Wir schreiben das Jahr des Herren, das Jahr 2026. Gegen Ende Januar ging etwas zu Ende. Endgültig. Fast 40 Jahre meinen Job gemacht, mit viel Herzblut. Gerade die letzte Jahre nach einer internen Umstrukturierung waren auch menschlich einfach super. Ein tolles Team, prima Menschen. Viele trage ich noch in mir, im Herzen. Schöne Erinnerungen, auch in schweren Zeiten ein tragender Zusammenhalt. Kurz vor dem Eintritt in der Rente, da fragte mich ein lieber Kollege, wie es mir geht. Gemischt. Das war meine Antwort. Auf der einen Seite: Was kommt? So viele Routinen wurden gelebt; nun: Es greift jetzt nichts mehr. Leere, totale Leere. Die sollte gefüllt werden. Doch im Moment, da fühlt es sich zum Teil wie Sterben an. Alles loslassen, wirklich alles loslassen.Doch selbst 10 Jahre mit vollem Einsatz weiterarbeiten - irgendwann kommt die Zeit, alles, wirklich alles, Loszulassen. So geht Sterben, anerkennen und akzeptieren, dass alles Endlich ist. Auch mein Leben. Die klare Erkenntnis reift: Ich kann nichts festhalten, alle meine Werke werden vergehen. Nur die Liebe im Herzen, die bleibt. Nur sie. Und nun, was ist eine neue, eine tragenden Ausrichtung auf der Basis der tiefen Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit? Und dem Erschrecken darüber. Das kann helfeneine Neuausrichtung im Leben zu wagen. Es ist notwendig, Altes zu hinterfragen. Vier essentielle Fragen an dieser Stelle. Neuausrichtung. Gerade jetzt, in der Osterzeit, da kommt Hilfe in meiner ansteigenden Verzweiflung. Karfreitag: essentielle Fragen mit Blick auf das ewige Leben, oder die ewige Verdammnis in der Hölle. Wie steht es mit meiner Ausrichtung nach oben, zum Himmel? Oder: wie stark hänge ich am Irdischen und wie stark bestimmt die Perspektive des ewigen Lebens mein aktuelles Leben? Welche der folgend aufgeführten vier Bewegungen brauche im im Moment am meisten? 1. Von der Angst zur Liebe? 2. Von der Hetze zur Geduld? 3. Von der Oberfläche zur Tiefe? 4. Vom Stückwerk zur Vollendung? Mit Bonhoeffer: Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln. Was für ein Mutmacher, was für eine so herrliche Perspektive. Raus aus der Enge und der Drangsal der Welt in die Weite, in die bedingungslose Liebe.
Rüdiger Schaller, Autor des Buches "In die Stille".
06.04.2026
Kommentar hinzufügen
Kommentare