedanken und werde still. Die Stille wird untermalt vom Summe einer Fliege, die ab und an herumschwirrt. Ebenso von dem Klappern einer Autotür. Doch der innere Frieden der Stille breitet sich mehr und mehr in mir aus. Geräusche kommen, Geräusche gehen. Die Stille bleibt. Und ich in ihr.
Vater unser im Himmel, so beginnt das Gebet, das uns Jesus gelehrt hat. Doch wo ist der Himmel? Ist er über uns oder außerhalb von Raum und Zeit? Ich meine, die Himmelswelt ist uns so nahe wie die Luft der Tischfläche nahe ist. Wie jeder Punkt dieser Fläche von der Luft berührt wird, so wird auch jeder Punkt der Erdenwelt von der Himmelswelt berührt. Und dieser Himmel ist die unsichtbare Welt, nicht eine in sich selber unsichtbare Region. Weiter gedacht: Der Himmel ist uns unendlich nahe. Es gibt keine räumliche Trennung, nur unser Blick und unsere Aufmerksamkeit auf die Ablenkungen dieser Welt verschließen uns den Zugang. Das steht für mich in einem tiefen Einklang mit den Worten, die Dietrich Bonhoeffer einst in der Haft schrieb. Ein Auszug:
Von guten Mächten wunderbar geborgen:
„Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang. Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Mit dieser Gewissheit gehe ich heute in stillem Frieden in die kommende Nacht. Im Rückblick, nicht nur auf diese Reise: Ich war immer in meinem Leben von guten Mächten wunderbar geborgen; gerade auch in schweren Zeiten, die es öfters gab.
Reiseblog 18 - Zahlenmystik: 3130, 18 und 23
Eine Stunde nach dem Start auf die nächste Etappe, ist meine ziemlich miese Laune von heute morgen verflogen.
Ich tauche in die immer wieder so prachtvollen Anblick auf; mit Worten kaum zu beschreiben. Bilder? Nur eine leise Idee von der Schönheit. Zeit? Kein prüfen mehr: Noch 20 km - wenn Du 60 km schnell fährst, dann, ja dann bis Du in 20 Minuten am Zwischenziel. Nein. Ich werde ankommen und jeden Atemzug genießen. Atemzug, da bin ich wieder beim Thema von heute morgen. Beim Frühstück packt am Nebentisch ein sehr alter Mann seine Dampfmaschine aus und fängt an zu Vapen. Dunstschwaden erfüllen sofort den Frühstücksraum. Meine Bronchien reagieren, sie gehen zu und ich fange an zu Husten. Mit Unterstützung seiner Frau und der Dame an der Rezeption packt er das Ding weg, das ja so gesund sein soll. Nach dem Frühstück will ich aufs Zimmer und fertig packen. Der Weg zum Aufzug: 5 Meter. Davor die Rezeption. Voller Dunstschwaden. Neben dem Mann qualmt nun auch seine gleich alte Frau. Wie zum Trotz: Das ist unser Recht. Nun, ich fahre hoch und packe. Später sagte die Dame an der Rezeption: Es hat doch niemand geraucht. Ich wollte keine Diskussion anfangen, zahlte und fuhr los. Vorher hatte ich doch noch einige Hub meines Notfallsprays benötigt. Kaum unterwegs, da schneidet mich ein Autofahrer, der mich überholt, um Zentimeter. Das war Absicht, aber was das gilt es zu ignorieren. Doch meine Laune ist kurz vor dem Nullpunkt.
Das Eintauchen in die pralle Natur, die tut gut. Und mir kommt eine Begegnung vom Vortag in den Sinn: Ich hatte eine großen Stich am Oberarm. Der juckte und schwoll an. So ging ich auf die Suche nach einer Apotheke. Dabei sprach ich eine ältere Dame an, die mit ihrer Tochter unterwegs war, zeigte auf den Einstich und fragte nach eine Apotheke, die offen hat. Spontan hackte sich die Dame bei mir unter und führte mich fast durch die halbe Stadt. Fragte nach. Und am Ende landeten wir vor der Apotheke, die ich entdeckt hatte, die aber geschlossen hatte. 18:00 Uhr öffnet sie, nicht wie auf dem Schild um 17:30 Uhr. Ich bedankte mich von Herzen. Es war für die Dame selbstverständlich gewesen. Und ihrer Tochter nahm mich in die Arme, ein Kuss auf die linke und dann auf die rechte Wange. Was für eine Hilfsbereitschaft und eine Herzlichkeit. Ich stand einfach nur völlig baff da. Alles war Verbunden mit dem Wunsch nach guter Besserung. Dann gingen sie ihrer Wege. Am nächsten Tag: Die Salbe, die ich in der Apotheke erhalten hatte, hatte gut gewirkt.
Die Etappe heute war zwar nur 250 Kilometer lang, doch sie führt nach kurzer Zeit mit engen Serpentinen von einem Hochplateau zum nächsten. Je höher ich kam, desto kälter und schneidender wurde der Wind. Gut, dass ich fast zwei Stunden lang kein Auto in meiner Umgebung hatte. So konnte ich entspannt und doch voll konzentriert die Strecke bewältigen. Dabei die Natur in mich aufsaugen. In meiner Zeit bin ich dann in Gyhtio angekommen, mein Tor nach Kreta. Etwas über 6 Stunden fahrt. Der erste Eindruck: Ich kleine und knuffige Stadt. Auch die gilt es zu erkunden. Doch erst wird jetzt mal das Bett geprüft. Mit Blick auf einen tollen Sonnenuntergang. Gleich noch zur Zahlenmystik, ich vergesse sie nicht.
Die Zahlenmystik:
3130 Kilometer bin ich von Wiesbaden auf bisher gefahren. Ohne Delphi, aber mich Umleitungen wegen Baustellen, Abstecher und Ausflüge. Auch mit unnötigen Strecken: einfach verfahren. Auf Kreta, da kommen noch etliche Kilometer hinzu. 18 Tage bin ich nun unterwegs. Am Mittwoch geht es dann mit der Fähre nach Kissamos. Vorher gibt es noch etwas zu sehen. 23 Spender sind neben den Menschen, die die Blogs und die Posts verfolgen bislang neben ihrer Anteilnahme auch aktiv geworden und haben gespendet. Danke an Alle, die mich begleiten!
p.s.: Eines ist mir heute morgen aufgefallen. Auf den Friedhöfen, dich noch in der Morgensonne sehen konnte, sind alle Gräber in Richtung der aufgehenden Sonne gerichtet.
Reiseblog 17 - Mitternacht: Kein Sonnenaufgang!
Nun, um Mitternacht, da lag ich im Bett und konnte endlich einschlafen. Vorher: Umzug zwei Stockwerke höher. Alles, alles an Kleidung, Helm, und so viel mehr in mehreren Gängen hoch geschleppt in das neue Zimmer. Vorher Hilfe gesucht beim Menschen an der Rezeption. Im Zimmer neben mir ein starker Raucher, der auch raucht; eben das was Raucher so tun. Der ganze Flur und auch mein Zimmer mit beißendem Rauch erfüllt - und das mir. Meine Bronchien sind hochgradig sensibel: Starkes Asthma. Zwar hatte ich angegeben, dass ich ein Nichtraucherzimmer benötigt. Doch dass das Zimmer quasi ein Mitraucherzimmer war, das war mir erst jetzt klar. Doch hier oben, da ist die Luft rein. Geschlafen hatte ich dann, auch nach Gabe vom Notfallspray, wie ein Bär im Winterschlaf. Nur der Sonnenaufgang heute, der war, nach dem ich aufgestanden war, eben auch schon Geschichte.
Nach dem Frühstück ging es dann trotzdem auf nach Katakolon. Vorab: Ein toller Ausflug durch die im Frühjahr so pralle, aufblühende Natur hier am Peloponnes.
Am Hafen angekommen, erst mal einen Café frappé bestellt und den Blick auf das Meer vor dem Hintergrund des Erymanthos, dem Bergmassiv im Nordwesten des Peloponnes genossen. Was für ein Wechselspiel. Der höchste Berg ist etwas über 2200 Meter hoch.
Später, nach dem Mittagessen - endlich mal Tavernen mit griechische Küche - was für eine Aussage mitten in Griechenland - ging die Entdeckungstour weiter.
Was mich hier in Griechenland immer wieder fasziniert, sind die Gotteshäuser. Ich genieße den Anblick und die immer wieder doch andere Architektur. Das alles hat sich heute sehr gelohnt, auch ohne Sonnenaufgang.
Vor allem habe ich jetzt eines gelernt und verinnerlicht: Auf der ganzen langen Strecke ist es gut, immer mal wieder ein Basislager aufzuschlagen. Ähnlich wie die Bergsteiger, die sehr hohe Berge erklimmen. Für mich übersetze ich das wie folgt: Im Basislager, da kann ich meine Rucksäcke, den Waschbeutel und mehr unbeschwert aufbewahren. Die Touren gehen dann völlig ohne Ballast und Sorge, etwas zu verlieren oder zu vergessen, einfach los. Leichtigkeit ist da immer temporär angesagt - die nächste Strecke, die kommt ja so sicher wie der Amen in der Kirche.
Morgen geht es weiter, weiter nach Gythio. Vor Ort, da gibt es bestimmt vieles zu entdecken. Aus dem Basislager dort, da geht es auch nach Sparta. Bevor es am Mittwoch am späten Nachmittag dann mit der Fähre nach Kissamos, Kreta, weitergeht.
Reiseblog 16 - Waschtag
Waschtag, wie unromantisch!
Doch die Vorräte für gewissen Kleidungsstücke, die sauber sein sollten, die gehen zu Ende! Nun, so passt es gut, dass heute Vormittag leichter Regen angesagt war. Zeit für Basisarbeit.
Nach dem Frühstück erst mal in das Buchungssystem der Fähren von Griechenland reingefuchst. Es hat dann auch irgendwie und irgendwann geklappt. Warum war das notwendig? Nun ist habe ja gelernt, das sinnvolle Kontrolle gut ist. Darüber hatte ich raus gefunden, dass in Nafplio nur Ausflugsschiffe fahren; keine Fähren nach Kreta. So muss auch eine andere Unterkunft geplant werden: Gytheio. Wieder ein kleines Basislager, Ausflug nach Sparta inklusive! Dann geht es am Mittwoch nach Kreta, Kissamos ist das Ziel für die Ankunft auf Kreta und dort die erste Etappe. Kreta wartet!
Meine Hoffnung: Dort, da werde ich endlich richtig griechisch Essen! Bisher bin ich nur über Pizza und Nudeln versorgt. Warum? Vielleicht, so meine Vermutung bei dem Anblick der etlichen Metzgereien mit Fleisch in allen Verarbeitungsstadien, dort ausgehängt, inkl. der Werkzeuge wie Sägen und mehr: Zuhause, da scheinen die Einheimischen wohl das traditionelle griechische Essen zubereiten. Ich schätze mal - eine Vermutung - dass zumindest die jungen Menschen mal etwas anderes Essen wollen. Eben Italienisch. Doch ich das mag ich im Moment nicht mehr. Nun, es wird alles gut werden. Bald! Aber: Bei dem Anblick, der sich in den Fleischerläden bot, da kommt in mir doch stärker der Gedanke hoch, dass ich auf - zumindest überwiegend - vegetarische Ernährung umsteigen werde. Eine Ergänzung an dieser Stelle noch: Es gab auch Läden mit frischem Fisch, Mittags ausverkauft. Doch ich habe eine Allergie gegen alles, was aus dem Meer kommt.
Der Waschtag, der gibt mir einen tieferen Einblick in das Alltagsleben hier vor Ort. Jenseits der auf Hochglanz polierten Hotspots der Touristenindustrie. Kleine Obst- und Gemüseläden, Bäckereien und Kaffeeshops - kleine am Straßenrand und größere auf öffentlichen Plätzen - wechseln sich ab.
Fasziniert bin ich über die Anzahl der Apotheken: Fast alle 50 Meter gibt es eine Apotheke. Griechenland, so meine Recherche, ist das Land mit der größten Dichte an Apotheken in Europa. Doch auch sie kämpfen mit steigenden Personalkosten, höheren Mieten und Lieferengpässen. Gut, dass ich da ein Salbe gegen Mückenstiche erwerben konnten. Dort wurde nur Griechisch gesprochen und ich musste die Einstichstelle zeigen und mir half dann meine Erfahrung mit dem Improtheater. Gelernt in Wiesbaden, bei Johannes Galli. Den Ablauf, den kann ich nur vorführen, nicht beschreiben. Das Ergebnis: Ich kaufte ein Salbe und am nächsten war die massive Schwellung fast weg und ich hatte keinen Juckreiz mehr. Klasse!
Inzwischen bin ich beim Waschsalon angekommen. Noch nie war ich in einem Waschsalon. Die Waschmaschine zu Hause, die hatte bislang immer gute Dienste geleistet. Und immer hatte ich tatkräftige Hilfe von meiner Frau. Doch nun stehe ich hier alleine in dem Salon vor den Maschinen. Mit Anleitungen in griechischer Schrift. Und die kleinste Ladung: 10kg - ich hatte doch nur 16 kleine Teile.....
Zum Glück leitete mich der gerade anwesende Inhaber des Salons an. So konnte ich auch - da ich es vorab angemeldet hatte - mein eigenes Waschmittel nutzen. Ich dachte, während ich auf das Ende des Ablaufs der Waschroutine wartetet, so ein Salon wäre förderlich für den Austausch der wartenden Menschen, es warten etliche junge Männer anwesend. Doch alle waren mit ihrem iPhone beschäftigt. Nun, nachdem der Wasch- und dann der Trockengang durch waren, ging ich fröhlich zum Hotel zurück. Noch die Empfehlung der Kellners beim Mittagessen - Spagetti - was sonst - im Ohr: Du musst morgen früh direkt nach Katakolon fahren, bevor die Touristenboote kommen. Der Blick bei einer Tasse Kaffee, der wäre unbezahlbar. Ich bin gespannt und stelle gerade meinen Wecker eine halbe Stunde vor. Und ich berichte!
Reiseblog 15 - Olympia und mehr
Das muss jetzt sein - ich bin doch noch jung mit 66 Jahren! Ab im antiken Olympiastadion auf dem Peleponnes im Stadion auf die 192-Meterbahn. Sprint im voller Motorradkluft. Die Goldmedaille ist mir sicher. Grenzenloser Jubel von geschätzt 45000 Zuschauern. Nun gut, das mit den Zuschauern, das war ein begleitender Traum, eine Fiktion. War aber trotzdem schön. Und: Mein kleiner Begleiter, der war immer dabei!
Schon viele Jahrhundert vor Christus fanden hier Kulthandlungen und Wettkämpfe statt. Olympia war ein bedeutendes Zentrum in Griechenland. Die Stätte später wurde durch Erdbeben und Überschwemmungen zerstört und unter einer bis zu 5 Meter hohen Sandschicht bedeckt. Erst in der Neuzeit erwachte das Interesse an Olympia wieder.
Es wurde wieder entdeckt und es folgten Ausgrabungen und Restaurationen. Dies auch vor dem Hintergrund, das Olympia der Inbegriff des sportlichen und fairen Wettkampfs war und ist, falls es den in der heutigen Zeit überhaupt noch gibt.
Heute war es voll von Besuchern. Reisebus um Reisebus; inkl. zwei Hundertschaften von Nachwuchskräften der griechischen Luftwaffe. Alles in allem: Viele haben das alles als Event abgefeiert. Kein wirkliches Interesse an dem Historischem. Lieber Selfies machen und Fun haben. Meist aber eben desinteressiert. Pflichtprogramm eben.
Doch wer sich hineinfühlt in die Zeugnisse der Vergangenheit, der kann auch etwas von dem Zauber der vergangenen Zeit spüren. Achtsam alles betrachten und sich berühren lassen. Mir kamen da Fragen hoch: Was dachten die mir unbekannten Athleten? Was war ihre Motivation, wie gingen sie mit Niederlagen um? Wie waren sie in die damalige Zeit integriert und wie schaute die Gesellschaft auf sie? Fragen, die wir heute nicht wirklich beantworten können. Nicht von Indivdum her.
Auch in hundert Jahren, selbst wenn von uns eine Siegesstatue errichtet würde, wüsste kein Mensch, wie es uns im Inneren ergangen war. Nichts von unseren Wünschen, Hoffnungen und auch Ängsten sind darauf abzulesen. Wozu das ganze? Was bleibt von mir nach meinem Tod? Menschen, mit denen ich verbunden war, die tragen mich im Herzen. Wie viele Generationen lang? Was bleibt von dem, was mich ausmacht, über die Zeiten? Nun, das sind interessante Gedanken. Doch es gilt einfach die Liebe zu leben, die ich empfangen habe. Der Weitere liegt ganz woanders. Das können wir nicht wirklich wissen.
Dennoch: Mich berühren die Zeugnisse längst vergangener Zeiten auf einer tiefen Ebene. Etwas wird weitergetragen von dem, was damals wichtig war. Und gerade im Museum, so viele Einzelteile. Einzigartige Kunstwerke. Zusammengetragen von Archäologen in akribischer Kleinarbeit: Was für eine hohe Kunst und Fertigkeit zu so früher Zeit. Es war eine Hochkultur.
Wie es schon vorher etliche gegeben hat. Doch diese sind verschwunden im Malstrom der Zeiten. Sind wir denn heute überhaupt zu so etwas fähig, in unserer Hybris? Zu etwas fähig, dass die Zeiten überdauert. Und künftige Generationen bereichert? Es wäre so schön und so wünschenswert, dass die nachfolgenden Generationen es besser haben als wir. Vor allem, dass sie in Frieden und mit gut verteilten Wohlstand leben und dies wieder weitergeben können. An die nächste Generation. Ein Traum. Fangen wir an, ihn im Rahmen unserer Möglichkeiten zu leben.
Impressionen (ein Bild zeigt auch die unscheinbare Stelle, an der in der Neuzeit das Olympische Feuer entzündet wird)
Reiseblog 14 - Zwischengedanken
Mit einem wohligen und freudigem Gefühl wache ich heute am Dienstag auf. Im Schlaf nochmals meine Entscheidung bekräftigt: Ich fahre nicht nach Delphi - der Temperatursturz auf 10 Grad mit Gewitter und Regen, dafür bin ich nicht ausgerüstet. Ich würde mir schaden. Auch wenn ich darüber traurig und auch enttäuscht bin. Delphi ist ein toller Ort. Vor Jahren, da hatte ich ihn mit einem Touristenbus besucht, da war nicht viel Zeit. Das wollte ich nachholen. Doch auf einer Reise, da gibt es immer wieder Umstände, die wir nicht beeinflussen können. Es gilt, einen guten Umgang damit zu finden. Nun fahre ich bei angenehmen Temperaturen Richtung Peloponnes. Und gelernt ist gelernt! Zunächst wollte ich Patras Zwischenstopp machen. Doch die Fahrt lief so gut, dass ich weiter gefahren bin. Bis nach Pyrgos. Dieses Mal hatte ich die Route nach der Änderung auch gespeichert und für das Hotel die richtigen Daten angegeben. In Pyrgos, da bleibe ich ein paar Tage, ähnlich wie auf Korfu.
Während der schier endlosen Strecke zwischen Patras und Pyrgos, da kamen mir Gedanken über die Reise; quasi Zwischengedanken. Nur ab und an unterbrochen von dem starken Geruch der Erdbeerfelder am Wegesrand. Bei dem Zwischenstopp zum Umprogrammieren des Navis, da biegt ein PickUp mit Arbeitern aus Bangladesch auf der Ladefläche ab. Erntehelfer aus prekären Verhältnissen. Gut, dass Zuhause der große Erdbeerbauer den Mindestlohn zahlt. Da kaufe zwar weniger Erdbeeren, aber gerne.
Zurück zu den Zwischengedanken. Meine Reise, da kann etliches auch auf unsere letzte Reise übertragen werden: Planungen müssen geändert werden. Entscheidungen müssen getroffen werden und der Umgang mit den Ergebnissen der Entscheidungen, der muss gelernt werden. Ich kann nicht alles mitnehmen auf meiner Reise, muss mich fokussieren auf das Mögliche. Und das ist auf einer Vespa trotz Rucksack doch sehr wenig: Unterwäsche und Socken, ein paar T-Shirts. Der Waschbeutel und nicht zu vergessen die Medikamente. Damit muss ich auskommen auf meiner Reise.
Es wurde stellenweise sehr kühl - keine Möglichkeit auf freier Strecke mich anders Anzuziehen. Ein warmer Kaffee hilft da, dann weiter und fokussiert durchhalten; ggf. die geplante Strecke verkürzen. Von manchen Träumen gilt es Abschied zu nehmen - siehe Delphi.
Möglichst vor Beginn der Reise ist es gut, offene Themen abzuschließen. Ob Zwischenmenschlich oder auch rein mit Blick auf Verträge und anderes mehr, soweit das möglich ist. Oft hängt das ja auch an anderen Menschen. Alles Abgeschlossene, das nehme ich nicht im mentalen Gepäck mit. Alles, was ich nicht mitschleppen muss, das entlastet mich. Umgekehrt: Alles nicht Abgeschlossen, das belastet, geht oft in Träume ein. So wird der Schlaf dann nicht wirklich erholsam.
Auch vom vielleicht bisher gewohnten Komfort galt und gilt es Abstriche zu machen. Fast jeden Tag eine neue und unbekannte Unterkunft. Ein neues Bett. Auch mal eine Dusche, die fest montiert ist und die Duschkabine keine Möglichkeit bietet, sich wirklich zu bewegen. Spannend, wie man da sauber wird. Bei einem anderen Badezimmer, da war die Dusche o.k., aber zum Abtrocknen, da musste ich ins Zimmer gehen. So eng war das Badezimmer.
Manche Wegstrecken auf der Reise sind auch schwer zu bewältigen und kosten Kraft. Manchmal viel Kraft. So wie die 10km Serpentinen an der Steilküste, nachdem ich Igoumenitsa Richtung Peleponnes verlassen hatte. Schritttempo, höchste Konzentration und Kraft waren gefordert. Die Strecke war mit sehr tiefen Schlaglöchern übersät. Schlimmer als in Italien an der heftigsten Stelle. Zu meinem Glück: Absolut kein Verkehr. Das war gut, da ich oft auch auf die Gegenfahrbahn ausweichen musste.
Während meiner Reise, da hatte ich auch ab und an mal das Ziel aus dem Blick verloren und fuhr Umwege. Da musste ich mich neu ausrichten auf das Ziel. Wieder fokussieren und Kraft tanken. Vor allem mentale Kraft ist da gefragt.
Was mich bisher trägt und auch weiterhin tragen wird, das ist die Anteilnahme vieler mir nahe stehenden Menschen. Dazu der Reisesegen am Karfreitag. Während der Fahrt auch Austausch mit lieben Menschen, mit meiner Familie. Auch in dieser Welt, da bin ich nicht alleine. Das stützt mich und gibt mir Zuversicht, die Reise zu einem guten Ende zu bringen.
Noch zwei Anmerkungen zum Schluss für heute: Der Flyer, der kommt überall gut an. Nur ein Beispiel. Der Mann am Empfang, der sah meine Vespa vor der Tür. Klar fragte er, woher ich komme und wohin die Reise geht. Er las den Flyer und kämpfte mit Tränen. Persönliche Betroffenheit schwang aus einem Worten. Palliativmedizin in Griechenland: Die befindet sich im Aufbau und ist aktuell nur in größeren Städten im Angebot. Doch der Bedarf ist hoch.
Und eine Sache die mich freut: Neben vielen Menschen, die meine Reise über den Blog verfolgen und Anteil nehmen, gibt es inzwischen schon 23 Menschen, die mit ihrer Spende auch die Arbeit vom Joho fördern wollen. An dieser Stelle mal ein herzliches „Dankeschön“ an jeden Einzelnen.
Reiseblog 13 - Kontrolle
Die Fähre, die habe ich gerade so noch erreicht. Es war nichts ausgeschildert, kein Hinweis, welches der Schiffe fährt. Dann entdeckte ich weiter entfernt noch ein Schiff der Linie, die ich nutze. Nichts wie hin - doch ich muss erst am Schalter am Hafen einchecken. Sofort mit der Vespa hingefahren, zum Glück keine Warteschlange, so konnte ich quasi mit der Abfahrt noch auf die Fähre gelangen. Bei der Fahrt dann das Panorama von Korfu-Stadt genießen. Korfu-Stadt: heute morgen hatte ich eine Mail von Thomas bekommen, der sich über den Blogeintrag bedankt. Ich wäre, wenn ich wieder nach Korfu komme, herzlich willkommen.
In Igoumenitsa, am Hafen angekommen, da kenne ich mich aus. Mit ruhigen Griffen das Navi montiert und das nächste Ziel eingegeben. Und los geht die Fahrt. Zunächst führt die Straße durch dicht bewaldete Hügel, dann höher hinauf. Ab und an ist der Blick von der Steilküste auf das Meer frei. Es ist schon komisch, dass mein Herz beim Anblick des typisch blauen Wassers höher schlägt. Als wäre ich Zuhause.
Nach einer Weile wechselt das Landschaftsbild. Mir kommt es fast so vor, als wäre ich am Fuße des Reschenpasses in Österreich: Eine gerade breit ausgebaute Straße führt zwischen zunehmend höheren Bergen hindurch zum Ziel. Doch dem Reschenpass, dem fehlen noch die Olivenbäume. Aber wer weiß, ob diese Bäume im Rahmen der Verschiebung der Klimazonen nicht auch bald doch heimisch werden. Während der Fahrt nehme ich heute unterschiedliche Gerüche der aufblühenden Natur in mich auf. Zuvor, bei der Fahrt durch einen dichten Kiefernwald, da roch es auch intensiv. Intensiv riecht es auch, wenn Felder am Wegesrand gerade gedüngt wurden. Mit der Vespa bin ich eben mitten drinnen in der prallen Natur. Auch nach Regen riecht es auf einmal. Zum Glück nur noch ein paar Tropfen. Es muss zuvor geregnet haben, die Straße ist nass.
Doch irgendwie werde ich leicht nervös. Gemäß dem Navi erreiche ich bald mein Ziel. Aber ich hatte doch, nachdem Mittags die Fahrt über gut ausgebaute Straßen, fast ohne Verkehr, gut vorangekommen war, ein neues Ziel eingegeben. Näher an Delphi. Kurzer Stopp und Kontrolle der Koordinaten: Ich hatte das neue Ziel zwar eingegeben, aber nicht gespeichert. Frust: knapp 100km Umweg in Summe, ich musste einen Teil der Strecke wieder zurückfahren. Kontrolle ist eben wichtig und gut! Nach langer Fahrt und Suche dann endlich meine Unterkunft in Agrinio. Doch was für ein Schreck: Ein total abweisender Mann an der Rezeption, es wäre nichts gebucht und es kein Zimmer frei. Erst morgen, da hätte ich gebucht. Ein Blick auf die Buchungsapp bestätigt das. So ein Ärger, ich hatte einfach den Termin des App genutzt und vor der Buchung nicht noch mal kontrolliert - Kontrolle ist wichtig.
Zum Glück war in der Nähe in einem Hotel noch etwas frei. Dort ein herzlicher Empfang von dem Mann an der Rezeption. Nun stellt sich die Frage: Einen Tag noch in Agrinio bleiben und die Buchung ausnutzen? Oder verfallen lassen und weiterfahren; Kulanz von dem Mann im ersten Hotel, die war nicht zu erwarten und das hatte sich dann nach Anfrage auch so bestätigt. Weiterfahrt nach Delphi? Es ist in der Nähe. Doch die Wettervorhersage sieht nicht gut aus. Heute schönes Wetter, morgen dann Regen und Gewitter und am Donnerstag auch Regen. Gepaart mit einem Temperatursturz von 21 Grad auf 10 Grad. Dafür bin ich nicht ausgerüstet. Und halbwegs bezahlbare Unterkünfte liegen in der freien Natur und sind etliche Kilometer entfernt. Da bleibt nur das Hotelzimmer.
Nein, ich werde umplanen und mich in Patras, auf dem Peloponnes einquartieren. Von da aus dann Roadtrips starten. So der Plan. Ob das so funktioniert? Kontrolle ist wichtig, das habe ich gerade erfahren. Es geht um ein gesundes Maß. Mir sind Fehler unterlaufen, daraus gilt es für die nächsten Etappen zu lernen.
Kontrollzwang, der schneidet vom Leben ab. Von uns, unseren Gefühlen und den Mitmenschen. Und letztlich gilt: Letztendlich haben wir unser Leben nicht unter Kontrolle. Unfall oder eine unheilbare Krankheit: Wir haben da nichts im Griff. Mein Treppensturz vor einigen Jahre: Keine Chance kontrolliert zu handeln. Zuvor, es ist schon länger her. Ein Unfall. Mir wurde die Vorfahrt genommen. Ich habe nur eine Sequenz von Bildern vor mir, bis allmählich das Gefühl wieder in meinen Körper kam. Keine Chance etwas zu kontrollieren. Und mit Blick auf meinen Vater: Nach Schlaganfällen und einem Sturz von einer Leiter lange Zeit im Pflegeheim verbracht, bis zu seinem Tod. Er hatte nichts mehr unter Kontrolle. Ich bin immer noch berührt, wie achtsam und liebevoll er gepflegt wurde. Es ist ein Geschenk, dass es Menschen gibt, die diese Arbeit, diesen Dienst am Menschen, von Herzen gerne machen.
Reiseblog 12 - Orientierung
Auf geht es! Heute gilt es den Süden von Korfu zu entdecken. Das Kribbeln und Pulsieren im Bauch ist wieder da - morgen geht es weiter auf der Reise. Der Zwischenstopp hat gut getan. Im Norden und in der Mitte von Korfu habe ich an jedem Tag viel entdeckt.
Nun gebe ich das erste Zwischenziel für heute in mein TomTom ein; meinen ausgelagerten Orientierungssinn. Zuerst eine Kirche besuchen, die ich gestern empfohlen bekommen hatte bei meinem Besuch auf der alten Festung. Die Kirche wäre nur Vormittags geöffnet. Doch die Kirche, die ich fand, die war rund um die Uhr offen: Eine Ruine, die Mauern zusammengehalten von stählernen Stützträgern. Nun, dass kann passieren.
Dann kommt jetzt das zweite Ziel an die Reihe: Agios Georgios. Da soll es einen kilometerlangen Sandstand geben. Sofort das Ziel eingegeben und losgefahren. Nach kurzer Fahrt kommt das Kommando: Rechts abbiegen. Gehört, getan. Doch ich fahre fast zweimal nacheinander in die gleiche Prozession der örtlichen orthodoxen Gemeinde. Dann hat TomTom wohl verstanden, dass der Weg nicht zum Ziel führt. In der nächsten Runde kommt das Kommando rechts abbiegen etwas später. Die Wege werden abenteuerlicher und enden im Nichts: Steile Wege, die ins nicht weiterführen, einfach enden. Und der Belag der Wege ist inzwischen nur noch Schotter und dann Sand. Aber: Ich bin in Agios Georgios. Auf einem Berg - kein Strand. O.k., dann soll das wohl so sein.
Neues Ziel: Der südlichste Punkt von Korfu: Kávos. Auf geht es, die 30km sind zu schaffen. Doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir die ersten 16km italienische Straßenverhältnisse bescherten. Aber im Gegensatz zu Italien, werde ich hier keinen Hunger leiden müssen. In jedem Dort und oft auch an Kreuzungen: Offene Bäckereien und Kaffees. Gut besucht von den Einheimischen. Auf dem Rückweg steigt mir der Duft von Holzkohle und Grillgut in den Nase. In Kávos angekommen. Alles ist bis auf ein Kaffee und eine Bäckerei geschlossen. Hier werde ich wohl - nicht wegen der geschlossenen Geschäfte - keinen Urlaub machen. Es irgendwie trist und öde, noch nicht mal ein historisches Gebäude ist zu sehen. Ebenso werde ich auch in Agios Georgios keinen Urlaub machen. Ich hatte es 8km vor Kávos entdeckt und bin kurz den Abstecher dorthin gefahren.
Unbenommen: Die ganze Landschaft mit dem so unterschiedlichen Baumbestand, den leichten Hügeln und der sich immer wieder öffnenden Blick auf das Meer - einfach zum genießen. Ein toller Roadtrip, garniert mit italienischen Flair. Da bleibt die Konzentration hoch.
Orientierung. Das mit dem TomTom, das funktioniert ja hinreichend gut in der Fremde. Doch es kann auch in die Irre führen. Und dann? Wenn ich merke, dann kann ich es noch korrigieren.
Doch wie sieht es im Leben mit den anderen so vielfältigen „Navis“ wie TickTock und der gleichen aus? Jedem Trend hinterherlaufen, sein wollen wie Influencer und mehr. Doch die Frage, wer ich in meinem Wesen wirklich bin, die wird dort nicht beantwortet. Dies alles hat ein großes Potential, das weg führen kann, sehr weit weg von meinem mir eigenen Wesenskern. Das kann mich in die Irre führen, aus der ich nicht mehr alleine rauskomme. Egal. Hauptsache der Profit der Anbieter stimmt. Wer kann hier noch selbst korrigieren, wenn alles Eigene aufgeben wurde? Wird das überhaupt noch erkannt? Oder ist die Sucht, die innere Leere zu überdecken, die offensichtlich bei vielen Nutzern vorherrscht, zu groß?
Was gibt mir wirklich Orientierung im Leben - das ist die entscheidende Frage. Wonach richte ich mich aus, was gibt mir tragbaren Halt in den Umbrüchen der Welt? Gerade mit Blick auf meine Sterblichkeit, die in der so heilen, bunten und schnelllebigen Welt der Ablenkungen nicht wirklich vorkommt. Doch was ist, wenn es so weit ist? Wenn Krankheit und Sterben mich betreffen, mich ganz persönlich und unausweichlich. Welche Orientierung habe ich dann? Es ist nie zu spät, sich diese Frage zu stellen und Schritt für Schritt den eigenen Weg zu suchen und dann auch zu gehen. Mit Unterstützung von Menschen, die sich um meine Seele sorgen. So werde ich kein Abziehbild mehr von etwas anderem sein. Mit einer klaren Orientierung. Das macht Mut und gibt Hoffnung, Hoffnung die über die Zeiten hinausreicht.
Reiseblog 11 - Verantwortung
Pause? Heute hat nur meine Vespa eine absolute Ruhepause. Ich werde entspannt die ca. 2,5 Kilometer bis zur Altstadt und zur Festung schlendern. Aktive Erholung. Schon zu Beginn geht es durch einen wunderbaren kleinen Park, umsäumt mit alten großen Bäumen. Kleine Außenbereiche von Tavernen laden zum verweilen ein, dann wieder Kinderspielplätze, Bolz- und Basketballplätze. Etliche Boulebahnen sind gut besucht. Eine schöne Mischung von älteren und jüngeren Spielerinnen und Spielern. Voller Ernst und Konzentration, doch auch mit viel Freude wird gespielt.
Nach einer Weile tauche ich in die Altstadt ein. Quirliges Leben, Speiselokale und Souvenirläden wechseln sich sich mit Eisdielen und kleineren und auch größeren Kirchen ab. Mich beeindruckt, wie die Griechen ihren Glauben leben. In einer der größeren Kirchen hatte ich Platz genommen und dachte zuerst, es würde sich unablässig ein Touristenstrom in die Kirche ergießen. Doch es waren alles Einheimische, das sah ich an den Ritualen.
Nun, etwas später, da bin ich weiter und habe mir ein Eis gegönnt, das ist doch klar!
Dann ging es Richtung der Alten Festung von Korfu. Beeindruckende Ausblicke auf das Meer, die Landschaft und die Altstadt. Historie atmet förmlich aus den Mauern. Aus den Mauern, die übrig geblieben sind. Eine große freie Fläche, ein Hinweisschild, an dem eigentlich fast alles Menschen achtlos vorbei gehen. Dort steht, dass das Herzstück der alten Festung, das venetianische Monument durch Bomben von Deutschen substantiell zerstört wurde. Es war kein Aufbau mehr möglich. Ab 1943 besetzten Deutsche die Insel: Korfu-Stadt und das jüdische Viertel wurden unerbitterlich bombardiert. Die Stadt brannte drei Tage lang. Anschließen wurden alle Juden zusammengetrieben und in Konzentrationslager deportiert.
Was für eine Historie! Wertvolle Kulturschätze unwiederbringlich zerstört, noch viel schlimmer das so große Leid, das so unfassbar viele Menschen über sich ergehen lassen mussten. Deutsche hatten das zu Verantworten. Deutsche, aus dem ehemaligen Land der Dichter und Denker.
Verantwortung. Aus all dem Geschehen heraus erwächst die innere Herzensverpflichtung, dass wir Verantwortung für alle Menschen, egal welcher Herkunft, übernehmen. Das gilt Besonders für die Schwächsten der Gesellschaft. Verantwortung, die jeden Tag neu gelebt werden will. Jeder da, wo er gerade im Leben steht.
Leben soll, Leben muss Gelingen. In all unserer Begrenztheit. Mich berührt es sehr, dass alle Menschen, denen ich begegne, mich herzlich an- und aufnehmen; sie wissen, dass ich aus Deutschland komme. Sehr nachdenklich gehe ich zum Hotel zurück. Auf meinem Herzen, da trage ich ein Geschenk von Thomas; ein kleines orthodoxes Kreuz. Nachdem ich die Kirche verlassen hatte, ging ich kurz in den Gift-Shop nebenan. Ein kurzes Gespräch entspannte sich: Was suche ich. Dann die Frage, wo ich herkomme. Wir kamen in unserem Gespräch auch auf die Spendenfahrt und mehr. Nachdem ich das für mich passende Kreuz gefunden hatte und frage, wie viel es kostet, da sagte er zu mir: Ich schenke es Dir. Sein Gesicht und seine Augen strahlten dabei von Herzen. Nun trage ich dieses Geschenk über meinem Herzen. Seltsam bewegt.
Reiseblog 10 - Zufall oder Bewahrung
Das Frühstück war hinreichend und lecker. Der Kaffee gut und stark. Nun geht es nach erholsamen Schlaf mal raus, Korfu zu entdecken. Jenseits der Reiseführer. Zunächst Richtung Acharavi gefahren. Ein schöner Strand, doch zum Baden ist heute die Brandung zu hoch.
Mir kommt in den Sinn, dass in der Nähe der höchste Berg von Korfu liegt; etwas höher als der Feldberg in Hessen. Der Pantokrator mit knapp über 900 Metern über dem Meeresspiegel. Nix wie hin. Die Kurven werden enger, steiler und die Steigung nimmt zu. Kein Problem für meine Vespa. Auch die schmalen und engen Dorfstraßen werden entspannt gemeistert. Im Schritttempo. Einladende kleine heimische Cafès am Wegesrand. Pausen sind angesagt.
Das Thema heute für den Blog fällt mir im wahrsten Wortsinne zu: Nach der Weiterfahrt von einem Zwischenstopp höre ich urplötzlich einen Schlag - ich habe was verloren. Anhalten, es herrscht im Moment kaum Verkehr. Kurzer suchender Blick auf die Straße hinter mir. Nichts zu sehen. Dann fällt mein Blick auf das Trittbrett der Vespa - da liegt mein Portemonnaie. Mit der EC-Karte und dem Tankgeld. Aufatmen. Erleichterung breitet sich in mir aus. Fast noch wichtiger: Der Schutzengel - gefertigt aus Olivenholz aus Bethlehem - , den meine Tochter mir zum Beginn der Reise geschenkt hatte, der war zu gut verstaut, der war in der Tasche der Motorradjacke weiterhin gut aufgehoben.
Zufall oder Bewahrung? Was wäre das für ein Stress geworden, alles mit der Bank zu regeln; hier aus Griechenland. Wie an eine neue Karte kommen? Wie ein Flash fallen wir zwei weitere ähnliche Begebenheiten ein. Letztes Jahr in Golsar. Zehn Minuten nach der Nutzung der Toilette war mir aufgefallen, dass ich meinen Bauchbeutel mit allem Geld und allen Karten dort vergessen hatte. Schnell zurück: Er war noch an der selben Stelle, nichts hatte gefehlt. Ähnlich einige Monate vorher. Workshop im Papa Rhein. Kurz vor der Abfahrt stelle ich fest: mein Bauchbeutel fehlt - zurück ins Hotel: Alles lag noch an der selben Stelle. Alles Vollständig. Alles Zufälle oder Bewahrung?
Etwas weiter aufgespannt: Treppensturz mit kompletten Abriss der Quadrizepssehne. Nur der Abriss - nicht mit dem Rücken oder dem Hinterkopf aufgeschlagen. Nicht querschnittsgelähmt, nicht - wie im schlimmsten Falle - Tod. Zufall oder Bewahrung? Im Rückblick kommen mir noch mehrere Begebenheiten in den Sinn; doch dazu an anderer Stelle.
Inzwischen näherer ich mich langsam dem Pantokrator. Doch die letzten Meter, die werde ich heute nicht fahren. Die Kurven sind eng und am Wegesrand ist nur Schotter. Dazu kommt, dass euphorische Menschen ziemlich schnell mit dem Auto - da kann man entspannt auch über den Schotter fahren - vom Gipfel kommen. Mit zwei Rädern in den Schotter ausweichen? Daneben dann noch der Abgrund. Nein, die „Gipfelbesteigung“ ist es das nicht wert. So drehe ich um und fahre weiter durch eine tolle Landschaft, die teilweise atemberaubende Ausblicke gewährt.
Das gilt auch später für die Steilküste hinab Richtung Paleokastritsa. Unten angekommen sind es nur noch ein paar Kilometer bis zur Unterkunft. Danach geht es zur Pizzeria im kleinen Park. Seit heute weiß ich, dass sie erst seit 8 Tagen geöffnet ist. Ein toller Familienbetrieb; "la luna". Und die Italiener, die müssen sich warm anziehen: Best Pizza ever! Die in Italien waren ja Klasse, doch hier wurden sie übertroffen.
So klingt ein rundum gelungener erholsamer Tag langsam in seiner Zeit aus, ich fühle mich geborgen, behütet und bewahrt.
Reiseblog 9 - Abschiede
Nein, ich will nicht raus aus dem kuscheligen und warmen Bett. Doch ich muss auch von dieser Unterkunft Abschied nehmen. Dabei hatte ich es mir doch die zwei Tage so gemütlich eingerichtet.
Es war schön, doch Neues, Unbekanntes, ruft. Korfu. Es soll das toll sein, so schaue ich einfach mal ein paar Tage nach. Eine weitere Zwischenstation auf meiner Reise. Es ist fast wie eine Lebensreise. Viele Stationen auf dem Weg, immer wieder Neues wagen und dabei Abschied nehmen. Auch von Menschen. Von liebgewordenen Gewohnheiten und so viel mehr. Tja, nun gilt es wieder, das große Gepäck zu packen und die Vespa - und mich - zu beladen. Mich mit Rucksack.
Leider bin ich heute noch völlig unausgeschlafen, habe Ärger mit in den Schlaf genommen. Seit Januar bin ich einer Auseinandersetzung mit einem Mobilfunk und Festnetzbetreiber. Gekündigt. Alles auch schriftlich dokumentiert, an der Kundenservice in der Gesamtsicht vor ca. einem Monat per Einschreiben gesendet. Antwort: Fehlanzeige, es wird einfach immer weiter abgebucht; zunehmend höherer Beträge. Und ich hänge hier in der Ferne und kann nicht adäquat reagieren. So was hängt mir innerlich sehr nach; da ist mein Gerechtigkeitssinn zu ausgeprägt.
Nun, nach drei Kaffee zum Frühstück bin ich wieder soweit klar, dass ich zum Hafen fahren kann und die nächste Etappe in Angriff nehmen kann. Nach kurzem Warten kommt die Fähre. Diesmal kein Seegang - was für ein Glück - und die Dauer: Tatsächlich nur 1,5 Stunden. Raus geht es nach dem Anlegen und dank TomTom durch die quirlige und auch ziemlich vollgestopfte Innenstadt einem Außenbezirk angekommen. Hier liegt meine Homebase für die nächsten Tag. Das hat auch was, mit leichtem Gepäck auf Erkundungstour zu gehen. Etwas Wehmut mischt sich in meine Gedanken, mein Fühlen. Was wären meine Eltern stolz auf mich, wenn sie diese Tour verfolgen würden. Sie wären einfach Stolz wie Bolle. Doch mein Vater ist vor vielen Jahren nach einem längeren Aufenthalt in einem Pflegeheim verstorben; nach mehreren Schlaganfällen. Und vor einiger Zeit ist meine Mutter gestorben. Tröstlich beim jedem der Abschiede die liebevollen und segensreichen Worte meines Pfarrers Jürgen S. aus Niedernhausen. Verbindungen die tragen. Nun seit dieser Zeit ist mir bewusst, dass ich nun in der vordersten Reihe der Familiengeschichte stehe. Was gilt es zu Leben? Die Nähe und die Liebe zu den Kindern weitergeben. Das ist das einzige was bleibt, das die Zeiten überdauert. Wir haben auf dieser Welt keine bleibende Heimstatt.
Impressionen: Korfu und zwei tierische Begegnungen: Joe - der einzige Passagier, der den Wellengang vorgestern zum Einschlafen genutzt hatte und eine unbekannt Blumenliebhaberin auf Korfu.
Reiseblog 8 - Umplanung
Mir ist schlecht, ich kämpfe, dass ich mich nicht übergebe. Was denn nun? Beim letzten Blog; Mir ist kalt. Jetzt ist mir schlecht. Das klingt ja so wie früher, mit den Kindern auf langer Reise. Doch: Mir war kalt und nun, auf der Fähre ist mir schlecht. Die Wellen sind hoch. So hoch, dass sogar die Fähre mit 12 Decks stark schwankt. Obwohl der Bauch der Fähre mit etlichen schwer beladenen LKW gut gefüllt ist. Und auch die Vespa, die ist ja auch mit dabei! Aber das alles langt nicht.
Dazu kommt, dass ich von den kulinarischen Angebot an Bord probiert hatte: Es sah lecker aus, das Baguette mit Kochschinken und Käse. Doch nun weiß ist, wie angemalte Pappe schmeckt. Tief in den Bauch atmen und das Heben und Senken der Reling verfolgen. Die Zeit scheint still zu stehen und geht doch weiter; ganz langsam. Nun, ich war nicht der Einzige, der etwas blass ausgesehen hatte. Während ich so gegen die Übelkeit kämpfe, kommt mir das Unwetter mit Toten in Italien in den Sinn. Sturm, Starkregen. Die Naturgewalten: Demut ist angesagt. Wir Menschen sind ja im Gunde so klein und verletzlich.
Im Rückblick kann ich nur unendlich Dankbar sein - ich war am Vortag in der Nähe von Foggia unterwegs. Die Kälte und der Wind, das waren Vorboten des Unwetters, das sich nach sehr warmen Tagen zusammengebraut hatte. Irgendwie merkwürdig: Seit ich in Italien war, hatte ich innerlich den Drang, möchstlichst schnell bis nach Brindisi zu kommen. Ich bin längere Strecken gefahren, zum Teil knapp 400km anstelle der geplanten 300km pro Tag. Auch kein Zwischenstopp bei Sehenswürdigkeiten.Ob auf einer tiefen und unbewußten Ebene eine Vorahnung in mir war? Ich fühlte mich nicht getrieben und hatte auch keine Angst. Nur eben wollte ich Italien möglichst schnell durchqueren.
Zurück zur Fähre: Nach ungefähr der Hälfte der Strecke, da beruhigt sich das Meer - und mein Magen. Nun kann ich die Umplanung angehen. Nach der sehr anstrengenden Überfahrt etwas über neun Stunden, es war nicht nur der Seegang, werde ich einen Tag länger in Igoumenitsa bleiben. Um wieder Kraft tanken und um in Ruhe die zu nächsten Schritte planen. Korfu steht auf dem Plan. Direktverbindungen von Brindisi, die gibt es erst ab Juni. Von hier aus stündlich. Dort, auf Korfu, werde ich 3-4 Tage bleiben. Ich brauche wieder einen guten Rhythmus beim Essen. Das ist in Italien völlig schief gegangen - andere Länder, andere Sitte. Für den Rückweg gegen Ende meiner Reise, da bin ich nun auch für Italien gewappnet.
Meine Reise geht mit dem Besuch und auch nach dem Besuch von Korfu weiter, ich bin gespannt!
Reiseblog 7 - Das Herz und der Wille
Mir ist kalt, ich zittere immer öfters. Schalte die Griffheizung an. Bei meiner Abfahrt in Benevento war es frühmorgens noch frisch. Ich hatte mich entsprechen angezogen; mehr ging nicht. Limitiert über das Fassungsvermögen der Vespa.
Optimistisch fahre ich los. Doch nach einiger Zeit wird es kühler, gepaart mit einem schneidenden Wind. Der begleitet mich fast 200 km. Konzentration ist gefordert, obwohl am Sonntag kaum Autos auf der Straße sind. Abfahren und eine Station zum Aufwärmen suchen? Fehlanzeige. Es gibt zwar Ausfahrten, die auf Dörfer oder Städte hinweisen - doch der Blick durch das weite Tal: Fehlanzeige. Auf Verdacht raus fahren? Nein - ich lande dann eh wieder in fast ausgestorbenen Dörfern, so meine Sorge. Also volle Konzentration auf den weiteren Weg. Runterzählen der Kilometer. Nur noch 199 km bis Birndisi. Und so weiter. Mentale Techniken aus dem Ultralauf abgekupfert, die Zeit zieht sich wie Kaugummi und die Kilometer, nun die brauchen auch so ihre Zeit. Bei einem kurzen Zwischenstopp beim Tanken, da habe ich eine amerikanisches Brause mit viel Zucker zu mir genommen. Das ist zwar ungesund, hilft aber in der Situation. Weiter geht es. Mein Herz und mein Wille sind im Einklang. Und ich achte so auf mich. Neben der Fürsorge für meine Familie: Mein Herzensprojekt soll gelingen. Also nicht überziehen aber auch dran bleiben. Ein Wille ohne Herz, zerstört. Andere und auch sich selbst. Ein Herz ohne Wille versinkt, im - ja im wo auch immer. Eine gesunde Kombination, ein fokussierter Wille, verbunden mit der Herzenskraft, ist für uns so wichtig im Leben. Es gilt: Am tiefsten Punkt unseres Herzens, da sind unser Wille und der Wille Gottes gleich. Aus dieser Quelle zu Leben: Ursprung von Freude und Lebenskraft sind ein Ergebnis. Verbunden mit dem Willen zum fruchtbaren Gestalten dieser Welt. Handeln ist angesagt, Worte allein führen nicht weiter. Km 99 - was für ein innerer Jubel. Nicht nur, das inzwischen die Sonne sich zeigt und es wärmer wird. Nein, Brindisi ist in Reichweite. Was für eine Verheißung der Name. Obwohl ich die Stadt gar nicht kenne. Vielleicht, weil es mein erster großer Zwischenstopp ist. Nun ist es so weit, ich biege ab und fahre in die Stadt. Doch mich trifft der Schlag: Alles was ich bisher an Schlaglöchern, Unebenheiten und sonstigen Schwierigkeiten erlebt hatt, wurde übertroffen. Selbst Schlangenlinienfahren hilft nicht - immer trifft es einen; und zwar ziemlich heftig. Bitter. Doch es geht weiter. Ich erreiche meine Unterkunft. Nun gilt es Kräfte zu tanken, ein Ruhetag ist eingeplant in dieser - von den Straßenbelägen abgesehen - tollen Stadt. Und - anders als die Beläge der Straßen - sind die Beläge der Pizzen einfach Weltklasse. Das versöhnt dann doch schnell.
Reiseblog 6 - Die 3 von der Tankstelle - Begegnungen
Nach dem Start morgens in Perugia habe ich gleich mal die erste Tankstelle auf der Staatsstraße anfahren. Warum? Dazu später mehr.
Die Tankstelle biete „Selfservice“ und „Servizio“ an. Sofort bin ich zur Zapfsäule mit dem Hinweis „Servizio“ gefahren. Doch niemand kam. So ging ich Richtung der Restauration der Tankstelle und sprach einen Motorradfahrer an. Auf Englisch. Ob es heute auch Tanken mit Bedienung gibt. Nun, er suchte nach einem Tankwart und fragte auch in der Restauration nach. Das Ergebnis: Nein, am Wochenende gibt es nur Selbstservice. Ich sagte, dass ich das System nicht verstehe; eben auch kein Italienisch. Sofort ging der Motorradfaher mit zur Zapfsäule, auch der Mann aus der Restauration kam. Sie zeigten mir, wie das System funktioniert. Erleichterung pur: Ein Buch mit sieben Siegeln ist für mich entschlüsselt. Nun kann ich beruhigter meine Reise fortsetzen. Nachdem ich den Tankvorgang abgeschlossen hatte, sah ich 3 Motorradfahrer - einer war mein Helfer von eben - vor der Restauration stehen. Sie winkten mich energisch zu mir. Und boten mir ein Stück ihres Schokokuchens an (sehr lecker). Sie fragten mich diverse Dinge mit großem Interesse: Woher ich komme, wo Wiesbaden genau liegt, nach dem Ziel meiner Reise und mehr. Ihre offene und herzenswarme Art hatte tief berührt. Da ich nicht so fit bin mit meinem Englisch, da holte ich den Flyer in der Variante für Italien und gab ihnen den Flyer. Schon während dem Lesen nahmen sie mich in den Arm und drückten mich herzlich. Es war, als ob offene Herzen noch ein Stück weiter aufgegangen waren. Mit heftigen Umarmungen und Schulterklopfen verabschieden sie mich; sie wollten ihr Frühstück beenden. So fuhr ich los, in meinem Tempo. Einige Zeit später hörte ich kurzes Hupen. Sie überholten mich und winkten mir nochmals herzlich zu. Dann trennten sich unsere Wege. Mir kamen während der Fahrt Tränen, so gerührt war ich von der Begegnung.
Nun zur zweiten von drei Begegnungen, die ich und heute aufführen möchte; es gab etliche mehr. Zunächst wieder eine Tankstelle. Die erste, die ich in Österreich angefahren hatte. Nach langer Fahrt, leicht orientierungslos - keine Netzverbindung - keine Unterkunft und zunehmend müde. So konnte ich die Begrüßung des Tankwarts nicht mehr wirklich einschätzen: Ehrlich oder aufgesetzt und gezielt übertrieben. Nun, erst in der Unterkunft sammelte ich meine Gedanken: Ich hatte knapp über 10€ bezahlt, das war die Höhe der bisherigen Tankquittungen. Doch dieses Mal hatte ich doch nur 3 Liter getankt. Nach Prüfung der Quittung sah ich, dass noch eine Panini abgerechnet worden war. Da fiel mir ein, dass der Tankwart sich zuvor mit einem älteren Mann intensiv ausgetauscht hatte. Der Mann verließ die Tankstelle, als ich sie betrat und war noch an seinem Auto beschäftigt, als ich wieder weiterfuhr.
Nun zur dritten Begegnung: Benevento. Hier machte ich nach dem Aufenthalt in Perugia meinen nächsten Stopp. Benevento - das kannte ich bisher noch nicht mal vom Namen. Wer mag, kann das ja mal googlen. Ich war in der Nähe des Zentrums untergebracht, konnte aber nicht die ganze Stadt erkunden. Doch das was ich gesehen hatte, hat mir gut gefallen. Ganz anders als Perugia: Auf seine eigene Art schön. Nun, vor der Entdeckungstour, da war der CheckIn. Ein älterer, silberhaariger Mann, mit dem musste ich noch die Unterbringung der Vespa klären. Da wir beide nur wenige Englisch sprechen, kam er vorbei. Wir trafen uns bei der Vespa und gleich entspann sich ein Austausch. Er fuhr früher auch eine Vespa, allerdings bei seine Hochzeitsreise waren die Straßen regennass und die Vespa gab keinen wirklichen Halt. Meine Vespa hingegen ist ja eine andere Generation und hat unter anderem ABS und ASR (Antischlupfregelung). Dann kamen wir auf meine Reise zu sprechen, er war sehr an dem Flyer (klar: Italienische Version) interessiert. Aufmerksam las er die Zeilen, er war tief berührt - doch sofort schlug die „Tränenbremse“ zu. Wir verabschiedeten uns auf herzliche Art und Weise.
Nun, morgen geht die Reise weiter; vielleicht schaffe ich es ja zu meinem ersten großen Zwischenstopp in Brindisi.
Benevento: Impressionen am Ende des Blogs.
---------------------------------------------------------------------------------
Zu guter Letzt noch die Auflösung des „später mehr“: Am Vortag mal wieder zum Tanken gefahren. Nur Selbstservice. Ich ging Richtung des Tankwarts. Seine Tür war verschlossen. Doch öffnete sie einen Spalt und sagte auf Englisch er hätte jetzt noch zwei Stunden Pause. Ich solle doch so machen, wie der Frau, die gerade Tankt. Einfach die EC-Karte einstecken zum zahlen. O.k.. Mutig ging ich zur Zapfsäule, steckte die EC-Karte ein und erschrak heftig: Ich solle den PIN eingeben und ..... der Zahlbetrag belief sich auf 150€. Sofort hatte ich die Transaktion abgebrochen. Weiterfahren, das kam mir in den Sinn. 30km, die gibt der Rest im Tank wohl noch her. Die Tankanzeige geht während der Fahrt ängstigend dem Ende zu,. Ein letzter Tunnel, dann müsste die Tankstelle kommen. Doch ich sah nur eine Baustelle, was für ein Schreck. In Bruchteilen von Sekunden nahm ich aber wahr, dass neben der Baustelle eine Straße zu einer Brücke über die Autobahn zur Tankstelle auf der anderen Seite führte. Und war für eine Freude: Mit Servizio. Vor dem Tanken fragte mich der sehr freundliche Tankwart, ob der Preis auf wirklich in Ordnung wäre. Der Liter koste eben ein paar Cent mehr. Bitte volltanken, so mein Wunsch, der erfüllt wurde.
Reiseblog 5 - Dankbarkeit
Das gleichmäßige sonore Summen der Vespa begleitet mich bei meiner Fahrt über die an beiden Seiten mit Bäumen gesäumte Allee. Links blühende Rapsfelder, saftiges Gelb. Rechts frisch umgepflügtes fruchtbares Ackerland. Ich bin dankbar, das zu genießen zu dürfen. Nach dem Start heute morgen zunächst flaches Land, durchzogen von Felder, Brachen und Gewerbegebieten. Dazwischen immer wieder alte, halb zerfallene Häuser. Alles im Wandel zwischen Werden und Vergehen.
Inzwischen führt mein Weg mich durch abwechslungsreiche Landschaft. Die Eindrücke sauge ich auf. Mein bisheriger Zeitbegriff verliert an Bedeutung, loslassen ins Sein ist angesagt. Doch auch sinnvolle Zeitplanung hat ihre Berechtigung: Wenn ich einen Termin beim Facharzt habe, dann sollte ich pünktlich sein; sonst habe ich frühestens ein halbes Jahr wieder eine Chance. Ja, auch gerade mit Blick auf die Ärzteschaft, gerade in Wiesbaden, bin ich dankbar. Ich bin gut versorgt. Und jeden der Menschen, die mich während und nach meinen inzwischen doch etlichen Operationen umsorgt hatten, auch da bin ich dankbar. Jedem Einzelnen.
Während ich nachdenklich weiter fahre, komme ich durch mehrere kleine Dörfer. Kaum Menschen zu sehen. In jedem Dorf ist ein Friedhof der für mich besonderen Art: Wie kleine Wohnhäuser, Kathedralen und manche gar wie ein Mausoleum. So sind dort die Gräber gestaltet. Viele Grabstellen sind schon verwittert. Gibt es noch Menschen, die um die Verstorbenen trauern? Gerade vor dem Blick auf unsere Endlichkeit gilt es den Blick für den Menschen schärfen. Unser Leben ist uns geschenkt. Auch dafür können wir Dankbar sein. Wir haben uns da nichts erarbeitet. Es wurde uns geschenkt. Da gilt es die Zeit sinnvoll zu nutzen, mit Blick auf Karfreitag - Sterben und Tod - und dann den Zeitbegriff weiter ausgespannt auf die Ewigkeit denken. Die können wir uns auch nicht erarbeiten. Doch diese Perspektive kann unseren Horizont weiten, Richtung Annahme und Gestaltung des Seins.
Nicht alles ist super toll im Leben. Doch wir können immer etwas machen, ohne zu resignieren. Mit fällte eine Begegnung dazu ein: Nach meinem Treppensturz mit Abriss der kompletten Quadrizepssehne trug ich einige Zeit nach der OP eine Orthese. Damit fuhr ich täglich mit dem Bus zum Thermalbad. Bewegen im warmen Heilwasser. Leben ist Bewegung. Bei jeder Fahrt war ich Dankbar für die Hilfsbereitschaft gerade der jungen Menschen; egal welcher Herkunft. An einem Nachmittag stieg ein schwer humpelnder Mann, etwas jünger als ich, mit mir aus dem Bus. Kurzer Austausch: Als Fahrradfahrer wurde er von einem Auto umgefahren und schwer verletzt. Vieles wird er körperlich nicht mehr können, aber er bleibt am Leben dran. Oft sind es die kleinen Dinge, Gesten oder Schritte, die unser Leben im Wesenskern ausmachen, bereichern und so wertvoll machen.
Etwas Wesentliches für mich, da denke ich oft dran: Dankbar bin ich meiner Familie und meinen mir nahen lieben Freunden, die sich für mich freuen und mich auf vielen Ebenen unterstützten; gerade auch im Hinblick auf diese Fahrt. Lange hatte ich mich drauf gefreut.
Nach längerer Fahrt nähere ich mich Perugia, da will ich heute eine Unterkunft suchen. Mir kommt, während ich mich der Altstadt nähere, während der Fahrt über eine massive Buckelpisten und durch große Schlaglöcher der Meister aus der Werkstatt von Zweirad Klose in den Sinn. Er kannte mein Vorhaben und hatte andere Stoßdämpfer als den Standard empfohlen. Gesagt und getan: Der Austausch hat gut getan, gerade hier in Italien. Gerade hier. Auch für diesen Rat bin ich dankbar.
Nachdem ich meine Sachen in der Unterkunft verstaut habe, schlendere ich durch die Altstadt von Perugia. Traumhaft schöne Ausblicke, liebevoll restaurierte Gebäude. So gelingt für mich Leben: Altes, Gutes bewahren und mit Leben füllen. So kann Neues entstehen; so hier, geboren aus dem pulsierende Leben. Das kommt für mich dem Schöpfungsauftrag schon nahe: Wir sollen uns die Erde untertan machen - nein nicht knechten oder zerstören. Sondern sie bebauen und bewahren; vor allem das bewahren ist für mich so unendlich wichtig. Wir können Dankbar sein, welch ein toller Planet unserer Heimat ist. Es ist aber auch sehr verletzlich. An uns liegt es, etwas zu tun. Kleine Dinge!
Impressionen Perugia, inkl. Umbische Nationalbiliothek
Reiseblog 4 - Arbeitstag
Fast völlig verloren stehe ich an einer Tankstelle in der Nähe von Verona. Ich bin müde von der anstrengende Fahrt heute, doch keine Unterkunft in Sicht. Booking.com (Buchungsplattform): Fehlanzeige. Den ganzen Tag keinen Internetempfang. Und der Tankwart, der kann kein Deutsch, kein Englisch. Da fällt mir ein: Vor einigen Tagen sprach ich mit meiner Frisörmeisterin über das Projekt. Sie ist Italienerin. Und sie schrieb mir zwei Zeilen auf Italienisch, wie ich nach einer Unterkunft fragen kann. Das zeigte ich dem Tankwart. Der ging sofort in den Coffeshop nebenan und fragte nach Rat. 2,5 km entfernt eine Unterkunft. Als ich dort ankam - es war noch ein Zimmer frei. Was für eine Erleichterung. Doch die Küche der angeschlossenen Pizzeria, die macht es in zwei Stunden, um 19:00 Uhr auf. Gegessen hatte ich seit dem Frühstück nichts, unterwegs hatte ich nur Lokalitäten mit leeren Fenstern gesehen. Oder sie waren geschlossen. Aber mir wurde sofort ein Wurstbrot gereicht. Dann Abends eine Pizza, so gut, das können nur Italiener. Spannend fand ich, dass ab 19:30 sich die Pizzeria fast schlagartig füllte. Hier in Italien, da gibt es wohl andere Essenszeiten, als bei uns.
Zusammenfassend: Rede über Deine Bedürfnisse, über Deine Sorgen. Dann fügt es sich zu seiner Zeit; wie zuletzt an der Tankstelle. Und der Flyer mit der Übersetzung des Projektes ins Italienische, der machte unter den Angestellten des Hotels und der Pizzeria seine Runde. Alle hatten ein Strahlen in den Augen. Doch wir konnten uns leider nicht tiefer austauschen - ich musste schlafen. Und habe gut geschlafen.
Morgens, in Zams, vor der Weiterfahrt:
Nun zur Arbeit. Abfahrt in Österreich bei tollem Wetter. Etwas frisch, aber dafür hatte ich an Kleidung vorgesorgt. Meine Sorge vor der Fahrt über den Reschenpass - viele und scharfe Kurven mit vielen Höhenmetern - die wurde mir von der Dame am Empfang des Hotels genommen. So fuhrt ich entspannt los, nach Italien. Doch bei der Abfahrt, da wurde es anstrengend. Da musste ich Arbeiten. Enge Kurven, viel Gegenverkehr und von hinten drängelnde Italiener. Dazu kamen dann später noch starke Winde. Das Rezept: Hinter einen langsam fahrenden LKW klemmen. Mit etwas Abstand, damit überholende Ferraristi noch genug Platz haben um einzuscheren, wenn doch mal „überraschenderweise“ Gegenverkehr kommt. An Herausforderungen kam hinzu, dass etliche Straßenabschnitte schlecht ausgebaut waren. Und in Trento, da hatte ich mich einige Male - trotz TomTom - verfahren. Was noch genervt hatte war die Tatsache, dass es in etlichen Abschnitten gefühlt alle paar hundert Meter einen Kreisverkehr gab. Wegen der ganzen Umstände, dem unruhigen Verkehr und den engen Straßen musste ich sehr konzentriert fahren. Dennoch konnte ich diverse Sinneseindrücke der Landschaft auf der so reizvollen Strecke in mich aufnehmen. Highlights: Der Rechenpass, Merano, Bozen, Trento und der Weg bis nach Verona.
Bild links: Rückblick auf den Reschenpass. Bild rechts: Meine Unterkuft
Mein Fazit: Auch wenn es mal schwer wird, einfach dran bleiben, durchbeißen - mit Augenmaß - und: Ankommen! Mit Augenmaß: Eingestehen, wenn es zu viel, zu kritisch wird. dann Stoppen. So hatte ich es bei Verona gemacht. Zeitlich wäre noch einiges möglich gewesen. Aber nein, ich war zu müde von der „Arbeit“.... Gleich geht es weiter, der vierte Tag ruft.
Reiseblog 3 - Grenzerfahrungen
Vor dem Start in Tag 2 blitzt tief aus einem Bauch Freude auf. Sie breitet sich in meinem ganzen Körper aus und zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Das geht längere Zeit nicht mehr weg. Tief atme ich die noch kühle Waldluft am Vormittag ein. Meine Lungen füllen sich. Mischwälder umfangen mich, sie umgeben Felder und Weiden. Alles durchflutet von Sonnenschein pur. Nur ab und an leichte Schleierwolken am strahlend blauen Himmel. Immer wieder neue Impressionen. Die kann ich genießen, es herrscht kaum Verkehr. Dann weitet sich der Horizont.
Während der Fahrt habe ich mehrfach an das Gespräch beim Frühstück gedacht. Wenn Menschen zuhören und sich austauschen, dann öffnet sich ein Raum der Annahme. Etwas mehr Frieden breitet sich in der Seele aus; ich bin nicht alleine. Heute bin ich richtig angekommen auf meiner Reise und genieße sie. Im Rückblick auf den Start: Das Verhalten meines Minds, das kenne ich, wenn es um Grenzerfahrungen geht. Nur ein Beispiel: Stundenlanger Starkregen beim 100km Nachtlauf - der Mind sagt: „Du holst Dir eine Lungenentzündung und dann stirbst Du“. Weiter in Bewegung bleiben, dem Ziel entgegen - nicht mal einen leichten Schnupfen hatte ich bekommen. Bei Erfahrungen, die an unsere bisherigen Grenzen und auch darüber hinaus gehen, da werden auch tiefer liegende Ebenen berührt und lange Verborgenes taucht an die Oberfläche auf. Hier gilt es dann exakt zu prüfen, was ist wahr oder was ist nur Spiel des Minds.
Meine Reise geht weiter, irgendwann habe ich die Orientierung verloren. Fast zwei Stunden einfach dem Navi vertraut. Auch wenn ich dachte, ich fahre in die völlig falsche Richtung. Doch großes Aufatmen, nachdem ich am Horizont die Alpen entdeckt hatte.
Dann doch noch eine etwas längere Suche nach einer Unterkunft in Österreich; viele Hotels und Pensionen hatten entweder Betriebsferien - das kommt davon, wenn man außerhalb der Hauptsaison fährt. Aber es waren auch etliche geschlossen, wohl für immer. In Zams, da zeigte mir eine Fußgängerin ein Hotel, das geöffnet hatte - und es war noch ein Zimmer frei. Sofort eingecheckt, kleines Abendessen dann sofort ins Bett. Ausruhen für die nächste Etappe. Da will ich Tirol hinter mir lassen - alle Wetterbericht zeigen auf klar tiefere Temperaturen für Freitag und Regen hin.
Nun: Ich habe gut geschlafen und gehe optimistisch die Tour an. Mal gespannt, was es zu entdecken gibt.
Reiseblog 2 - Der Beginne einer langen Reise
Weg, endlich weg. Diese innere Anspannung in der Vorbereitungszeit. Völlig nervös vor dem Start noch das TomTom, das Navigationsgerät, angebracht. Ohne die Hilfe meiner Frau hätte ich das nicht hinbekommen. Nun aber, nach dem Start, da ist alles Belastende verflogen. Ein Traumwetter. Sonne pur und angenehme Temperaturen, heute am 07.04.2026. Entspannt die wechselnde Landschaften genießen. Zuerst auf der Strecke bis Worms öffnet sich immer wieder der Blick auf den Rhein, auf dem sich die Sonnenstrahlen spiegeln. Später in der Ferne sanfte in den Himmel gezeichnete Höhenrücken. Die Fahrt hat mich bis nach Esslingen verschlagen, da wurde ich doch müde und hungrig. Eine tolle Unterkunft gefunden, leckes Abendessen und früh ins Bett. Doch noch irgendwie bin innerlich noch immer aufgewühlt. Mir wird nochmals klar, welch eine große Tour ich gewählt habe. Heute morgen wäre ich fast verzagt. Doch, und das ist das wichtige: Den Aufbruch gewagt, in etwas für ich völlig Neues. Nachdem der Wecker geklingelt hatte, war ich noch immer relativ müde. Nicht sehr erholsam geschlafen. Doch es beruhigt mich, dass ich keine festen Zeitpläne habe. Ich möchte nur, wenn möglich, in die Nähe von Österreich gelangen. Da möchte ich möglichst - mit Blick auf die Wetterlage, in einem Tag durchkommen. Während ich diese Zeilen schreibe, erinnere ich mich an eine kurze Begegnung heute morgen beim Frühstück. Ein Mann, geschätzt mein Alter, kommt mit abweisender Mine in den Frühstücksraum, den Blick nach innen gekehrt. Irgendwie kamen wir nach einer Weile doch in ein kurzes Gespräch. Ich sprach über meine Reise, er hörte aufmerksam zu. Unser Gespräch entspann sich weiter, er fährt auch Motorrad. Dann kam unsere Gespräch auf seinen Vater, der im Sterben liegt. Er hätte Glück gehabt, einen der 16 Hospizplätze, die es in Stuttgart gibt, zu erhalten. 16 Plätze für den ganzen Raum in Stuttgart. Er meinte, dass das zum Beispiel in Spanien ganz anderes, viel besser geregelt sei. Nach eine Weile verabschiedeten wir uns. Irgendwie hat der Austausch meinen Gegenüber entspannt, er sah friedlicher aus, mit Freude in den Augen.
Nun, gleich ist es 10:30 Uhr, Zeit für den nächsten Schritt auf meiner Reise.
Ein toller Morgen, Esslingen (siehe Bilder oben) und unten: Startklar für den zweiten Tag
Reiseblog 1 - Spendenfahrt 2026
Startklar
Am 07.04.2026, da geht es los!
Alles, was Menschen möglich ist, wurde im Vorfeld getan. Letzter Check bei dem engagierten Team vom Zweirad-Klose. Am Karfreitag, am Ende des Gottesdienstes, einen Reisesegen empfangen. Von meiner lieben Freundin Conny Seinwill; Pfarrerin in Niedernhausen. Vorher noch anhand der Wetterdaten ein möglichst gutes Zeitfenster für die Alpenquerung in Österreich – dem Engpass auf der Hinreise - ausgespäht. Mittwoch/Donnerstag, da müsste es gut machbar sein. Schwere Winterkleidung – nein, die könnte ich nicht noch zusätzlich transportieren. Es wird gestartet mit dem was machbar ist. Und dann geht es darum, mit den nicht planbaren Umständen umzugehen. Wetter, Verkehr und die Suche nach einer Bleibe für die anstehende Nacht. Nichts ist gebucht.
Doch mit Asterix und Obelix: Ganz Gallien? Alles perfekt vorbereitet? Nein. Der ADAC-Zugang zum Routenplaner, der ist wohl über den Wechsel der Mobilfunkanbieters (mit neuer Nummer) nicht verfügbar. Mal sehen, ob das noch auf die Kürze zu heilen ist. Gerade in Griechenland, da benötige ist Unterstützung. Neben dem TomTom. Aber mein kleiner Begleiter, der ist dabei. Und vor allem die Segenszusprüche der letzten Tage, die tragen mich. Ich bin nicht alleine. Mit Gott auf dem Weg.
Rüdiger Schaller, 04.04.2026
Der kleiner Beschützer für die Spendenfahrt
Der kleiner Beschützer.
Ein Geschenk einer ehrenamtlichen Helferin des Advena-Hospiz in Wiesbaden-Erbenheim. Überreicht beim Gottesdienst am 01.02.26 in Dotzheim.
Mein Begleiter nun auch jenseits der Reise.
Sechs Punkte zum Spendenprojekt:
- Das Projekt
- Die Motivation
- Das St. Josefs-Hospital – Liebevoll: JoHo
- Palliativmedizin am JoHo Wiesbaden
- Vita Rüdiger Schaller
- Impressionen Kreta
1. Das Projekt
3265 Kilometer: Mit der Vespa nach Kreta
Das Spendenprojekt 2026 für das Palliativteam des St. Josefs-Hospitals in Wiesbaden
Die Route; Orientierungspunkte:
Start in Wiesbaden – Stuttgart – Ulm – Innsbruck – Bozen – Trento – Venezia - Ravenna – San Marino – Perugia – Bari – Brindisi – mit der Fähre nach Rhodos und dann auf das griechische Festland – Delphi – weiter zum Peleponnes: Patras – antikes Olympia – Pyrgos – Sparta – Neapolis – mit der Fähre nach Kreta: Kissamos – Chania – Rethymnon (Ziel der Reise). Anschließen 4 Wochen Entdeckungstour auf Kreta.
Der Start: Geplant ist der Beginn der Reise am 05.04.2026 (Sonntag). Sollte das Wetter an dem Tag Starkregen bieten – dann startet die Reise später; spätestens am 15.04.2026 geht es los.
Die Dauer: Geschätzt schaffe ich entspannt 300km pro Tag (die Route ist ohne die Nutzung von Autobahnen berechnet). Wenn es mir an einer Stelle besonders gut gefällt, dann erkunde ich die Gegend am nächsten Tag. Von daher benötigt ich geschätzt ca. 2 bis maximal 3 Wochen.
2. Die Motivation
Der Roadtrip nach meinem Eintritt in die Rente – Ende Januar 2026 - war schon länger geplant und hat sich über letzten die Monate hin konkretisiert. Ich fahre leidenschaftlich gerne Vespa und liebe Griechenland sowie die so herzlichen Menschen dort. Gerade mit Kreta verbinden sich inzwischen schon seit einigen Jahren schöne Erinnerungen und bewegende Begegnungen mit den Menschen dort. Unbenommen: In die Landschaften und die Natur dort, da habe ich mich schon beim ersten Besuch quasi verliebt. Und eine – wichtige – Randnotiz: Meine Asthmaprobleme, die ich seit Kindheit habe, entspannen sich deutlich: Ich kann befreit durchatmen. Doch warum Rethymno als Ziel? Erinnerungen: Tief einatmen, durchatmen. Salzwasser auf den Lippen. Die Sonne steht hoch, wärmt meinen Nacken. Sanft umschmeichelt mich das Wasser des kretischen Meeres. Angenehm warm birgt es mich. Mein Blick schweift ab, hinter den Häusern von Rethymnon erheben sich die weißen Berge. Leichter Dunst zeichnet ein sanftes Bild. Rethymnon, die Altstadt mit ihren venezianischen und osmanischen Bauten, Gassen und Plätzen. Die Festung von Rethymnon bietet einen traumhaften Panoramablick über die Stadt und über das typisch griechisch tiefblaue Meer. Ein versteckter Schatz, diese Stadt. Das liegt einiges an Vorfreude in der Luft. Gespannt bin ich auf die Reise durch Italien – Italien ist fast komplettes Neuland für mich.
Doch nun kommt das Joho (eine liebevolle Abkürzung für das Krankenhaus) ins Spiel: Vor einigen Monaten hatte ich mitbekommen, dass eine Frau mit ihrer Vespa von Essen nach Wien gefahren war und diese Fahrt als Spendentour durchgeführt hatte. In knapp 2 Wochen sammelte sie ca. dreitausend Euro an Spenden für Jose Carreras Stiftung „Kampf gegen Leukämie“. Da kam bei mir sofort der Impuls auf: Ich fahre eh nach Kreta – da kann ich das doch auch mit einer Spendentour verknüpfen. Und ich dachte sofort an das Joho und die Palliativmedizin. Warum das? Nun ganz konkret aus eigener Betroffenheit: Mein Schwiegervater wurde dort zunächst ambulant und dann stationär bis zu seinem Tod sehr achtsam und liebevoll versorgt. Dazu kam, dass ich selbst im Joho schon mehrere Aufenthalte (z.B. Blinddarmdurchbruch 2024, Abriss der Quadrizepssehne bei einem Treppensturz, beidseitiger Leistenbruch) hatte, und am eigenen Leib erfahren hatte, wie gut die Arbeit gerade auch der Pflegenden im Joho ist. Für mich ein ganz klarer gelebter Ausdruck der christlichen Prägung, auf dem das Joho basiert.
Einen kleinen Dank hatte ich nach meinem letzten Aufenthalt (Blinddarm-OPs) geschrieben: Eine Wanderung zwischen den Welten / Reflektionen | ruedigerschaller.de
Nun, nachdem ich den zuvor skizzierten Impuls wahrgenommen hatte, setzte ich mich mit Herrn Einig in Verbindung. Er fand die Idee sehr gut, gerade auch mit Blick auf die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Palliativarbeit. So verfolgte ich den Gedanken weiter und hatte am 30.12.25 einen konstruktiven Gesprächstermin mit Herrn Heselhaus und Frau Thiel, bei dem ich meine Idee darlegen konnte. Aus dem Gespräch heraus entstand neben ein paar weitern ToDo´s, auch dieser Steckbrief.
Mit Blick nochmals auf meinen Schwiegervater: Ich konnte erleben, wie das Team im Joho – mein Schwiegervater war mit einer unheilbaren Krankheit konfrontiert – medizinisch kompetente Behandlung sowie eine zutiefst menschliche Unterstützung und Begleitung erfahren konnte.
Wir sollten nie aus dem Auge verlieren, dass wir sterblich sind. Und zu Lebzeiten Menschen in schweren Zeiten unterstützen, damit ihr Leben zum Lebensende hin zumindest ein wenig Lebenswerter wird. Daher ist es mir ein Herzensanliegen, mich einzubringen, zumindest mit der Spendentour Menschen zu motivieren, die so wichtige und hilfreiche Arbeit zu unterstützen.
3. Das St. Josefs-Hospital – Liebevoll: JoHo
Das Leitbild „einfach gut sein“ gilt als verbindliche Orientierungshilfe für alle Aufgaben der Mitarbeitenden im Joho – auch und besonders in der Palliativmedizin.
Das St. Josefs-Hospital in Wiesbaden, von Einheimischen, Patienten und Mitarbeitenden liebevoll JoHo genannt, ist ein katholisches Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung. Hervorgegangen aus der pflegerischen Tätigkeit der Dernbacher Schwestern - der „Armen Dienstmägde Jesu Christi", verfügt es heute über 17 medizinische Fachabteilungen. In spezialisierten Zentren, darunter dem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Onkologischen Zentrum, arbeiten unterschiedlichste Disziplinen, Professionen und Kooperationspartner eng vernetzt zusammen – im Interesse der bestmöglichen Versorgung der Patientinnen und Patienten. Die Palliativmedizin am JoHo ist Teil dieser Zentrumsstruktur und eigenständig zertifiziert.
Das JoHo Wiesbaden hat rund 1.900 Mitarbeitende und 530 Betten. Rund 34.000 Menschen finden jedes Jahr Hilfe in der Zentralen Notaufnahme. Zur operativen Versorgung stehen 13 Operationssäle sowie ein ambulantes Operationszentrum zur Verfügung. Rund 25.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich stationär versorgt.
Alleiniger Anteilseigner ist die St. Josefs-Hospital-Wiesbaden Stiftung. Stiftungszweck der rechtsfähigen Stiftung bürgerlichen Rechts ist die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege unter Wahrung des christlichen Profils sowie die Erfüllung mildtätiger Zwecke – das besondere Augenmerk für die Bedürfnisse von unheilbar schwerkranken Menschen ist tief im Selbstverständnis des JoHo verankert.
Mehr über die Stiftung unter: www.joho-stiftung.de
Das JoHo arbeitet permanent an der Optimierung seiner Strukturen, an der Patientenorientierung, an der Weiterentwicklung des Leistungsportfolios einschließlich der medizinischen und räumlichen Ausstattung. Eigenständigkeit, innovative Medizin, menschliche Zuwendung, klare christliche Werte und Nachhaltigkeit im Einsatz von Ressourcen prägen das Profil – hierzu zählen auch die überregional beachteten Leuchtturmprojekte in der Palliativversorgung.
Mehr über das JoHo unter: www.joho.de
4. Palliativmedizin am JoHo Wiesbaden
Das Unveränderliche annehmen können und die verbleibende Zeit mit Leben füllen – das ist das Ziel.
Palliativmedizin ist ein Behandlungsschwerpunkt der Medizinischen Klinik III des JoHo Wiesbaden. Sie konzentriert sich darauf, Menschen, die mit dem Erleben und den Folgen einer schwerwiegenden und unheilbaren Erkrankung konfrontiert sind, medizinisch kompetent zu behandeln und menschlich intensiv zu unterstützen und zu begleiten.
Die Linderung von körperlich bedingten Symptomen durch effektive Schmerztherapie und die Behandlung von Luftnot oder Übelkeit haben dabei ebenso große Bedeutung wie die gemeinsame Bearbeitung psychischer und sozialer Belastungsmomente und existentieller Krisen durch psychosoziale und seelsorgerliche Begleitung.
Die Patientinnen und Patienten erhalten eine individuelle Behandlung und Begleitung, die ihren persönlichen Bedürfnissen und ihrer Lebenssituation entspricht. Ziel ist es, die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten oder wiederherzustellen.
Die im JoHo palliativ versorgten Patientinnen und Patienten werden von einem kompetenten Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften, Psychologen, Sozialarbeitern, Seelsorgern, Physio- und Musiktherapeuten begleitet und behandelt.
Mehr unter: www.joho.de/medizin-pflege/fachabteilungen/med-klinik-iii-palliativ-und-onkologie/palliativmedizin
Lebensraum Palliativ
Das St. Josefs-Hospital hat über das Projekt „Lebensraum Palliativ“ ein modernes Palliativzentrum geschaffen.
Seine Aufgabe ist es, Menschen mit lebensbegrenzenden Erkrankungen in ihrer letzten Lebensphase umfassend zu begleiten. Im Mittelpunkt stehen Lebensqualität, Würde und Selbstbestimmung – ergänzt durch eine ganzheitliche Versorgung, die medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Aspekte miteinander verbindet.
5. Vita Rüdiger Schaller
Geboren 1959 in Offenbach / Main. Stolzer Vater von drei tollen Kindern, die seit längerem ihre eigenen Wege gehen, ohne dass die Herzensbindung verlorengegangen ist. Schön ist es, dass die Kinder ganz in der Nähe wohnen. Mit meiner Frau lebe ich in Wiesbaden, wir sind seit über 38 Jahren verheiratet und glücklich.
Beruflich war ich seit etlichen Jahren als Projektmanager Expert im Investmentbanking einer großen deutschen Bank, der DZ BANK, in Frankfurt aktiv bis zu meinem Eintritt in die Rente. Darüber hinaus verantwortete ich für den Bereich, in dem ich aktiv war, auch das Ein- und Auslagerungsmanagement und verantwortete die Abarbeitung der Anforderungen nach MaRisk AT8.2. All diese Aufgaben wurden mit Blick auf den Renteneintritt in gute und kompetente Hände übergeben. Ein tolles Team bei meinem Arbeitgeber, die Arbeit und das gemeinsame Wirken machten Spaß. Ich vermisse das Wirken dort und vor allem viele Menschen. Doch die Kontakte bleiben bestehen und werden weitergelebt, wenn auch in anderer Form.
Ehrenamtlich bin ich aktiv als:
- Prädikant der Evangelischen Landeskirche Hessen und Nassau; seit 2009.
Tätig bin ich in den folgenden Dekanaten: Im Evangelisches Dekanat Wiesbaden und im Evangelischen Dekanat Rheingau-Taunus - Mentor bei den Joblingen
Die Joblinge: Eine gemeinnützige AG, die Bundesweit aktiv ist – sie aktiviert seit 2008 junge Menschen für Ausbildungsberufe, vermittelt in Ausbildung und begleitet bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss. Dafür bündeln sie das Engagement von Wirtschaft, Staat und von Privatpersonen. So schaffen sie persönliche Perspektiven und helfen auch, die Fachkräftelücke zu schließen. 80 Prozent der Teilnehmenden schaffen mit uns den Sprung in ihre Ausbildung.
Seit 2019 habe ich bislang 13 junge Menschen (Stand Ende 2025) bei ihrem Weg in eine Ausbildung begleiten dürfen. Die Quote: 12 haben es geschafft! Ich freue mich für jeden. Es ist so schön zu erleben, wie diese jungen Menschen aufblühen und Perspektiven nun für ihr Leben haben. Leider sind manchmal kulturelle Hürden zu hoch, einem wurde es von der Familie her verwehrt. - Evangelische Kirchengemeinde Niedernhausen
Mitarbeit in der Redaktion des Gemeindesjournals „Augenblick“. Verantwortlich auch für das Layout. Ab 2026 wird es keine weiteren Ausgaben mehr geben, da ab dem Jahr die gesamte Öffentlichkeitsarbeit im Nachbarschaftsraum der sich bildenden „evangelischen Gesamtkirchengemeinde im Idsteiner Land“ neu konzipiert wird. - DRK (Deutsches Rotes Kreuz)
Bei guter Gesundheit werde ich bald die 100 bei den Blutspenden erreichen - Weitere Aktivitäten:
Coaching
Persönlichkeitsentwicklung mit dem Ziel, der Wiedererlangung und Festigung der eigenen Handlungskompetenz in den doch oft schwierigen und hochkomplexen Umfeldern, in denen wir privat und beruflich aktiv sind.
Eine erste Basis hatte ich als Handballtrainer gelegt: Teams mit ganz unterschiedlichen Charakteren zu einer Einheit zu formen, die sich gegenseitig trägt. Ob männliche oder weibliche Jungendteams oder im Damen- und Männerbereich. Ein Zeit, angefüllt mit vielen tollen Erfahrungen, die ich auch als Schiedsrichter machen konnte.
Waldbaden
Als ausgebildeter Kursleiter für Waldbaden fördere ich in diesem Gesundheitsformat auch den nachhaltigen und wertschätzenden Umgang mit Mensch und Natur. Der Mensch findet Erholung und vielleicht sogar Heilung im Wald. Viele wissenschaftliche Studien bestätigen dies.
Autor und Blogger
Aktuell schreibe ich über Themen, die mich bewegen in meinem Blog: Impressionen über "Gott und die Welt".
Mein erstes Buch "In die Stille" hatte ich aus eigenen Lebenserfahrungen heraus als ein "Mutmacherbuch" geschrieben: Auch in scheinbar nicht zu lösenden Lebensumständen kann das Leben weitergehen. Leben ist Bewegung. Getreu dem Motto:
Aussteigen - und doch dabeibleiben; nicht gegen sondern für mich, das ist die Bewegung in der Tradition Rousseaus und Thoreaus veröffentlicht: Zurück zur (eigenen) Natur!
Jeden Tag zahllose Nachrichten von Krisen und Katastrophen, allesamt menschengemacht, dazu das Gefühl, in einem Hamsterrad aus Arbeit und Konsum gefangen zu sein – viele Menschen leiden unter dieser Situation. Dennoch ändern sie nichts, weil sie nicht wissen wie. Mir ging es ähnlich – bis zum Burn-out. Meinen Weg aus dieser Zwangslage hatte ich in dem Essay In die Stille beschrieben. Und dieses Essay birgt auch gesellschaftlichen Sprengstoff: „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen unserer westlichen Lebensart, dem neoliberalen Kapitalismus und den individuellen Zwängen“, erklärt der studierte Betriebswirt. „Ein solches System kann man aber nicht abstellen wie einen Motor.
Laufen
Gesundheitsorientierter Ausdauersport. Von 110kg auf 82kg, ärztlich begleitet: Blutdrucksenker abgesetzt, "böses" Cholesterin unter 50. Nur ein paar Werte, doch wichtig. Vor allem wichtig: Ein tolles Lebensgefühl und über die Jahre hin viele tiefgehende Erfahrungen und Begegnungen bei den Wettkämpfen. Nein, es müssen nicht immer 100km am Stück sein - moderat, jeder in seiner Zeit und seinem Wohlbefinden.
Leben ist Bewegung.
Nicht zu vergessen ist dabei, dass auch ein wohldosiertes Krafttraining unterstützend wichtig ist. Ausdauer alleine reicht im zunehmenden Alter nicht. Dem natürliche Muskelschwund kann Krafttraining etwas entgegensetzen.
Lesen und Musik
Lesen (eine kleine Auswahl):
Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag.
Oliver Albrecht: Lebensthemen (Grundkurs biblische Theologie).
Norbert Frei: Hitlers Eliten nach 1945.
Paul-Ulrich Lenz: Vergiss den Himmel nicht.
Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden (1-3).
Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer.
Raul Hilberg: Unerbetene Erinnerung.
Thomas Mann: Der Zauberberg.
Joachim Gnilka: Wie das Christentum entstand - Jesus von Nazaret.
Joachim Gnilka: Wie das Christentum entstand - Paulus von Tarusus.
Dagmar Pöpping: Passion und Vernichtung - Kriegspfarrer an der Ostfront.
Jack Kornfield: Das weise Herz - Die universellen Prinzipen buddhistische Psychologie.
Elie Wiesel: Gezeiten des Schweigens.
Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis - Geschichte einer Kollaboration.
Sarah Iles Johnston: Von Göttern und Menschen - Die griechischen Mythen neu erzählt.
Deutsche Bibelgesellschaft: Die Bibel - Lutherübersetzung - Jubiläumsausgabe 2017.
Musik (eine kleine Auswahl):
Klavierunterricht von sechsten Lebensjahr bis zum Anfang der Meisterklasse - Chopins Trauermarsch. Das war das letzte Stück vor dem Trümmerbruch des kleinen Fingers beim Handball. Dann zog das Klavier immer wieder mit um - doch entweder schliefen meine Kinder - oder die Nachbarn. Kein Üben möglich. Vor dem letzten Umzug: Ein Experte begutachtet das Instrument, das mich so viele Jahr begleitet hatte - kein Stimmen mehr möglich. Bei der Entsorgung ging ich im Wald spazieren, traurig und aufgewühlt. Doch die Erinnerungen an viele schöne Momente, wie den Hauskonzerten, die bleiben.
Jahre später: Musikmesse in Frankfurt. Die ePianos, die haben inzwischen einen tollen Sound. Vielleicht finde ich eins. Sie nehmen kaum Platz weg und sie können auch mit Kopfhörer gespielt werden. Doch Enttäuschung: Bei einer der letzten Musikmessen in Frankfurt waren keine ePianos da. Einer Eingebung folgt ich spontan, nachdem ich eine Ukulele sah: Ich lerne Ukulele spielen und bringe ein Jahr später meiner Tochter zu ihrer Hochzeit ein Ständchen: "What a Wounderfull World". So der Impuls. Mit Hilfe eines sehr guten Lehrers und einer sehr guten Gesangslehrerin wurde es ein gelungener Auftritt. Begleitet von meiner Frau, einer Schlagzeugerin, auf der Sneare. Eine sehr hilfreiche rhythmische Begleitung und Unterstützung.
6. Impressionen Kreta (Rethymno und Sarmariaschlucht)
Meine treue Gefährtin; hier auf dem großen Feldberg in Hessen. Zusammen fahren wir nach Kreta und weiter!
Unterstützt von einem tollen Team vom Zweirad Klose in Wiesbaden - ein Top Service über die Jahre.
QR-Code zur Spendenplattform: